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Nordkreis Oberrosphe spielt wieder Theater
Landkreis Nordkreis Oberrosphe spielt wieder Theater
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17:35 21.09.2020
Anja Schwamberger im Stück „Machs guttche“. Die Theatergruppe Oberrosphe will im nächsten Jahr wieder Theater machen. Quelle: Tobias Hirsch
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Oberrosphe

In Oberrosphe herrscht rege Betriebsamkeit. In kleinen Gruppen wird seit geraumer Zeit geprobt, denn die Theaterfreunde wollen 2021 wieder ein Freiluft-Stück vor der historischen Kulisse des Dorfmuseums auf die Beine stellen. Der Name des Stücks lautet „Die Burgwälder – Von Waldherren und Holzknechten im 19. Jahrhundert“, spielt in der Zeit zwischen 1831 und 1849 und erzählt von Schicksalen der Dorfgemeinschaft Oberrosphe im damaligen Kurfürstentum Hessen-Cassel. Es ist das vierte Projekt der Oberrospher in Zusammenarbeit mit Regisseurin Brunhilde Heß nach „Die Lumpensammlerbande“ (2003), „Leibchen, Liebe, Chewinggum“ (2007) und „Machs guttche“ (2011). 50 Laien-Schauspieler im Alter von sechs bis 80 Jahren erzählen von der Zeit vor der Deutschen Revolution, zeugen vom Schicksal einzelner, das verbunden war und immer noch ist mit dem Burgwald.

Der das Dorf umgebende Burgwald war eine lebenswichtige Quelle für seine Bewohner. Sie nutzten sein Holz als Bau- und Brennstoff oder als Werkholz. Sie hüteten ihre Kühe und Schafe unter alten Buchen, trieben ihre Schweine zur Mast unter die Eichen und sammelten Laub, Beeren und Pilze.

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Der damalige Wald bestand aus mehreren kleinen Laubgehölzen oder Buschwerk. Die größte Fläche war mit Heide bewachsen, auf der Birken und Heidelbeeren wuchsen. Vereinzelt standen alte Hutebuchen und -eichen. Der Boden war durch die landwirtschaftliche Nutzung, aber auch durch das Fortschreiten der Industrialisierung, ausgezehrt und verhinderte die natürliche Verjüngung von Laubholz.

Ein Leben im Kampf um die eigene Existenz

So kam es Anfang des 19. Jahrhunderts zu einem systematischen Anbau von Nadelholz, wobei nach der Kiefer die Fichte im Laufe der Zeit immer mehr Waldfläche einnahm. Den Wald als einen Gesamtorganismus mit seinen vielfältigen Funktionen zu betrachten, konnten die Menschen sich damals weder vorstellen noch leisten.

Sie lebten im ständigen Kampf um ihre Existenz und gerieten immer wieder in Konflikt mit den zuständigen Förstern, die in Stellvertretung für die oberste Herrschaft die Bevölkerung kontrollierten und mit Forststrafen belegten. Das zwang die Menschen zu einem kargen und eingeschränkten Leben und dadurch bedingt auch dazu, Wald- oder Wildfrevel zu begehen.

Das Stück spiegelt eine Zeit, in der die Knappheit an natürlichen Ressourcen verbunden war mit sozialen und politischen Missständen. Forderungen wurden wach, ausgehend vom sogenannten Vormärz in 1830 bis hin zur 1848er Revolution mit der Bildung eines Bürgerparlamentes, der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche.

Im Vorfeld der revolutionären Umtriebe nahmen die ärmeren Schichten des Dorfes sich eigene Rechte heraus. Sie schlugen Holz jeglicher Art, jagten Wild ohne Beschränkung und verprügelten die ihnen so verhassten Förster.

In 1849 kehrten die alten autoritären Verhältnisse zurück, nachdem die Nationalversammlung ihre Arbeit eingestellt hatte und die Landesfürsten wieder ihre Macht ausübten. Wenn auch nicht alle Errungenschaften wieder rückgängig gemacht wurden, verbesserte sich grundsätzlich nichts an den harten Lebensbedingungen. So blieb oftmals nur als Ausweg die Ausreise nach Amerika.

Zur Regisseurin

„Die Burgwälder - Von Waldherren und Holzknechten im 19. Jahrhundert“ ist das vierte große Stück zur Regionalgeschichte der Stadt Wetter und seinem dazugehörigen Stadtteil Oberrosphe, das Brunhilde (Bruno) Heß nach historischen Gegebenheiten und Recherchen geschrieben hat und in Szene setzt. 2007 arrangierte Heß „Leibchen, Liebe, Chewinggum“, 2015 „Die Kanonissen“ und 2018 „Meine ? Stadt – 1932 – 1942“.

Des Weiteren schrieb die Autorin zu zwei Grenzegangsfestspielen historische Vorspiele sowie eine geschichtliche Komödie zum 20-jährigen Jubiläum der Partnerschaft zwischen den Städten Wetter und Oostrozebeke. Es folgten Dialoge zur Internetpräsentation der Stadt Wetter. Zudem hat Brunhilde Heß „Die Lumpensammlerbande“ von Renate Audick sowie zwei Festspiele zum Grenzegang der Stadt Wetter inszeniert.

Von Tobias Kunz