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Nordkreis Nach Anwohner-Kritik: Baupläne werden geändert
Landkreis Nordkreis Nach Anwohner-Kritik: Baupläne werden geändert
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07:56 12.08.2021
Auf dem Gelände des alten Rewe-Markts in Sterzhausen sollen Wohnungen entstehen. Die Bau-Planung stößt bei manchen Anwohnern auf Kritik.
Nach Anwohner-Kritik umgeplant: So sieht die aktuelle Planung des Bauvorhabens „Alte Lahnstraße" durch das Unternehmen Lindemann Immobilien aus. Quelle: Privat
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Sterzhausen

Seit Jahren steht der alte Rewe-Markt in Sterzhausen zwischen der Alten Lahnstraße und der Oberen Bahnhofstraße leer, eingekauft wird längst im neuen Zentrum am Ortsrand. Pläne, was aus dem Gelände und den alten Markthallen wird, nehmen nun konkretere Züge an.

Das Lahntaler Parlament hatte bereits im Februar mit der einstimmig beschlossenen Aufstellung des Bebauungsplans „Alte Lahnstraße“ die Grundlage für weitere Schritte festgelegt. Auf der knapp 6000 Quadratmeter großen Fläche soll neuer Wohnraum entstehen, die Firma Lindemann Immobilien möchte sechs Mehrfamilienhäuser und insgesamt 36 Wohnungen errichten. Während der letzten öffentlichen Auslegung des Bebauungsplanes hatten einige Anwohner Vorbehalte gegen die bisherigen Pläne vorgebracht.

Im Juli kamen daher Sterzhäuser, Investorin und Gemeindevertreter zum gegenseitigen Austausch zusammen. Das Angebot nutzten einige Anwohner, darunter Dr. Kristin Glißmann. Wenn die Baupläne umgesetzt werden, würde sie in direkter Nachbarschaft zu den Neubauten leben.

Hinter ihrem Wohnhaus grünt es üppig im eigenen Garten, die Sonne bescheint Gras und blühende Gewächse. Dass es nach Abschluss des Bauprojekts dort weiter so sonnig ist, bezweifelt sie. Die dreistöckigen Bauten würden einiges an Licht schlucken und wohl deutlich näher an der Grundstücksgrenze stehen, als das bei dem Supermarkt der Fall war. Wo jetzt ein grüner Streifen mit Obstbäumen liegt, würde dann wohl gebaut werden.

Grundsätzlich seien aber weder sie noch andere Anwohner gegen das Vorhaben, etwas aus dem alten Marktgelände zu machen: „Letztlich hat keiner etwas dagegen, dass Wohnungen gebaut werden“, betont Glißmann. Gerade da dieses Grundstück ja bereits versiegelt ist, andernorts keine Flächen für neue Häuser zubetoniert werden müssten.

Allerdings stieß die bisher angedachte Bauart auf Bedenken. Einer der größten Kritikpunkte war die Dachform. Die Dächer waren anfangs als begrünte Flachdächer geplant, „richtige Kästen, das würde überhaupt nicht zum alten Ortskern passen“, moniert die Anwohnerin. Schon während der Versammlung kamen daher Giebeldächer ins Gespräch.

Wie Firmenchefin Barbara Lindemann auf Nachfrage mitteilt, nehme sie die Kritik der Anwohner ernst und habe sich mittlerweile von den Flachdächern verabschiedet. Auch wenn sie das bedauert, da die Dächer nun wohl noch höher werden, es auf den Satteldächern zudem weder eine Begrünung noch Photovoltaik-Anlagen mehr geben könne. „Das ganze Konzept passt dann eigentlich nicht mehr, aber es bringt mir auch nichts, das durchzudrücken und sich nicht über alles hinwegzusetzen“, so Lindemann.

Möglichst nachhaltig sollen die Gebäude dennoch sein, werden ohne fossile Energien und fast gänzlich aus Massivholz nach ökologischen Maßstäben gebaut. Geplant sind lediglich Decken aus Beton, um Schall- und Brandschutz zu verbessern.

Nach Anwohner-Kritik umgeplant: So sieht die aktuelle Planung des Bauvorhabens „Alte Lahnstraße" durch das Unternehmen Lindemann Immobilien aus. Quelle: Privat

Damit seien ästhetische Bedenken ausgeräumt worden, Kritik an der Höhe gebe es jedoch von mancher Stelle weiterhin, sagt Glißmann. Nach der Versammlung habe sie ihre Meinung generell ein Stück weit „relativiert“, sei von einem offenen Umgang und Einbeziehung der Nachbarn positiv überrascht worden. „Es wirkte schon so, als würden die Bedenken ernst genommen.“

Neue Wege sollen Verkehrslage entschärfen

Ein weiteres Problem für manche Anwohner sei der Verkehr, die Befürchtung, dass mit den neuen Bewohnern – und deren Gästen – die Straßen übermäßig zugestellt werden.

Zudem gebe es Sorgen, wie der Verkehrsfluss sich entwickelt. Für die Neubauten sind drei Parkplätze mit rund 60 Stellplätzen geplant, zwei davon wären an den schmalen Heligweg angeschlossen. Schon jetzt würden dort aber keine zwei Autos aneinander vorbeikommen, die Zahl der Nutzer dann noch steigen, da gebe es „viel Konfliktpotenzial“, sagt Glißmann.

Auch hier seien die Pläne angepasst worden, berichtet Lindemann weiter: Einige Gebäude wurden nun auf dem Geländeplan versetzt, um eine weitere Ausfahrt zu schaffen und den Heligweg über die neue Infrastruktur mit der Alten Lahnstraße zu verbinden. Das bedeutete eine umfangreiche Neuplanung, das Projekt wird sich verzögern, die Abbrucharbeiten der alten Markthallen wohl nicht wie gedacht im Herbst beginnen. „Die Durchfahrt zum Heligweg macht da viel aus, aber ich glaube, das ist die vernünftigste Variante“, sagt die Immobilienfachwirtin.

Wenn es wegen der Bedenken der Anwohner Änderungen im Bebauungsplan geben sollte, muss dieser ein weiteres und damit drittes Mal öffentlich ausgelegt werden. Das bestätigt auch Bürgermeister Manfred Apell. Danach wird das Parlament über die Rechtskraft entscheiden. Ob das bereits in der ersten Sitzung nach der Sommerpause Mitte September der Fall sein wird, sei noch nicht sicher.

Von Ina Tannert