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Nordkreis Wetter will eine Wald-Kita
Landkreis Nordkreis Wetter will eine Wald-Kita
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09:00 29.10.2021
Mehrere Kinder Spielen mit Matsch im Wald. Waldkindergärten werden immer beliebter. Auch die Stadt Wetter überlegt, ob sie eine Natur-Kita aufbauen will.
Mehrere Kinder Spielen mit Matsch im Wald. Waldkindergärten werden immer beliebter. Auch die Stadt Wetter überlegt, ob sie eine Natur-Kita aufbauen will. Quelle: Andreas Arnold/dpa
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Wetter

Durch den Wald pilgern, Draußen sein, von der Natur lernen – das erleben Kinder in einem Waldkindergarten tagtäglich an der frischen Luft. Die naturnahe Kinderbetreuung ist eine zunehmend beliebte Alternative zur klassischen Kita in festen Räumen. Und in der Stadt Wetter könnte nun ebenfalls ein Freiluft-Kindergarten entstehen.

Beziehungsweise eine Wald- oder Natur-Kita, so heißt es im Antrag aller Fraktionen im Stadtparlament, der am Dienstag (26. Oktober) einstimmig beschlossen wurde. Das Thema ist nicht neu, ebenso wenig die Tatsache, dass die Stadt deutlich mehr Kita-Plätze benötigt, weswegen auch die Kita Zwergenland erweitert wird und derzeit in Containern auf dem Festplatz untergebracht ist.

Eltern-Umfrage zum Bedarf

Wie, wo und ob eine Wald-Kita als Ergänzung und Entlastung des bestehenden Angebots aufgebaut wird, steht noch nicht fest. Vor dem neuen Kita-Jahr im August 2022 ist damit nicht zu rechnen. Den Aufschlag zum Thema hatte die CDU in einem ersten Antrag gemacht, der von jenem Änderungsantrag aller Fraktionen samt FDP abgelöst wurde. Der ist im Grunde erst mal ein Prüfantrag – ein endgültiger Beschluss soll später folgen – mit dem die Stadt beauftragt wird, die Fühler auszustrecken, wie eine Wald-Kita angenommen werden würde.

Dazu soll es noch eine öffentliche Infoveranstaltung sowie eine Abfrage unter den Eltern der infrage kommenden Geburtsjahrgänge geben. Das, um zu ermitteln, ob es genügend Interesse an Plätzen in einer Wald-Kita gibt und wie viele Gruppen gegründet werden könnten.

Erst nach einer Abfrage bei den Eltern würde die Kostenlage geschätzt und die Suche nach einem Standort und einem passenden Trägermodell beginnen – ob die mögliche neue Kita städtisch oder über freie Träger betrieben wird, ist offen. Die aktuellen Kita-Träger in der Stadt würden befragt, ob sie die Trägerschaft übernehmen möchten. Auch ein Eltern-Verein als Träger und eine Kooperation mit den Nachbarkommunen wären vorstellbar.

Wald-Kitas sind günstiger im Unterhalt

Wald- und Natur-Kitas gibt es einige im Kreis, sie gelten vielerorts als „Erfolgsmodelle“ und das Interesse an einer naturpädagogischen Betreuung ist gestiegen, erfreue sich wachsender Beliebtheit und steigender Anmeldezahlen, befinden die Fraktionen. Sie heben hervor, dass bei Waldkindergärten, die in der Regel mit einem kleineren warmen Unterschlupf – etwa ein Kita-Bauwagen – auskommen und fast das ganze Jahr über Draußen stattfinden, mit geringeren Bau- und Unterhaltskosten zu rechnen ist. Das wäre ein Vorteil für die angeschlagene Stadtkasse.

Die Stadt Wetter hat nun drei Monate Zeit alle offenen Fragen abzuklären und erneut dem Parlament vorzulegen. Noch gibt es viele „wenns“, das Vorhaben zumindest zu prüfen, darin waren sich alle Parlamentarier einig.

Spontan hatten auch die Grünen einen weiteren Änderungsantrag auf den Tisch gelegt, der die Gründung einer Natur-Kita beschleunigen sollte: Indem praktisch die Kita ohne vorherige Bedarfsabfrage auf den Weg gebracht werden sollte. Um „erst ein Angebot zu schaffen und dann quasi den Kunden hungrig zu machen“, erklärte Grünen-Fraktionsvorsitzender Jörg Bettelhäuser.

Der Antrag der Grünen wurde am Ende mehrheitlich abgelehnt. Der gemeinsame Antrag aller Fraktionen dagegen einstimmig und ohne große Debatte im Nachgang vom Stadtparlament beschlossen.

Von Ina Tannert