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Nordkreis Schilderwald wird gelichtet
Landkreis Nordkreis Schilderwald wird gelichtet
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14:00 09.07.2021
In dieser Kurve der Kreisstraße 3 gilt nun dauerhaft Tempo 60, nicht nur bei Nässe. Die neue Beschilderung stellten vor: Roswitha Kraus vom Landkreis, zuständig für die Kreisstraßen (von links), die Bürgermeister Michael Emmerich (Rauschenberg) und Dr. Jens Ried (Cölbe) mit dem Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow.
In dieser Kurve der Kreisstraße 3 gilt nun dauerhaft Tempo 60, nicht nur bei Nässe. Die neue Beschilderung stellten vor: Roswitha Kraus vom Landkreis, zuständig für die Kreisstraßen (von links), die Bürgermeister Michael Emmerich (Rauschenberg) und Dr. Jens Ried (Cölbe) mit dem Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow. Quelle: Ina Tannert
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Schönstadt

Die Kreisstraße 3 zwischen Schönstadt und Bracht, die Cölbe und Rauschenberg miteinander verbindet, ist auf knapp vier Kilometern eine ziemlich kurvige und teils beengte Angelegenheit. Entsprechend unterschiedlich ist die Beschilderung, rund 40 Schilder – teils mehrere am selben Pfosten – weisen den Weg: Mal wird auf besonders knackige Kurven, Straßenschäden oder Hofausfahrten hingewiesen, mal herrscht Tempo 80, mal 60, bislang aber nur bei Nässe.

Der Dschungel aus Verkehrszeichen wird nun etwas gelichtet, die Verkehrsbehörde des Landkreises hat in Abstimmung mit Hessen Mobil und Polizei begonnen, einige Schilder abzumontieren oder neue anzubringen, weitere werden folgen. Insgesamt 18 Schilder werden entfernt.

Auf der kurvigen, schlecht einsehbaren Strecke kommt es regelmäßig zu Verkehrsunfällen, größtenteils kommen dabei Fahrzeuge von der Straße ab, und zwar fast immer etwa auf halber Strecke in Fahrtrichtung Schönstadt. Dort galt bisher Tempo 60 bei Nässe – da es aber auch bei trockener Straße bereits zu Unfällen kam, gilt die Begrenzung nun unabhängig vom Wetter. In der Gegenrichtung in Fahrrichtung Bracht gilt dagegen in dem Bereich nun Tempo 80 statt 60 (bei Nässe), dabei auch nicht mehr die maximalen 100 Stundenkilometer.

Kurvenleittafeln in einer besonders scharfen Kurve

Für den mittleren Streckenabschnitt ist zudem die Entfernung der Mittelmarkierung angeordnet worden, da dies erfahrungsgemäß dazu führe, dass Verkehrsteilnehmer „aufgrund weniger Orientierungsmöglichkeiten vorsichtiger und langsamer fahren“, heißt es im Bericht der Kreis-Behörde.

Bei einer besonders scharfen Kurve werden wiederum noch Kurvenleittafeln aufgestellt, außerdem sind mehrere doppelt vorkommende Warnschilder verschwunden. Die Aufräumaktion hat das Ziel, für mehr Übersichtlichkeit zu sorgen, sodass die verbleibenden Schilder von Autofahrern „eher wahrgenommen und akzeptiert werden“.

Die „Botschaft“ des Ganzen: Es soll für mehr Sicherheit sorgen auf einer Strecke, an der es „in erheblichem Umfang“ zu Unfällen kommt, „wir nehmen Tempo raus“, betont der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow.

Warum dann die verschiedenen Geschwindigkeitsgrenzen – mal 60, mal 80, teils weiterhin ohne zusätzliches Tempolimit? Die Werte ergeben sich aus der Unfallstatistik, an der sich die Behörde orientieren müsse, sie seien das Maximum, was die Vorgaben der Straßenverkehrsordnung hergeben. „Ich bin froh, dass die nun umgesetzt werden, das führt zu mehr Sicherheit“, lobt Rauschenbergs Bürgermeister Michael Emmerich.

Der Arbeitskreis zur Kreisstraße 3 tagt ab Herbst

Auch wenn es auf der Straße zum Glück nicht zu schlimmen Unfällen komme, sei jeder Unfall ein Ärgernis, sowohl für Betroffene als auch für die Umwelt, wenn aus Fahrzeugen, die im Graben landen, Betriebsstoffe auslaufen, ergänzt Cölbes Bürgermeister Dr. Jens Ried. Er kündigt an, im Laufe dieses Jahres in Zusammenarbeit mit der Polizei verstärkt Verkehrskontrollen an der Strecke durchzuführen. Das auch, um den Schwerlastverkehr zu kontrollieren, der immer wieder die Straße nutze, obwohl die für Lkw gesperrt sei.

Das Ganze ist dabei kein erster Schritt, um die viel diskutierte Herabstufung der K 3 zu erreichen. Dennoch bleibe die Situation an der Strecke „ein Riesendilemma“, so der Verkehrsdezernent. Eine weitere Verbesserung würde einzig eine Begradigung oder Verbreiterung der Fahrbahn ermöglichen, was die Lage vor Ort jedoch nicht zulasse.

Das sei auch ein Grund, warum der Landkreis eine Herabstufung der Strecke bevorzuge, samt Umwandlung in einen Weg rein zur landwirtschaftlichen Nutzung oder für den Radverkehr.

Zu dem Thema gebe es indes nicht viel Neues zu berichten, nach den vergangenen Bürgerversammlungen zu den nicht unumstrittenen Plänen bremste die Pandemie das Thema aus. Die eigentlich geplante Verkehrszählung konnte noch nicht durchgeführt werden, „der Ball liegt jetzt im Spielfeld des Landes“, erklärt Zachow. Generell dürfte eine mögliche Rückstufung erst in ein paar Jahren umsetzbar werden, zu dem Zeitpunkt, wenn sowohl die Ortsumgehung B 252 neu für Münchhausen, Wetter und Lahntal sowie die A 49 fertiggestellt ist und die Verkehrsströme sich verändern.

Eine Verkehrszählung sei für eine Umwidmung der Kreisstraße verpflichtend und solle schon vorher stattfinden, auf Grundlage von Prognosen, wie sich der Verkehrsfluss entwickeln dürfte. Das sei kompliziert und momentan nicht möglich, grundsätzlich würde der Kreis das Vorhaben auch nur umsetzen, wenn die Anwohner der Landesstraße „das nicht ausbaden müssen“, so Zachow.

Zuvor solle erst mal der angedachte Arbeitskreis aktiv werden, der sich mit den K-3-Nutzern, dem Bedarf in beiden Orten und noch offenen Fragen befassen soll. Dieser wird voraussichtlich nach der Sommerpause zusammen kommen.

Von Ina Tannert

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