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Nordkreis Ubbelohde-Zeichnungen regen Fantasie an
Landkreis Nordkreis Ubbelohde-Zeichnungen regen Fantasie an
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17:02 12.08.2021
Für die Illustration des Märchens „Die Nixe am Teich“ wählte Otto Ubbelohde im Jahre 1909 die Steinmühle an der Lahn bei Cappel.
Für die Illustration des Märchens „Die Nixe am Teich“ wählte Otto Ubbelohde im Jahre 1909 die Steinmühle an der Lahn bei Cappel.
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Goßfelden

Otto Ubbelohde sicherten seine Zeichnungen ein kontinuierliches Zubrot, doch gerade ein Teil dieser Druckvorlagen für Buchillustrationen, Kalender und Postkarten machten ihn weltweit bekannt. Rund um die Welt kennt man seine Illustrationen zu einer 1909 erschienenen Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm des Leipziger Turm-Verlags. An den 448 Illustrationen des Märchenbuchs arbeitete er von 1906 bis 1909.

Ubbelohde bediente sich bei seinen Märchenzeichnungen an Vorlagen im weiteren Umkreis Goßfeldens, zum Beispiel der Rimberg im Lahntal für das Märchen Frau Holle oder der Rapunzelturm in Amönau.

Angelehnte Motive

Professor Siegfried Becker sagte dazu: „Mit seinen Federzeichnungen zu den Märchen der Brüder Grimm schuf Ubbelohde die wohl bekanntesten Märchenillustrationen, die mit ihren an hessische Landschaften, Bauwerke und Trachten angelehnten Motiven den Märchen, in denen Natur und Landschaft oft nur sekundär, ja Requisit bleiben, eine mythopoetische Auslegung und Ausschmückung gaben.

Ubbelohde beherrschte die Technik der Federzeichnung in Perfektion, wusste darin Stimmungen einzufangen, Milieustudien zu schaffen, in die man sich hineinsehen und hineinfühlen kann.

Der Reiz der Illustration

Das macht den Reiz seiner Illustrationen zu den Märchen aus, weil die Fantasie angeregt und damit die Erzählung des Märchens zur Geltung kommen kann.“ In der Sagen-Serie der OP werden deshalb oft Zeichnungen Ubbelohdes die Texte bereichern.

Der am 5. Januar 1867 in Marburg als Sohn eines Professors geborene Ubbelohde kehrte nach Aufenthalten in Weimar, München und Worpswede zurück, ließ in Goßfelden ein Atelierhaus erbauen, in dem er seit dem Jahr 1900 mit seiner Ehefrau ständig lebte. Sicherten die Zeichnungen Ubbbelohdes Lebensunterhalt, so neigte er doch mehr der Malerei zu, schaffte vor allem Landschaften und Stillleben.

Anerkennung für die Werke

Otto Ubbelohde erfuhr schon zu Lebzeiten eine gewisse Anerkennung für sein Werk. So verlieh ihm die Universität Marburg aus Anlass seines 50. Geburtstags im Jahre 1917 den Professorentitel und ernannte ihn am 6. Juli 1921 zum Ehrensenator.

Am 24. Juli 1918 ernannte ihn die Philosophische Fakultät der Landesuniversität Gießen zum Ehrendoktor. Dennoch geriet er nach seinem Tod am 8. Mai 1922 fast in Vergessenheit.

Die Spuren von Otto Ubbelohde

Heute ist dem Werk Ubbelohdes ein Saal im Marburger Universitätsmuseum für Bildende Kunst gewidmet und der Landkreis Marburg-Biedenkopf vergibt seit 1987 jährlich den Otto-Ubbelohde-Preis. Das Zentrum der Erinnerung ist aber in Goßfelden, das heute zur Gemeinde Lahntal gehört, angesiedelt. Neben einer nach Otto Ubbelohde benannten Schule und einer Straße gibt es seit 2010 den Rundweg

„Auf den Spuren von Otto Ubbelohde durch Goßfelden“, der zu markanten Stellen führt, die der Künstler in seinem Werk festhielt oder die ihm als Vorlage dienten. Nach Goßfelden führt von Hanau aus auch ein Abschnitt der Deutschen Märchenstraße.

Otto-Ubbelohde-Stiftung

Hier liegt auch das ehemalige Wohn- und Atelierhaus des Künstlers, das heute ein Museum ist. Ubbelohde ließ das Haus nach Ideen des englischen Landhausbaus und nach eigenen Entwürfen in Fachwerk und Kratzputz errichten.

Die Otto-Ubbelohde-Stiftung setzte Ende des 20. Jahrhunderts das Anwesen mithilfe der Gemeinde Lahntal, der Universität Marburg, der Hessischen Kulturstiftung sowie des Landkreises Marburg-Biedenkopf wieder instand. Seit der Eröffnung des Museums im November 1999 finden dort wechselnde Ausstellungen statt, die das Werk Ubbelohdes präsentieren.

Von Gianfranco Fain

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