Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Nordkreis Sanierungsschock in Lahntal
Landkreis Nordkreis Sanierungsschock in Lahntal
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:00 05.11.2019
Das „Haus am Wollenberg“ in Sterzhausen steht nun viel länger als gedacht nicht für eine Nutzung zur Verfügung. Quelle: Tobias Hirsch
Sterzhausen

Die Gemeinde Lahntal hat weiß Gott genug vor der Brust, man denke nur an den Bau der Feuerwehrgerätehäuser in Caldern und Sterzhausen. Da kommen die festgestellten Schäden am „Haus am Wollenberg“ zur Unzeit.

Es war Land in Sicht, jetzt ist so ziemlich Land unter, was die Sanierungsarbeiten am „Haus am Wollenberg“ angeht. „Ich dachte, dass wir das Haus ab Februar wieder freigeben können“, sagte Lahntals Bürgermeister Manfred Apell während der Gemeindevertretersitzung. Jetzt könne er keinen Zeitpunkt mehr nennen.

550.000 Euro wurden in die Sanierung gesteckt, und dann kommt es gleich zu zwei bedeutenden Wasserschäden. Eine erste Schätzung geht jetzt inklusive der sowieso noch anstehenden Arbeiten von Kosten in Höhe von 900.000 Euro aus – wobei eigentlich alle Lahntaler Gemeindevertreter wissen, dass das noch längst nicht die Endsumme sein wird. So oder so müsse gehandelt werden, und das bedinge auch, dass der Landkreis mitzieht. Die Gemeinde hat ihm schon mal Beteiligungskosten in Höhe von 290.000 Euro ins Stammbuch geschrieben.

Bürgermeister Manfred Apell ärgert sich sehr über diese „katastrophalen Entwicklungen“, weiß aber auch, dass diese nicht absehbar waren. Bisher weiß man nur, dass das Flachdach wasserdurchlässig geworden ist. Eingehendere Untersuchungen haben ergeben, dass eine Dachsanierung vor 20 Jahren „eher unsachgemäß“ erfolgt ist. Dadurch ist anzunehmen, dass die Dachabdichtung mit sogenannten Alvitra-Bahnen so weit geschädigt ist, dass Wasserschäden an unterschiedlichen Stellen immer wieder auftreten können.

Daraus folgt, dass nun das gesamte Flachdach neu gemacht werden muss, um für die kommenden Jahre diesbezüglich auf der sicheren Seite zu sein. Man könne die erfolgten Sanierungen nicht einer immerwährenden Gefahr eines erneuten Wasserschadens aussetzen. Der andere Wasserschaden ist eigentlich einer unglaublichen Schluderei geschuldet, und die liegt schon ewig zurück.

Offensichtlich während des Baus des Mehrzweckgebäudes wurde ein Waschbecken in einem als Behindertentoilette vorgesehenen Raum nicht an das Abwassersystem angeschlossen. Das Abwasserrohr endete blind im Bauwerk. Da dieses Waschbecken in den zurückliegenden Jahren nur sehr selten genutzt wurde, ist dort nie ein zu sehender Schaden aufgetreten.

Doch während der Sanierungsphase war in den angrenzenden Sanitärräumen die Wasserentnahme teilweise ausgesetzt, sodass dieses Waschbecken sehr häufig genutzt wurde und es zum Schaden kam. Bei der Ursachensuche wurden auch die Abwasserleitungen mit einer Kamera befahren. Dort wurden ebenfalls Schäden offenbar. So summieren sich die zusätzlichen Arbeiten aufgrund aktueller Schäden zunächst einmal auf 515.000 Euro.

Dazu kommen Kosten für zusätzliche Arbeiten, die einen vorbeugenden Bauwerksschutz erbringen sollen. Dort kommt nun auch wieder die Lüftungsanlage ins Spiel, die der Landkreis eigentlich so belassen wollte. Die Gemeinde rechnet mit Kosten von 150.000 Euro, die sie sich mit dem Kreis teilen möchte. Nächste Position ist die Erneuerung der Wasserleitungen für 50.000 Euro, die ebenfalls zwischen Gemeinde und Kreis geteilt werden sollen.Bei der Sanierung des Flachdaches und der Behebung der Kanalschäden hofft die Gemeinde auf eine Kreis-Unterstützung von 157.500 Euro.

Apell betont, dass die Kosten nur geschätzt wurden, weil kein Planer so kurzfristig verlässliche Zahlen hätte liefern können. Die Gemeindevertreter zeigten sich geschockt. Doch machten die Sprecher der Fraktionen auch deutlich, dass man keine andere Möglichkeit habe, als in den sauren Apfel zu beißen. Einstimmig beschlossen die Gemeindevertreter, den Gemeindevorstand zu beauftragen, mit dem Landkreis über eine Kostenbeteiligung zu verhandeln, um die Risiken abstellen zu können.

Die Gemeinde soll zur Handlungsfähigkeit nun 900.000 Euro in den Haushalt 2020 für das Haus festschreiben. Dabei rechnet die Gemeinde mit einer Kostenbeteiligung des Kreises in Höhe von 290.000 Euro. So rückten die geplanten Verschönerungsarbeiten, wie das Anfügen einer Terrasse, in den Hintergrund. Michael Nies von der CDU-Fraktion machte deutlich, dass dort Kosten durch Eigenleistungsarbeiten gesenkt werden müssen.

von Götz Schaub