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Nordkreis Die letzten Regal-Meter
Landkreis Nordkreis Die letzten Regal-Meter
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16:00 26.01.2021
Letzte Vorbereitungen im Dorfladen Schönstadt: Marktleiterin Manuela Lepper räumt die letzten Waren ein.
Letzte Vorbereitungen im Dorfladen Schönstadt: Marktleiterin Manuela Lepper räumt die letzten Waren ein. Quelle: IFoto: na Tannert
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Schönstadt

Eine Geschäftseröffnung in Pandemie-Zeiten und dann noch mitten im verlängerten Lockdown ist eine seltene Nachricht – auf Schönstadt trifft sie zu. Viele Hürden waren zu überspringen und jetzt ist es soweit: Am Donnerstag öffnet der Dorfladen seine Pforten. Damit hat Schönstadt eine brandneue Nahversorgung, an der das halbe Dorf mitgewirkt hat.

Denn auf eine Einkaufsmöglichkeit vor Ort wollte keiner verzichten, nachdem 2018 der alte Dorfladen für immer dicht machte, nahmen Bewohner das Ganze selber in die Hand und gründeten die Genossenschaft „Dorfladen Schönstadt eG“.

Das Ziel: Möglichst viele Schönstädter und Bewohner der Nachbarorte treten als Genossen bei, beteiligen sich an der Finanzierung der eigenen Nahversorgung und bleiben ihrem eigenen Laden zugleich als Kunden verbunden. Das Konzept ging auf, die angepeilten 300 Genossenschaftsanteile wurden erreicht, ebenso eine Rekord-Förderung von knapp einer halben Million aus Bundesmitteln.

Nach rund zwei Jahren Planung und Bau entstand ein Markt für Lebensmittel und Waren für den täglichen Bedarf, sowohl in Discount- wie Bio-Qualität und mit regionalen Produkten bestückt. Das Dorfladengebäude wurde vor wenigen Wochen komplett fertiggestellt, seit Tagen arbeiten Genossenschaftler und die fünf neuen Mitarbeiter unter Hochspannung an den letzten Metern.

Im wahrsten Sinne – denn die letzten Regal-Meter werden mit der frisch gelieferten Ware gefüllt, die Kühlung erprobt und gearbeitet wird noch „an hundert anderen Dingen“, berichtet Aufsichtsratsvorsitzender Berthold Janssen vom Endspurt.

Wie ist die Stimmung wenige Tage vor dem Start? „Super, es zieht jetzt richtig an – man merkt ein Fieber zwischen den Leuten“, erzählt Janssen. Und alleine die vollen Regale geben ihm „ein sicheres Gefühl – wir haben es geschafft“.

Die werden zum guten Teil mit Waren von Vollsortimenter Tegut gefüllt, mit dem ein Partner-Vertrag geschlossen wurde. Um eine breite Kundenschicht zu erreichen, soll sich der Dorfladen preislich nicht von großen Tegut-Märkten unterscheiden, zudem verschiedene Preissegmente anbieten. „Es ist toll, dass man jetzt die Produkte, die man kennt und haben möchte, auch direkt vor Ort hat“, lobt Janssen.

In das Gebäude integriert ist eine Bäckerei wie eine Wursttheke, die ein lokaler Metzger bestückt. Ebenfalls ein Café als Dorftreffpunkt, in dem einmal auch Veranstaltungen stattfinden können. Das Ganze soll „eine Perle“ von Schönstadt werden, „es ist unser Projekt in der Region, es geht um Begegnung und darum, etwas tolles, neues zu schaffen“, freut sich Vorstandsvorsitzende Carola Carius über den Erfolg. Jetzt müssen nur langfristig die Kunden ihrem Laden die Treue halten, „es müssen genug Leute einkaufen, damit sich das rechnet“, sagt Janssen. Daher arbeiten die Genossen bereits an Werbekonzepten. Denn eines solle das Geschäft nicht werden, unmodern, altbacken. Das verbinden viele Menschen mit dem Begriff Dorfladen, „viele haben sich das alt und klein vorgestellt, wurden aber überrascht“.

Viele sollen auch kommen, nur nicht alle auf einmal am Donnerstag – die Corona-Verordnung erlaubt maximal 22 Personen im Geschäft, daher wird es eine „stille Eröffnung“ ohne große Feier geben. Es herrscht generell die erweiterte Maskenpflicht, die Kundenzahl wird mittels begrenzter Verfügbarkeit von Einkaufswagen oder -körben koordiniert.

Der Dorfladen hat ab dem 28. Januar montags bis freitags zwischen 7 und 19 Uhr sowie samstags zwischen 7 und 14 Uhr geöffnet.

Von Ina Tannert