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Nordkreis Ali ist eine der ältesten im Landkreis
Landkreis Nordkreis Ali ist eine der ältesten im Landkreis
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13:58 31.08.2019
Alle lieben die alte Ali: Sarah (14 Jahre) und ihr Bruder Matthis (8 Jahre) genauso wie Mama Stefanie Schmidt, die die Hessenstute seit 30 Jahren besitzt. Quelle: Nadine Weigel
Amönau

Zärtlich streicht Matthis über Alis grauen Kopf. Die Pferdeomi hat die Augen geschlossen und genießt die Streicheleinheiten des Achtjährigen.

„Ich hab Ali ultradolle lieb“, sagt Matthis und erntet von seiner sechs Jahre älteren Schwester Sarah zustimmendes Nicken. Ja, alle lieben Alicante, genannt Ali.

Die Hessenstute, die von Amalfi abstammt, ist mit ihren­ 34 Jahren eines der ältesten Warmblutpferde im Landkreis Marburg-Biedenkopf, wahrscheinlich sogar in Hessen. Denn im Schnitt werden Warmblüter nur circa 20 Jahre alt.

Einige Schicksalsschläge zu verkraften

Seit 30 Jahren besitzt Stefanie Schmidt die Stute. Für sie ist Ali ein besonderes Familienmitglied. „Mein Papa hat sie mir damals gekauft, weil ich zu groß war für unser Pony. Ali war immer total lieb. Meine drei Kinder haben auf ihr gesessen, bevor sie überhaupt laufen konnten“, sagt die 42-Jährige lächelnd.

Die Amönauerin musste einige Schicksalsschläge hinnehmen. Vor zwei Jahren brannte ihr Haus. Dabei wurden nicht nur das Fachwerkhaus zerstört. Viel schlimmer war für Stefanie und ihre Familie, dass die meisten Fotos von früher ein Raub der Flammen wurden. Wertvolle Erinnerungen zerfielen unwiederbringlich zu Asche.

Pferd Ali war als Seelentröster immer an Stefanies Seite – auch beim Tod ihrer Eltern. „Ali ist eine lebende Erinnerung an meinen Papa. Der hat immer sehr an ihr gehangen und schon früh gesagt, dass sie das Gnadenbrot bei uns bekommen soll“, sagt Stefanie und erinnert sich auch an ihre Mutter, die nach schwerer Krankheit vor einiger Zeit verstarb: „Meine Mama hat immer gesagt, ich solle gut auf unsere Ali aufpassen.“

So alt werden Tiere

  • Afrikanische Elefanten haben die höchste Lebenserwartung unter Landsäugetieren. Sie können bis zu 70 Jahre alt werden.

  • Von allen Wirbeltieren unter Wasser wird der Grönlandhai am ältesten: 400 Jahre. Der Grönlandwal ist das älteste Säugetier mit durchschnittlich 200 Jahren.

  • Große Schildkrötenarten wie die Galapagos Schildkröte können zwischen 150 und 200 Jahre alt werden.

  • Papageien und Greifvögel sind die Vogelarten mit der höchsten Lebenserwartung. Der in Neuseeland beheimatete Kakapo kann bis zu 90 Jahre alt werden.

  • Katzen werden im Schnitt etwa 15 Jahre alt.

  • Hunde erreichen durchschnittlich ein Alter­ von 10 bis 15 Jahren.

  • Pferde werden bis zu 35 Jahre alt, wobei das von der Rasse abhängt. Ponys haben eine deutlich höhere Lebenserwartung als Warmblutpferde, die im Schnitt nur 20 Jahre alt werden.

Quelle: Allianz/Geo

Und genau das tut Stefanie Schmidt mithilfe von Familie und Freunden.

„Ich habe zwei Mädels, die sich um sie kümmern, wenn ich mal nicht hier bin“, sagt sie dankbar.

In den 
90er-Jahren war Stefanie Schmidt, geborene Kamm, mit Ali in Springprüfungen erfolgreich.

Noch immer macht die Pferdeomi einen recht fitten Eindruck. Selbst mit 34 Jahren wird sie noch im Schritt bewegt.

Meistens geführt, manchmal reitet sie Tochter Sarah ein bisschen ins Gelände. Bewegung tut Ali offensichtlich gut.

Seit einigen Jahren leidet sie unter Arthrose – regelmäßig leichte Bewegung ist deshalb wichtig, findet ihre Besitzerin.

„Am Anfang ist sie sehr steif, aber je mehr sie sich bewegt, desto besser geht es ihr“, betont Stefanie Schmidt und ist sehr froh und dankbar, dass ihr Pferd ansonsten von Krankheiten verschont blieb.

Ali steht die meiste Zeit im Jahr komplett auf der Weide und bewegt sich so automatisch schon viel. Ab einem gewissen Alter neigen Pferdesenioren zum Senkrücken, aber auch dieser hält sich bei der Stute mit Hessenbrand noch in Grenzen.

In den 90ern nahm Stefanie Schmidt mit Ali erfolgreich an Springprüfungen teil.

Neben Bewegung und genetischer Veranlagung ist wahrscheinlich auch eine gute­ Ernährung ausschlaggebend für ein langes, gesundes Pferdeleben. „Sie ist zwar ziemlich dünn, aber für ihr Alter geht das noch“, findet Steffi. Morgens und abends bringt sie ihrem Pferd auf der Weide Zusatzfutter vorbei: Müsli, Pellets und Heucobs – mit Wasser eingeweichte Heupellets, weil die alte Pferdedame Heuhalme nicht mehr so gut fressen kann.

Steffi und ihre Kinder hoffen, dass Pferdeomi Ali noch lange Teil ihrer Familie sein wird. Sie wünschen sich, dass sie bis zum Ende schmerzfrei bleibt. Eins ist sicher: beim nächsten Geburtstag von Ali wollen Schmidts wieder mit Sekt im Pferdestall auf ihr tierisches ­Familienmitglied anstoßen.

von Nadine Weigel