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Nordkreis Neues Ziel für Natur- und Wanderfreunde
Landkreis Nordkreis Neues Ziel für Natur- und Wanderfreunde
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10:58 17.04.2021
Der Treisbacher Künstler Stephan Jürgens-Jahnert steht neben seinem Objekt „zweischneidig“.
Der Treisbacher Künstler Stephan Jürgens-Jahnert steht neben seinem Objekt „zweischneidig“. Quelle: privatfoto
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Treisbach

Sieben Objekte und Großinstallationen hat der Treisbacher Künstler Stephan Jürgens-Jahnert für den „Kunstweg Treisbach“ am Wegesrand geschaffen. Wanderinnen und Wanderer auf dem Premium-Wanderweg „Gisonenpfad“ werden seit kurzem bereits über Hinweisschilder auf diese Ergänzung zur Tour aufmerksam gemacht – gerade rechtzeitig zum Start der Wandersaison. Zu finden sind die Objekte auf dem Weg von der Straße „Am Berggarten“ hinauf zur Schöne-Aussicht-Hütte der Wanderfreunde Treisbach und zum Waldgebiet Schüssler.

Der 69-jährige Stephan Jürgens-Jahnert hat viele Jahre lang als Psychologischer Psychotherapeut und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut in Wetter gearbeitet. Erst als er in den Ruhestand ging, hat er sich der Kunst zugewandt – oder wie er es sagt: „Die Kunst kam zu mir.“ Seit 1980 lebt er in Treisbach, einem kleinen, ursprünglich bäuerlich geprägten Dorf. Landwirte aber gibt es immer weniger. Die alten Höfe und Scheunen wurden und werden saniert – doch wohin mit den Gerätschaften? Der gebürtige Ostfriese hat sie über Jahre gesammelt: alte Eggen, Pferde- und Ochsengeschirre, alte Brotschieber und sogar eine sogenannte Teller-Falle. „Die Dinge würden sonst irgendwann auf dem Schrott oder im Müll landen“, sagte Jürgens-Jahnert der OP. „Beim Betrachten kam dann die Idee und dann die Kunst.“

Sieben Objekte hat er für den Kunstweg realisiert. Sie heißen „Kaltblut“, „Zweischneidig“, „schwerelos“, „Schneewittchen“, „BrechKlangEisen“, „Vielfalt“ und „Fenster zum Säife“. Säife ist ein Ausdruck aus dem Treisbacher Dialekt und beschreibt einen feuchten Wiesengrund, auf den diese Installation den Blick richtet. Und „Vielfalt“ ist ihm auch politisch wichtig: „Die Arbeit soll eine weltoffene Note transportieren, wir sind ein Land in Vielfalt“, sagt er.

Die Installationen und Objekte stehen sowohl auf privatem wie öffentlichem Land. Sie beschäftigen sich vorwiegend mit Themen der Region: mit ihrer Geschichte, mit Märchen und mit der Landschaft. Oft hat Stephan Jürgens-Jahnert Geräte und Materialien verarbeitet, die ihm von Treisbachern gespendet wurden. Drei Objekte sind interaktiv. „Schneewittchen“ etwa besteht aus einem alten Heugreifer mit ovalen Spiegeln. Das Objekt „Vielfalt“ ist gefertigt „aus Teilen eines Miststreuers der ersten Generation und passt damit gut zu dem ländlichen Bezug des Kunstweges, vermittelt hier allerdings eine ganz neue Aussage“, erklärt der Künstler auf seiner Homepage. „Sieben Metallschienen, die ursprünglich den Mist zum Streuer transportieren, sind nun senkrecht im Boden verankert und in den Farben der Vielfalt gestrichen. In ihrer kreisförmigen Anordnung werden sie durch die alte Transportkette in den Farben unserer Nationalflagge zusammengehalten. Die Kettenenden wiederum sind durch ein Schloss mit der Gravur des Objektnamens verbunden. Der eher bewahrende, traditionelle Charakter des Kunstweges wird durch diese Installation um eine zukunftsweisende, moderne und weltoffene Sichtweise erweitert.“

Weitere Arbeiten können Wanderer, Spaziergänger oder Radfahrer auf seinem eigenen Anwesen entdecken. Auch sie sind fantasievolle Neukomposition alter Materialien, die früher in der Landwirtschaft genutzt wurden: Da liegt ein „Gefallener Engel“ neben dem „Tor zur alten Welt“.

„Jedem, der sich nach coronabedingtem Kunstfasten nach einem Kulturerlebnis sehnt, und allen, die nach einem langen Winter wieder an der frischen Luft etwas erleben wollen, ist dieser ,Kunstweg Treisbach’ anempfohlen“, teilt Marburg Stadt und Land Tourismus mit und verspricht: „Auch Mitwanderer der von der Marburg Stadt und Land Tourismus GmbH angebotenen Wandererlebnisse werden künftig dieses neue, Ubbelohde-Preis-verdächtige Highlight als Teil ihres Erlebnisaufenthaltes besuchen können.“

Mehr Infos gibt es unter www.psyche-in-der-kunst-de

Von Uwe Badouin