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Nordkreis Hilfsgüter geliefert, Menschen gerettet
Landkreis Nordkreis Hilfsgüter geliefert, Menschen gerettet
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16:11 03.04.2022
Gute Organisation: Am Bahnhof im polnischen Breslau kommen zahlreiche Flüchtlinge aus der Ukraine an. 21 von ihnen haben Ralf und Nils Köster sowie Ingo Schmidt und Mario Hausrat mit nach Münchhausen gebracht.
Gute Organisation: Am Bahnhof im polnischen Breslau kommen zahlreiche Flüchtlinge aus der Ukraine an. 21 von ihnen haben Ralf und Nils Köster sowie Ingo Schmidt und Mario Hausrat mit nach Münchhausen gebracht. Quelle: Ingo Schmidt
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Münchhausen

Die Bilder haben sich eingebrannt. Bilder von Menschen, hilflosen Menschen, die ihr gesamtes Hab und Gut am Leib und in Plastiktüten trugen. Bilder von Menschen, die tagelang in Bunkern hockten aus Angst vor Raketen und Bomben. Menschen, die alles was sie tragen konnten, in ihren Häusern und Wohnungen zusammenrafften und teilweise zu Fuß flüchteten. Menschen, denen das Leid aus den Augen sprach.

Es war eine sehr emotionale Reise, die Ralf Köster vor gut zwei Wochen unternommen hat. Gemeinsam mit seinem Sohn Nils, mit Ingo Schmidt und Mario Hausrat ist der Münchhäuser nach Polen gefahren, um zuvor in der Gemeinde gesammelte Hilfsgüter für Geflüchtete aus der Ukraine dort abzuliefern. Aufgrund der enormen Menge an gesammelten Spenden hatte sich der Aktion spontan Günther Ahlborn aus Bottendorf angeschlossen. Mitgebracht haben die Männer – neben eindrucksvollen Bildern – auch vier Familien. „Wir sind mit vollen Transportern und Anhängern hingefahren und mit vollen Fahrzeugen auch wieder zurückgekehrt“, berichtet er: 21 Menschen haben sie von Breslau aus mitgenommen, darunter einen drei Monate alten Säugling.

„Es macht mich sehr stolz, das gemacht zu haben“, erklärt Köster im Gespräch mit dieser Zeitung. Auch wenn die Reise anstrengend und sehr emotional gewesen sei. Angefangen hatte alles mit einem Anruf: Ingo Schmidt fragte seine Freunde, ob man nicht gemeinsam etwas für die Menschen in der Ukraine tun wolle. „Reden allein hilft keinem, wir müssen was tun“, lautete das Motto der Münchhäuser und so war spontan eine Hilfsaktion geboren, die schnell zu einer Lawine wurde. „Die Hilfsbereitschaft in der Gemeinde ist riesig“, berichtet Köster. Neben Sachspenden und Unterkünften fanden sich ruckzuck auch Menschen, die sich bereit erklärten, sich um die Flüchtlinge zu kümmern.

Hilfsaktion: Polnische Feuerwehrleute halfen beim Auspacken der Sachspenden aus Münchhausen. Quelle: Ingo Schmidt

Abfahrt Freitagmorgen, Rückkehr Montagnacht

„Das alles hatten wir organisiert, bevor überhaupt ein Mensch aus der Ukraine hier angekommen war“, sagt er. Freitagmorgen um 4 Uhr waren die fünf Männer mit insgesamt vier Bussen, zwei davon ausgestattet mit großem Anhänger, in Münchhausen gestartet. Sie fuhren durch bis nach Polen, wo sie sich mit einer Hilfsorganisation vor Ort abgesprochen hatten, was an Spenden gebraucht werde. „Die Freude dort über die Spenden war riesig und alle Flüchtlinge gut untergebracht“, erzählt Köster: „Weil wir dann erfahren haben, dass am Breslauer Bahnhof regelmäßig Züge mit weiteren Geflüchteten ankamen, sind wir dorthin weitergefahren.“ Innerhalb von zwei Stunden seien dann zwei Züge mit jeweils etwa 1000 Menschen – vorwiegend Frauen und Kinder – aus der Ukraine dort angekommen. „Man konnte ihnen das Leid aus den Augen ablesen“, erinnert sich der Münchhäuser zurück, der die tolle Organisation der Polen lobt. Alles sei schnell und relativ unkompliziert vonstattengegangen, jeder sei kontrolliert und alle auf Corona getestet worden. Sonntags trat die Gruppe den 13-stündigen Rückweg nach Münchhausen an und verteilte die geflüchteten Frauen und Kinder auf die bereitgestellten Unterkünfte. Am nächsten Tag wurden sie bereits nach und nach bei der Gemeinde angemeldet, alles in Begleitung von ehrenamtlichen Helfern. Kommuniziert wird miteinander übrigens meist per Übersetzer-App.

Inzwischen sind einige Tage vergangen. „Die Menschen fühlen sich gut aufgenommen und sind etwas zur Ruhe gekommen“, berichtet Köster. Die Hilfe in der Gemeinde sei weiterhin enorm, die Geflüchteten alle gut untergebracht und bestens versorgt. Vor allem die Kinder fühlten sich wohl und seien sehr wissbegierig. „Das Lächeln der Kinder entschädigt uns für alles“, betont Ralf Köster – auch für die vielen Bilder, die sich ihm eingebrannt haben.

Flüchtlinge in Deutschland

Die Bundespolizei hat bislang 272 338 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine festgestellt. Das teilte das Bundesinnenministerium am Montag in Berlin mit. Da es keine festen Grenzkontrollen gibt, dürfte die Zahl der Geflüchteten aus der Ukraine in Deutschland tatsächlich deutlich höher liegen.

Von Katharina Kaufmann-Hirsch

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