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Nordkreis Eine Vision mit vielen Fragezeichen
Landkreis Nordkreis Eine Vision mit vielen Fragezeichen
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18:58 29.08.2020
Zwischen Bahnlinie und Bundesstraße B 62, in Höhe des Edeka-Marktes in Goßfelden, soll die neue Sporthalle entstehen.
Zwischen Bahnlinie und Bundesstraße B 62, in Höhe des Edeka-Marktes in Goßfelden, soll die neue Sporthalle entstehen. Quelle: Tobias Hirsch
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Goßfelden

Gut 80 Personen nahmen am Donnerstagabend an der Bürgerversammlung „Bau einer Multifunktionshalle“ in der Lahnfelshalle teil. Und sicher hat keiner sein Kommen bereut. Denn es gab etwas zu sehen: Visionen, Ideen, sehr interessante Vorschläge, was sich in Lahntal entwickeln könnte.

In Sterzhausen könnte es einen Campus geben mit Kindergarten inklusive Krippe, mit einer neuen Grundschule und einem Bürgerhaus, allerdings ohne Mehrzweckhalle. Das Ganze unter Aufgabe der Schulstraße.

Halle mit Raffinessen

Und in Goßfelden könnte es auf dem Feld zwischen B 62 und bisheriger Lahnfelshalle einen Sporthallen-Neubau geben, der die Halle in Sterzhausen und die Lahnfelshalle ersetzen soll. Eine Halle mit diversen Raffinessen. Die beiden von der Gemeinde beauftragten Diplom-Ingenieure Stephanie Hindenlang und Stefan Rover von „Integrale Planung“ aus Marburg führten aus, die Halle so zu konstruieren, dass man ebenerdig die Zuschauerränge betreten kann.

Die Halle mit der Spielfläche selbst soll in den Boden gebaut werden, so dass die Halle nur 6,5 Meter hoch aus der Erde ragt. Diese Planung kommt nicht ganz von ungefähr. Das ins Auge gefasste Grundstück, das bereits der Gemeinde Lahntal gehört, bietet in der Breite nicht unendlich Platz zwischen Bahn und Straße. In der Erde versenkt können aber die üblichen Geräteräume neben dem Hallenboden gebaut werden, ohne dem Hallenfeld Platz zu stehlen. Direkt vor der Halle sollen auch die Parkplätze sein, für die es ausreichend Platz gibt, so dass niemand mehr in Goßfelden durchs Wohngebiet fahren muss, sondern direkt von der B 62 die Hallen anfährt. Die Goßfeldener sollen hingegen auch die Möglichkeit haben, über eine weit geschwungene Fußgänger-Brücke, die auch für Radfahrer geeignet ist, aus dem Dorf über die Bahnlinie dorthin zu gelangen.

So, das waren jetzt aber wirklich nur Ideen, die, wenn es denn gewünscht wird, weiter und eingehender besprochen werden müssten.

Lahntals Bürgermeister Manfred Apell stellte als Gesamtinvestition eine Summe von 6,5 Millionen Euro in den Raum, angelehnt an den Kosten einer Halle, die in Hartenrod gebaut wird. Für ihn als Kämmerer stellt sich die Sache so da: Diese neue Halle ist nur zu finanzieren, wenn die Lahntaler zu der Entscheidung kommen, die Lahnfelshalle in Goßfelden aufzugeben und in Sterzhausen das „Haus am Wollenberg“ nur noch als Bürgerhaus weiter zu betreiben, ohne die integrierte Mehrzweckhalle, die dann abgerissen würde. Nur über das eingesparte Geld für die Sanierung der beiden Gebäude, könnte dann Geld für eine neue Halle vorhanden sein, aufgestockt mit einem Zuschuss in Höhe von 2,5 Millionen Euro.

Lebhafte Debatte

„Wenn der Zuschuss nicht kommt, müssen wir das Thema gar nicht weiter verfolgen“, sagte Apell. Für ihn ist es ein weiteres Ausschluss-Kriterium, wenn die Gemeindevertreter das Haus am Wollenberg so erhalten wollen, wie es jetzt ist. Dann sind weitere 1,75 Millionen Euro verbaut und weg. Die Sanierung der Lahnfelshalle beziffert Apell auf rund vier Millionen Euro, wobei er damit rechnet, dass der Landkreis eine Million Euro übernimmt. Dann gab Apell zu, dass aufgrund der Kürze der Zeit, natürlich noch keine fertige Machbarkeitsstudie vorliegt. Doch habe man mit der Bahn und Hessen Mobil schon mal gesprochen, um einschätzen zu können, wie die Mindestabstände zur Bundesstraße und zur Bahnstrecke sein müssen. Die Antworten waren zufriedenstellend. Zur Straße müssten es in diesem Fall nur 10 Meter statt der üblichen 20 sein, zur Bahn drei Meter, wobei das Planungsbüro mit fünf Metern gerechnet hat.

Es war zu spüren, dass die Besucher erst einmal ein bisschen die Dinge verarbeiten mussten, ehe sich dann eine lebhafte Debatte anschloss. Vertreter von sporttreibenden Vereinen waren natürlich angetan, von der Idee, endlich auch mal über eine Sporthalle verfügen zu können, die dem 21. Jahrhundert gerecht wird, mit der man auch mal Gastgeber von Turnieren sein kann. Aber auch bei aller Begeisterung kamen schnell generelle Bedenken. Die Schulleitung der Wichtelhäuser Schule in Sterzhausen kann sich nicht vorstellen, praktisch jeden Tag mit Kindern zum Sportunterricht nach Goßfelden fahren zu müssen, wenn es in Sterzhausen keine Halle mehr gibt. Andere mahnten, dass es keine gute Idee sei, in dem vorgesehenen Gebiet in der Erde etwas bauen zu wollen, weil man dort auf Grundwasser treffe. Es gab Beiträge, die sich auf das Neue einlassen wollen, weil „eine alte Halle, immer eine alte Halle bleiben wird", so Bernhard Groß. So wie sich die Sache derzeit darstelle, mit der Entscheidung entweder zwei Hallen sanieren oder eine neue bauen, habe das Thema das Potenzial, den sozialen Frieden in Lahntal zu gefährden, sagte dann Dirk Geißler, der eigentlich als Vorsitzender des Parlaments durch die Sitzung führte, sich aber für einen Redebeitrag von seinem Stellvertreter Holger Boßhammer vertreten ließ. Geißler ist Sterzhäuser und zudem noch Ortsvorsteher. Apell entgegnete ihm, dass, wenn die Sache den sozialen Frieden gefährde, müsse man sie beerdigen. So wollte Geißler das nicht verstanden wissen und sagte, dass man gerne eine moderne Halle bei Goßfelden planen könne, aber nur, wenn das „Haus am Wollenberg“ wie vorgesehen saniert wird.

Das Zeitfenster ist klein

Gar nicht anfreunden konnte er sich mit der Campus-Lösung für Sterzhausen. Das würde alle bisherigen Aussagen über den Haufen werfen. Die Schulstraße könne nicht wegfallen, weil Landwirte zu ihren Feldern kommen müssen, die Straßen in den neuen Wohngebieten seien extra so angelegt, dass sie nur den Anliegerverkehr aufnehmen und oft in Sackgassen enden. Wer sich jetzt fragt, warum sich die Lahntaler so unter Druck setzen, muss wissen, dass die Sanierungsarbeiten am „Haus am Wollenberg“ derzeit nur ruhen und entweder wieder aufgenommen werden müssen oder eben nur noch in einer veränderten Form, um die neue Halle bauen zu können. Das macht das Planungszeitfenster für die neue Halle so klein. Die bereits investierte Million in das Haus am Wollenberg floss zum überwiegenden Teil in die Sanierung jener Gebäudeteile, die erhalten bleiben sollen, rund 200 000 Euro wären allerdings dann falsch eingesetzt worden.

Das Thema wird am Dienstag, 1. September, ab 20 Uhr in einer gemeinsamen Sitzung des Bau-, Energie- und Umweltausschusses und des Haupt- und Finanzausschusses in der Lahnfelshalle in Goßfelden diskutiert, ehe es am Dienstag, 8. September, im Parlament auf der Tagesordnung steht.

Von Götz Schaub