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Nordkreis Mit Tempo 30 in die Menge
Landkreis Nordkreis Mit Tempo 30 in die Menge
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00:21 24.11.2018
Auf diesem Abschnitt der Kasseler Straße in Cölbe kam es im Frühjahr zu dem Vorfall. Der mutmaßliche Täter steht nun vor dem Marburger Landgericht. Quelle: (Archiv) Tobias Hirsch
Cölbe

Wollte der Angeklagte verletzen oder nur ­erschrecken? Und wie ­gefährlich war seine Fahrt in die Menschenmenge? Mit höchstens 30 Stundenkilometern war der Angeklagte unterwegs, als er seinen Wagen am Tatabend knapp 20 Meter weit vom Parkplatz aus in die Menschenmenge auf der Cölber Hauptstraße steuerte.

Zu diesem Schluss kommt der vom Schwurgericht bestellte Kfz-Sachverständige, der den Vorfall rekonstruiert hatte. Demnach wurde das Auto nach etwa drei Sekunden und rund 13 Metern Strecke zum ersten Mal abgebremst, bewegte sich noch etwa drei Meter weiter auf die Menge zu. Dann sei der Wagen „mit mindestens zwei Personen kollidiert“, bevor er noch etwa vier Meter weiter durch den Mob fuhr und schließlich stoppte.

"Er hat die Personen umfahren"

Direkt danach setzte­ der Angeklagte wieder zurück,­ wodurch „noch eine Person ­angefahren wurde“, die gerade­ hinter dem Wagen vorbeilief. Die ganze Szene ist einerseits auf den Überwachungsbändern zu erkennen, andererseits weisen die Dellen auf der Motorhaube des Wagens auf eine Kollision hin, während die lädierte Frontscheibe wohl eher durch gezielte Schläge mit einem Knüppel – von denen mehrere im Spiel waren – beschädigt wurde, meint der Experte. Die Kollisionsgeschwindigkeit mit den Geschädigten schätzt er auf 20 bis 25 Stundenkilometer.

Zu schweren Verletzungen kam es dennoch nicht – denn die Menge war bereits „in Abwehrhaltung“, wurde nicht gänzlich überrascht, außerdem sei keiner der Anwesenden vorher zu Boden gegangen: „Bei einem Sturz hätten eine oder mehrere Personen überrollt werden können“, schätzt der Gutachter.

Zu der Fahrt mit dem Kleinwagen war es überhaupt erst gekommen, nachdem der Sohn des Beschuldigten mit dem ersten Wagen und rund 25 Stundenkilometern vor die Menge fuhr, mit dieser in eine handfeste Auseinandersetzung geriet. Im Gegensatz zu vorherigen Zeugen, kam der Gutachter jedoch zu dem Schluss, dass der erste Wagen nicht mit Personen kollidierte: Der Wagen habe frühzeitig abgebremst und wohl doch niemanden berührt, „er hat die Personen umfahren.“

von Ina Tannert