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Nordkreis Mit wenigen Klicks mitten ins Leben
Landkreis Nordkreis Mit wenigen Klicks mitten ins Leben
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15:39 26.07.2021
Ingrid Gärtner, Vorsitzende der Bürgerhilfe Wetter (links) präsentiert mit einigen Mitstreitern neun der zwölf Tablets, die in ihre Arbeit integriert werden sollen. Mit dabei sind Birgit Leidinger, Lydia Kembel, Ernst Boltner, Dagmar Kindzorra, Anke Bodenstein, Olesja Rein, Elke Falkenberg und Manfred Schmidgall.
Ingrid Gärtner, Vorsitzende der Bürgerhilfe Wetter (links) präsentiert mit einigen Mitstreitern neun der zwölf Tablets, die in ihre Arbeit integriert werden sollen. Mit dabei sind Birgit Leidinger, Lydia Kembel, Ernst Boltner, Dagmar Kindzorra, Anke Bodenstein, Olesja Rein, Elke Falkenberg und Manfred Schmidgall. Quelle: Götz Schaub
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Wetter

Das Tablet, das unbekannte Wesen. Ein paar Klicks, und es erschließt einem die ganze Welt, ja gar das Universum. Ein versehentlicher Klick und man weiß nicht mehr weiter. Vielleicht ist Letzteres die Angst insbesondere älterer Menschen, sich mit diesem modernen Zeugs nicht mehr befassen zu wollen.

Dabei kann die Angst vor einem „Fehlklick“ ganz leicht genommen werden. Und wenn man zudem Leute an der Seite hat, die einem alles geduldig erklären, dann kann so ein Tablet ganz schnell ein neues Hobby werden, für Unterhaltung und mehr soziale Kontakte sorgen.

Das ist die Grundidee der Bürgerhilfe Wetter, die über ein Förderprogramm des Landes Hessen zwölf Tablets angeschafft hat, die in die unmittelbare Arbeit integriert werden sollen.

Nach einer eingehenden eigenen Schulung, so weit das nötig ist, sollen die Helferinnen und Helfer ihre Betreuungspartner die digitalen Möglichkeiten aufzeigen. Dabei geht es in erster Linie um die Möglichkeiten der Kontaktaufnahme zu Familienangehörigen und guten Freunden, die mitunter so weit weg wohnen, dass man sie kaum zu Gesicht bekommt.

Über diverse Programme haben viele Menschen gerade in der Corona-Zeit gelernt, wie Online-Meetings funktionieren, wie man dazu einlädt, wie man daran teilnimmt. Und so kann man sich auch privat verabreden und ein „virtuelles Familienkaffeetrinken an einem Sonntag organisieren“, sagt Ingrid Gärtner, Vorsitzende der Bürgerhilfe Wetter.

Man sieht sich, hört sich, kann sich direkt unterhalten, tauscht Neuigkeiten aus, kann familiäre Dinge klären, verbringt miteinander eine schöne Zeit. Nicht in Präsenz, aber dennoch zusammen. Weit besser als ein einsamer Sonntagnachmittag alleine zu Hause ohne Gesprächspartner, ohne Beschäftigung.

Die aktiven Helferinnen und Helfer der Bürgerhilfe wissen die Vorteile der digitalen Technik selbst sehr zu schätzen. Gerade im Lockdown, als man sich nicht treffen konnte, konnten sie über digitale Treffen in Verbindung bleiben. Und sie wissen, dass die virtuelle Welt noch mehr Möglichkeiten für ihre Zielgruppe bietet.

Spiele, insbesondere die, die das Gedächtnis trainieren, ziehen ganz leicht in ihren Bann, ein Online-Schachspiel fordert und kann zu neue Kontakten führen oder eingeschlafene Kontakte wiederbeleben. Keinesfalls soll sich durch dieses Angebot die Arbeit der Bürgerhilfe verändern. Der Besuch, der direkte Kontakt sind und bleiben immer wichtig. Der gemeinsame Spaziergang wie auch die Erledigung von kleinen Aufgaben auch direkt in der Wohnung, etwa den Bettbezug wechseln oder mal eine Glühbirne austauschen, werden bleiben.

Natürlich wird auch niemand gezwungen, sich mit einem Tablet auseinanderzusetzen, doch wenn der eine oder andere sieht, wie man damit Kontakte verbessern und halten kann, könnte es doch sehr gut sein, dass man sich so ein Gerät selbst zulegt oder von der Familie zu Weihnachten wünscht, sagt Ernst Boltner, Kassierer der Bürgerhilfe.

Die Bürgerhilfe glaubt, dass Kontakte pflegen über Video-Telefonie oder die Teilnahme an Video-Treffs eine länger andauernde Teilhabe der Älteren fördert und für eine gute Fortsetzung sozialer Beziehungen dient, wenn man selbst nicht mehr so mobil ist.

So können Tablets für Ältere ein wertvoller und innovativer Beitrag zum Miteinander sein. Derzeit werden die zwölf Tablets entsprechend eingerichtet, eine interne Schulung ist bereits sichergestellt. Die Helferinnen und Helfer sind sehr gespannt, welche Erlebnisse sie dann mit den zu betreuenden Personen haben werden. Diejenigen, die selbst keinen Zugang zu einem Tablet haben und auch nicht haben wollen, müssen nun aber nicht befürchten, den Anschluss zu verlieren.

Ihre bisherige Arbeit wird unverändert immer gefragt sein. Denn die direkte Hilfe und Betreuung bleibt das A und O einer Bürgerhilfe. Alles andere ist ein zusätzliches Angebot, vor allem für die Zeiten, in denen die Menschen alleine sind.

Von Götz Schaub