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Nordkreis Simke Ried will Bürgermeisterin von Homberg (Ohm) werden
Landkreis Nordkreis Simke Ried will Bürgermeisterin von Homberg (Ohm) werden
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18:00 24.12.2021
Simke Ried aus Cölbe tritt überraschend als bisher einzige Kandidatin zur Bürgermeisterwahl in Homberg (Ohm) an.
Simke Ried aus Cölbe tritt überraschend als bisher einzige Kandidatin zur Bürgermeisterwahl in Homberg (Ohm) an. Quelle: Privatfoto
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Cölbe

Bürgermeisterin Ried – bei dieser weiblichen Form des Titels dürften die Cölber etwas stutzig werden. Für Menschen aus Homberg (Ohm) dagegen könnte das im nächsten Jahr vielleicht völlig normal klingen. Denn die Cölberin Simke Ried tritt als Kandidatin für die Bürgermeisterwahl der Nachbarstadt des Kreises an.

Die Entscheidung fiel erst vor wenigen Tagen, die Nachricht kommt überraschend, bisher hegte die 39-jährige Gymnasiallehrerin, zudem Ehefrau von Cölbes Bürgermeister Dr. Jens Ried, keine Ambitionen auf ein politisches Amt. Auch sie wurde überrascht, als die Fraktionsspitzen aus Homberg (Ohm) im heimischen Landkreis die Fühler nach möglichen Kandidaten ausstreckten: Die CDU-Fraktion habe sie als Erste gezielt auf ihre Bereitschaft angesprochen und ihr Interesse geweckt, verrät Ried im OP-Gespräch. „Sie sagten, sie brauchen jemanden, der von außen kommt – es ist schon ein bisschen verrückt, aber ich will das machen.“

Der Grund für die Kandidatensuche im Nachbarkreis: In der Stadt selber gibt es bisher keinen möglichen Nachfolger für die scheidende Bürgermeisterin Claudia Blum (SPD), die sich nicht erneut zur Wahl stellt. Ausschlaggebend für diesen Entschluss waren die „Entwicklungen der politischen Rahmenbedingungen“, wie Blum dem Onlinemagazin „Oberhessen live“ sagte. Homberg (Ohm) hat harte Debatten und einen andauernden Zwist rund um den Weiterbau der A49 hinter sich.

Dessen sei sie sich bewusst, „entlang der Straße sind so einige Konfliktgräben entstanden“, sagt Ried. Die Intention der unter Zugzwang stehenden Polit-Spitze sei es auch, mit externen Kandidaten aus der Nachbarschaft einen unbelasteten Blick ins Rathaus zu holen. Das sei vernünftig, sie sieht sich als geeignete Kandidatin, um vielleicht so manchen Riss wieder zu kitten, bezieht auch keine Position für oder gegen den fortgeschrittenen Autobahnbau. Sie wolle wieder die Themen in Homberg (Ohm) hervorzuholen, die bisher von der A 49 überschattet wurden.

„Ich bin ein recht pragmatischer Mensch, mir geht es um ein ruhiges und konstruktives Arbeiten, rein um die Stadt“, betont Ried. Die kannte sie bislang nur von Besuchen, biete aber „unheimlich viel Potenzial und viele Entwicklungsmöglichkeiten“, schwärmt Ried von der idyllisch gelegenen Ohm-Stadt. Vom attraktiven Wohnen, der Entwicklung von Gewerbe, touristischen und kulturellen Möglichkeiten, alleine durch das Schloss, gibt sie einige Beispiele.

Sie stehe praktisch für einen Neuanfang, fühle sich auch als junge Kandidatin gewappnet, das potenzielle neue Amt an der Spitze im Rathaus mit ihren 13 Stadtteilen und rund 7500 Einwohnern zu stemmen.

Ried will als parteilose Kandidatin antreten, saß dabei bereits für die CDU in der Cölber Gemeindevertretung und in der letzten Wahlperiode noch im Ortsbeirat Bürgeln. Die Gymnasiallehrerin an der Adolf-Reichwein-Schule Marburg traut sich auch größere Aufgaben zu. Erfahrungen in Verwaltung und rechtlichen Belangen bringe sie durch ihre Arbeit als Aufgabenfeldleiterin der Schule mit wie durch ihre Tätigkeit für die Lehrkräfteakademie. Zudem hat sie sich zur Schulseelsorgerin weiterbilden lassen. Auch das sei ein Vorteil, findet Ried.

Die Bürgermeisterwahl findet am 13. März statt. Die Bewerbungsfrist endet am 3. Januar. Ihre Aussichten stehen gut, bisher wirft sie als einzige Kandidatin den Hut in den Ring. Die CDU, ebenso SPD und die Freien Wähler aus Homberg hätten ihr bereits Unterstützung zugesichert. Noch keinen Kontakt hatte sie zu den Grünen und dem Bürgerforum, das wolle sie aber bald nachholen, „ich gehe auf alle zu, das ist mir wichtig.“

Die gebürtige Ostfriesin lebt seit 2001 in Cölbe – wo wird Familie Ried dann leben, sollte sie Bürgermeisterin werden? Das steht schon fest, sie und Ehemann würden in der Gemeinde Cölbe bleiben. Eine Residenzpflicht für Rathauschefs gibt es nicht mehr und ihr Mann sei schließlich „als Erster“ im Amt gewesen, sagt sie lachend.

Von Ina Tannert