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Nordkreis Am Mikrophon wird „laut gedacht“
Landkreis Nordkreis Am Mikrophon wird „laut gedacht“
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14:21 05.01.2022
Bürgermeister Dr. Jens Ried (links) und Informatik-Professor Dr. Dominikus Herzberg im Cölber Rathaus beim Probelauf für eine neue Podcast-Folge von „Radio Cöbe".
Bürgermeister Dr. Jens Ried (links) und Informatik-Professor Dr. Dominikus Herzberg im Cölber Rathaus beim Probelauf für eine neue Podcast-Folge von „Radio Cöbe". Quelle: Ina Tannert
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Cölbe

„Hallo, hier ist wieder Radio Cölbe“ – dieser Satz schallt seit über eineinhalb Jahren regelmäßig aus Lautsprechern in der Gemeinde beziehungsweise durch den Äther des Internets, wo sich der handgemachte lokale Podcast auf diversen Plattformen findet.

Recht spontan ins Leben gerufen hat den im Juni 2020 Dr. Dominikus Herzberg. Der Informatiker begann einfach damit, das Mitteilungsblatt der Gemeinde in ein Audio-Format zu übertragen, locker und prägnant über aktuelle Neuigkeiten zu berichten.

Zu Beginn ging es noch um reine Bekanntmachungen, in der ersten Folge etwa um die neuen Bodenrichtwerte oder die damaligen Corona-Notbetreuungen für die Kitas. Später dann erweiterte Herzberg den Podcast – nicht nur mit Sound-Effekten und musikalischen Einlagen, sondern auch um einen politischen Schwerpunkt.

Die Aufbereitung jeder Folge übernimmt er selber, hat Spaß daran und will einfach Wissen vermitteln, alleine schon aus persönlichem wie beruflichem Interesse an Bildung und Digitalisierung: Der Informatik-Professor und Bildungswissenschaftler arbeitet an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen, nimmt auch für seine Studierenden regelmäßig Fach-Podcasts auf, um dem Uni-Alltag in der Pandemie mehr Würze zu verleihen. „Ich musste ja eine Lösung finden, damit das Ganze digital läuft und wurde immer wärmer mit dem Podcast-Format“, berichtet der 54-Jährige und lacht. Er münzte dann das Hobby schließlich auf ein Format für seine Heimatgemeinde um und begann, Sitzungen der Gemeindevertretung und deren Ausschüsse zu besuchen. „Das ist begrenzt spannend so ein Sitzungsabend, aber ich finde die Inhalte, das was unsere Gemeinde so ausmacht und was da drin so passiert, das finde ich gar nicht so uninteressant“, kommentiert er noch im August 2020 nach einem ersten Ausschuss-Besuch. Sein Interesse an der lokalen Politik aber war geweckt, er befasste sich näher mit der Materie und fand schließlich selber seinen Weg in die Kommunalpolitik, sitzt heute für Bündnis 90/Die Grünen in der Gemeindevertretung. „Ich empfinde mich eigentlich als unpolitisch, aber bin das wohl doch nicht“, verrät er lachend.

Rund 50 Folgen bislang

Mittlerweile sind rund 50 Folgen von „Radio Cölbe“ entstanden und Herzberg sitzt nicht mehr alleine am Aufnahmegerät: Bürgermeister Dr. Jens Ried ist im Frühling mit eingestiegen – regelmäßig wandelt sich das Bürgermeisterbüro im Rathaus zum Aufnahmestudio.

Die Idee entstand nach einem Interview durch Herzberg und den Jugendlichen Anna und Robin, die den Bürgermeister über politische Vorhaben und Cölbes Klima-Ziele befragten. Es entwickelte sich „eine gute Wellenlänge“ zwischen den Podcastern, beide möchten Interesse an der kommunalpolitischen Ebene wecken, „wir wollen beide den Bürger kulturpolitische Themen näherbringen“, sagt Herzberg. Der Podcast sei ein passendes Format, um bei oft trockenen Themen über eine moderne Plattform mehr Tiefgang zu erreichen: „Eigentlich ist Kommunalpolitik ein Eisberg – das was öffentlich sichtbar wird, ist längst nicht alles, vieles findet unter der Oberfläche statt“, sagt Ried. Vielen endgültigen Beschlüssen voraus gehen Gespräche und Debatten in den Ausschüssen oder den Fraktionen, wo die eigentliche Vorarbeit stattfindet. Zusammen berichten beide daher über die verschlungenen politischen Entscheidungswege, anstehende aktuelle Debatten oder die nächste Tagesordnung des Parlaments. Parteipolitische Ziele sollen dabei keine Rolle spielen und außen vor bleiben, den Podcast wollen beide neutral halten: Vollkommen objektiv bleiben sie dabei nicht immer, vertreten ihre persönlichen Meinungen und liefern sich die ein oder andere humorvolle Spitze, ohne eine Grundsatzdebatte anzustrengen. „Wir versuchen, keine Meinung zu beeinflussen, sondern liefern Sachargumente und Sachinformationen, bestimmte Themen wollen wir auch gar nicht vorwegnehmen“, betont Herzberg.

Am Mikro wird praktisch „laut gedacht – es geht um eine Kultur des politischen Austauschs und es macht einfach Spaß“, beschreibt Ried lachend die Momente, wenn das Band mitläuft. Davon solle es noch viele geben, beide planen viele weitere Folgen, die sie noch zusätzlich mit Interviews oder Aufnahmen außerhalb bei Ausflügen in die Gemeinde ergänzen wollen.

Mehr zum Thema

Der Podcast kann über die Startseite der Gemeinde-Webseite www.coelbe.de gefunden werden, der Link leitet dann auf die Plattform Anchor weiter (https://anchor.fm/radio-coelbe)

Von Ina Tannert