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Nordkreis Rückblick auf erfolgreiche Entwicklung
Landkreis Nordkreis Rückblick auf erfolgreiche Entwicklung
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12:58 25.09.2021
Sternwanderung zum Festplatz in Ernsthausen: Als eine der ersten Gruppen traf die Abordnung aus Rosenthal-Roda ein, in der auch die Bürgermeister von Gemünden, Frank Gleim, und Rosenthal, Hans Waßmuth (vorn rechts) mitmarschierten.
Sternwanderung zum Festplatz in Ernsthausen: Als eine der ersten Gruppen traf die Abordnung aus Rosenthal-Roda ein, in der auch die Bürgermeister von Gemünden, Frank Gleim, und Rosenthal, Hans Waßmuth (vorn rechts) mitmarschierten. Quelle: Karl-Hermann Völker
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Ernsthausen

„Wir feiern unser Jubiläum da, wo es begonnen hat: in der Gemeinde Burgwald“, freute sich Bürgermeister Rüdiger Heß, Vorsitzender der Region Burgwald-Ederbergland e. V., als er auf dem Festplatz „Vogelwiese“ hoch über Ernsthausen Gäste aus 15 Mitgliedskommunen, Vertreter der Landkreise Waldeck-Frankenberg und Marburg-Biedenkopf, der Nachbarregionen und langjährige Wegbegleiter zum festlichen Rückblick auf 25 Jahre LEADER-Region Burgwald-Ederbergland begrüßte. „7,5 Millionen Euro Fördermittel und vor allem das Engagement vieler Ehrenamtlicher haben dazu beigetragen, dass mehr als 350 Projekte umgesetzt werden konnten“, bilanzierte Heß.

Unter den Gästen war auch der ehemalige Burgwalder Bürgermeister Adam Daume, der von 1995 bis 2008 Vorsitzender der Entwicklungsgruppe war und nun noch einmal die wichtigsten Projekte schilderte. „Mein Wunsch ist, dass noch viele Generationen diese Erfolgsgeschichte weiterführen und daran mitwirken, die Lebensbedingungen in unserer Region zu verbessern“, wünschte Daume.

Eine Erneuerung und Wiederbelebung

Gerhard Badouin, Leiter des Arbeitskreises für die Geschichte der Hugenotten und Waldenser in Schwabendorf, schilderte, wie die Region Burgwald 1998 erste Anstöße zur LEADER-Partnerschaft mit der Region Préalpes-Dromoises in Südfrankreich knüpfte. „Daraus entwickelte sich eine beispielhafte europäische Kulturroute, der Hugenotten- und Waldenserpfad, der auf den Spuren der Glaubensflüchtlinge von dort über 1.800 km bis Bad Karlshafen führt“, beschrieb Badouin. „Für die Projektgruppe unserer ehemaligen Hugenottendörfer zwischen Louisendorf und Frauenberg bedeutete die Kooperation Erneuerung und Wiederbelebung des eigenen Geschichtsbewusstseins.“

Rast mit weitem Blick auf den Burgwald: Bürgermeister Lothar Koch (4. von links) weihte mit den Vorstandsmitgliedern und Mitarbeiterinnen der Region Burgwald-Ederbergland (von links) Caroline Jahnke, Svenja Sauerwald, Lena Bischoff-Stein, Hermann Schleicher, Dr. Ursula Mothes-Wagner, Adam Daume und Gerd-Jürgen Daubert eine neue Wanderhütte mit hölzerner Liege oberhalb des Festplatzes „Vogelwiese“ ein.  Zwei weitere Hütten in der Gemeinde Burgwald sind geplant. Quelle: Karl-Hermann Völker

Selbstbestimmung und aktive Beteiligung aller Menschen an öffentlichen Projekten und auf unterer Ebene, das „Subsidiaritätsprinzip“, nannte Landrat Dr. Reinhard Kubat (Waldeck-Frankenberg) in seinem Grußwort als einen der „wichtigsten Momente in den 25 unglaublich erfolgreichen Jahren der Region Burgwald-Ederbergland“. Ihm stimmte auch der Erste Kreisbeigeordnete von Marburg-Biedenkopf, Marian Zachow, zu: „Die Menschen gehören anders zusammen, als sie ihre Verwaltungen darstellen. Die Region hat auch unsere beiden Landkreise zusammengeschweißt.“

19 Premiumwanderwege

Regionalmanagerin Lena Bischoff-Stein und stellvertretender Region-Vorsitzender Gerd-Jürgen Daubert zeigten am Beispiel des „Wandermärchens“ Burgwald mit 19 Premiumwanderwegen, welche touristischen Impulse bisher deutschlandweit angestoßen wurden und demnächst in Organisation des LTD Rauschenberg über das Internet beworben werden sollen.

Wanderfreunde aus Rosenthal-Roda, Burgwald-Birkenbringhausen und Simtshausen waren in einer Sternwanderung zum Fest der Region nach Ernsthausen marschiert, wo sie festliche Klänge des Musikzugs Bottendorf mit Tristan Mitschke erwarteten. Burgwalds Bürgermeister Lothar Koch weihte an dem dort vorbeiführenden „Burgwaldpfad“ eine neue Wanderhütte mit hölzerner Liege ein, zu 65 Prozent von der Region gefördert.

Mit dem Zug in eine andere Welt

„Weitere werden folgen“, kündigte er an. Klaus-Peter Fett (Wollmar) als Kultfigur „Tante Anna“ bot anschließend ein spritzig-schillerndes Kaleidoskop von Dorfgeschichten aus der Region, „wo man in Münchhausen in den Zug steigt und in Ernsthausen gleich in einer ganz anderen Welt ist“. Annas Fernreiseziel: einmal zur „Liebesinsel“ im Edersee zu schwimmen. Zum weiteren Programm gehörten eine Bilderausstellung, Informationsstände und gastliche Bewirtung durch die Vereinsgemeinschaft Ernsthausen.

 Regionalmanagerin Lena Bischoff-Stein und Vorsitzender Rüdiger Heß stellten künftige Handlungsfelder vor. Quelle: Karl-Hermann Völker

Gute Nachrichten für kommende lokale Entwicklungsstrategien der Region Burgwald-Ederbergland verkündeten Vorsitzender Rüdiger Heß und Regionalmanagerin Lena Bischoff-Stein am Ende der Jubiläumsveranstaltung. „Die EU hat bereits finanzielle Zusagen für die Jahre 2023–2017 gemacht, wobei die Region von einem neuen Verteilungsschlüssel profitieren wird. Denn der Fokus soll auf dem ländlichen Raum liegen“, sagte Heß. Auch die geringere Bevölkerungsdichte werde berücksichtigt.

Neue Projekte geplant

Das Land Hessen habe daraus in einem Beteiligungsprozess vier Handlungsfelder entwickelt, die als strategisch-inhaltlicher Rahmen für die Förderperiode 2023–2027 dienen. Handlungsfeld 1 möchte gleichwertige Lebensverhältnisse für alle verwirklichen, wobei es um regionale Wohnkonzepte, Daseinsvorsorge, zeitgemäße Mobilität und außerschulische Bildung geht. Handlungsfeld 2 fördert wirtschaftliche Entwicklung und regionale Versorgungsstrukturen durch Klein- und Kleinstunternehmen. Dazu gehören Grundversorgung, Arbeitsplatzschaffung, Gastgewerbe, Netzwerke, Fachkräfte und Wertschöpfungsketten.

Um Erholungsräume und ländlichen Tourismus geht es im Handlungsfeld 3, das tourismusnahe Infrastruktur, Dienstleistungen und Servicequalität fördern will. Anpassungsstrategien zu einem nachhaltigen Konsum-Verhalten unter dem Stichwort „Bioökonomie“ werden im Handlungsfeld 4 entwickelt. „Leute vor Ort aus der Region Burgwald-Ederbergland sollen demnächst selbst bestimmen, welche Projekte in den kommenden fünf Jahren umgesetzt werden“, kündigte Rüdiger Heß an. Geplant seien Fachforen in den Kommunen, Online-Plattformen und Ideenwettbewerbe. „Alle, die heute hier sind, sind dazu aufgerufen, sich bei diesem Prozess einzubringen.“

Von Karl Herrmann Völker