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Nordkreis Vier Münchhäuser wollen helfen
Landkreis Nordkreis Vier Münchhäuser wollen helfen
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12:00 10.03.2022
Eine Mutter wird mit ihren Töchtern wieder vereint, nachdem sie mit dem Bus aus der Ukraine in Polen angekommen sind. Vier Münchhäuser wollen aus der Ukraine geflüchtete Menschen nach Münchhausen holen.
Eine Mutter wird mit ihren Töchtern wieder vereint, nachdem sie mit dem Bus aus der Ukraine in Polen angekommen sind. Vier Münchhäuser wollen aus der Ukraine geflüchtete Menschen nach Münchhausen holen. Quelle: Simon Becker/Le Pictorium Agency via ZUMA/dpa
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Münchhausen

Aktiv werden und helfen – reden allein reicht nicht, das haben sich vier Münchhäuser gedacht und spontan eine Hilfsaktion für Flüchtlinge aus der Ukraine ins Leben gerufen. Und zwar mit großem Erfolg: Am Samstagfrüh (12. März) wollen Ingo Schmidt, Ralf Köster und sein Sohn Nils sowie Mario Hausrat starten. Drei Kleinbusse wollen sie vollpacken mit Hilfsgütern und ins polnische Breslau fahren. Am Sonntag soll es dann mit ebenfalls vollen Bussen – diesmal sollen geflüchtete Menschen aus der Ukraine die Plätze füllen – wieder zurück in die Gemeinde Münchhausen gehen.

Die vier Münchhäuser Ingo Schmidt, Ralf Köster, Nils Köster und Mario Hausrat haben spontan Hilfe für Geflüchtete aus der Ukraine organisiert. Quelle: Privat

„Wir haben uns gesagt: Reden allein hilft keinem, wir müssen was tun“, berichtet Ralf Köster im Gespräch mit der OP. Als die erste Idee – mit dem Bus bis an die ukrainische Grenze zu fahren – bekannt wird, gerät in Münchhausen ein Schneeball ins Rollen und wird schnell zu einer Lawine. „Wir sind erstaunt, wie groß die Hilfsbereitschaft hier ist“, sagt Köster nicht ohne Stolz: Neben Sachspenden und Geldspenden haben die Münchhäuser Platz und Unterkunft für 23 Menschen organisiert. „Es haben sich viele gemeldet, die bereit sind, Flüchtlinge aufzunehmen, weitere Helfer wollen sich etwa um die ersten Behördengänge mit den Geflüchteten kümmern, wieder andere sorgen für Lebensmittel“, erläutert Köster. Es gehe schließlich nicht nur darum, die Menschen aus ihrer Not zu retten, sondern sich auch danach um sie zu kümmern, ihnen zu helfen und beizustehen. Selbst fürs Dolmetschen stehen bereits Bewohner aus der Gemeinde bereit.

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Aus der ursprünglichen Idee, an die ukrainische Grenze zu fahren, ist mittlerweile eine Fahrt nach Breslau in Polen geworden. „Wir haben dort Kontakt zu einer Hilfsorganisation, die sich vor Ort bereits um Flüchtlinge kümmert, die weiter nach Deutschland reisen wollen“, so Köster. Einige von ihnen könnten nun nach Münchhausen kommen. „Wir sind sehr gespannt, denn keiner von uns weiß so recht, was ihn eigentlich erwartet“, betont der Münchhäuser. Die Aufregung sei groß, die Freude etwas tun zu können, aber größer.

Zahlen

Aus der Ukraine sind seit Beginn des russischen Einmarschs vor knapp zwei Wochen mehr als zwei Millionen Menschen geflohen. Das berichteten die Vereinten Nationen am Dienstag (8. März) in Genf. Die meisten Menschen seien nach Polen sowie nach Ungarn, Rumänien, Moldau und in die Slowakei gegangen, sagte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR).

In Polen sind nach Angaben des Grenzschutzes seit dem Beginn des Kriegs in der Ukraine mehr als eine Million Flüchtlinge aus dem Nachbarland eingetroffen. Allein am Sonntag (6. März) hätten 142 300 Menschen die Grenze passiert. Dies war die höchste Zahl innerhalb eines Tages seit Kriegsbeginn am 24. Februar.

Von Katharina Kaufmann-Hirsch