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Nordkreis Post schickt falschen Leuchtturm zurück
Landkreis Nordkreis Post schickt falschen Leuchtturm zurück
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12:00 24.08.2019
„Leuchti“ sollte in einer eigenen Seekiste um die Welt reisen. Quelle: Privatfotos
Oberrosphe

Stefan Henseling ist niedergeschlagen. Tag für Tag hat er an seinem „Leuchti“ geschnitten, geklebt und ­gepinselt. Fast 100 Stunden hat er für den Bau seines Miniatur-Leuchtturms mit eigener Seekiste gebraucht. Doch seine Arbeit war umsonst. Denn auf dem Postweg ging seine Skulptur verloren. Dabei hatte der Oberrospher mit seinem „Leuchti“ Großes vor.

Henseling hat zwölf Jahre bei der Marine gedient. Von Juli­ 1990 bis Dezember 1998 verbrachte er die meiste Zeit auf dem Minensuchboot Herten. Mehr als 60 Häfen hat er in dieser Zeit in Europa angesteuert, seine längste Zeit auf See verbrachte er viereinhalb Monate am Stück. Eine Zeit, die ihn geprägt hat – und auf die er gerne zurückblickt.

„Scheißhausrohre“ werden zu echten Kunstwerken

Deshalb gründete Henseling im August 2017 eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe mit seinen ehemaligen Kameraden. Ein Jahr darauf trafen sich mehr als 30 frühere Besatzungsmitglieder in Kiel. Damit der Kontakt nicht abbricht, kam Henseling eine Idee: Mit einer gemeinsamen Aktion wollte er den Zusammenhalt aufrechterhalten – und gleichzeitig noch etwas ­Gutes tun.

Der gelernte Maler hat schon einige Abflussrohre im Keller seines Einfamilienhauses in Oberrosphe zu Leuchttürmen umgebaut. Dem ein oder anderen Freund hat er damit schon eine Freude gemacht. Henseling betoniert die Rohre zunächst aus, malt sie dann kunstvoll an und verpasst ihnen mit einer Lichtquelle und einzeln angemalten Figuren auf der Aussichtsplattform den letzten Schliff. So wurden aus einigen „Scheißhausrohren“, wie der Tüftler sagt, schon echte Kunstwerke.

Schon bei der zweiten Postsendung verloren gegangen

Den „Leuchti“ der Herten-Besatzung wollte Henseling aber nicht verschenken. Die Miniatur-Skulptur sollte stattdessen um die ganze Welt von einem Marine-Kumpel zum nächsten reisen. Nebenbei wollten die Kameraden Spenden für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger sammeln und am Ende den „Leuchti“ für weiteres Spendengeld versteigern. Doch bereits bei der zweiten Postsendung ging der Leuchtturm verloren.

Nach dem ersten Weg in die Schweiz sollte „Leuchti“ eigentlich nochmal zu Henseling zurückkehren, ehe er seine weitere Reise über Vietnam nach Kanada antreten sollte. Henselings Schweizer Kamerad fuhr extra über die Grenze und gab das ­Paket in Deutschland auf, damit auch ja nichts schiefgeht. Doch seit ein paar Monaten fehlt von „Leuchti“ jede Spur.

Dann kam der falsche Leuchtturm

Dabei hatte Henseling einige­ Vorkehrungen getroffen: Außen klebte er eine Kopie seines Personalausweises an, damit „Leuchti“ zur Not immer zu ihm zurückfindet. Zudem legte Henseling dem Paket Bilder bei, damit im Ausland „niemand denkt, dass da eine Rakete drin ist, wenn er das Paket scannt“, sagt Henseling. Doch alles vergebens.

Laut Post-Pressesprecher Alexander Böhm kommt es immer mal wieder vor, dass Briefe und Pakete nicht zugestellt werden können. Grund dafür ist beispielsweise, dass Adressaufkleber beschädigt werden oder verloren gehen. Pakete landen dann in Wuppertal, wo Mitarbeiter sie öffnen und lagern. Mit einem Nachforschungsauftrag können Kunden nach ihrer Sendung suchen lassen.

Aus einem Problem wurden zwei

Diesen Schritt wählte auch Henseling. Nach einiger Zeit erhielt er eine Antwort und einen Leuchtturm zurück – allerdings nicht seinen „Leuchti“, sondern Massenware. „Meine Frau sagt, der ist bestimmt aus dem Weltbild-Katalog“, sagt Henseling schmunzelnd. Aus einem Problem wurden so zwei: Henselings „Leuchti“ ist weiter verschwunden, und nun wartet auch noch ein anderer Postkunde vergeblich auf seinen bestellten Leuchtturm.

„Das ist sehr schade und tut uns leid“, sagt Postpressesprecher Böhm. Henseling solle­ ­eine erneute Anfrage mit Bildern seines „Leuchtis“ stellen. Dann könne man gegebenenfalls noch den richtigen Leuchtturm finden. Das falsch gesendete Paket wolle man direkt vor Ort in Oberrosphe abholen, sagt Böhm.

Noch hat Stefan Henseling seinen „Leuchti“ nicht gänzlich aufgegeben. Große Hoffnungen macht er sich aber nicht mehr, dass sein Unikat noch den richtigen Hafen findet. Ob er einen neuen Leuchtturm baut und um die Welt schickt, weiß er noch nicht. Mehr als der hineingesteckten Arbeit trauert er den verpassten Spendengelder nach. Denn: „Auch wenn da nach zwei Jahren Reise keine­ Millionen zusammengekommen wären: Jede Spende zählt“, sagt Henseling.

von Tobias Kunz