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Nordkreis Schönes Fest in Pandemiezeiten
Landkreis Nordkreis Schönes Fest in Pandemiezeiten
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10:00 13.09.2021
Regen? Macht nichts. Der Vorsitzende des Grenzgangvereins Münchhausen, Michael Schmidt, begrüßt mit den Grenzgangsburschen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Regen? Macht nichts. Der Vorsitzende des Grenzgangvereins Münchhausen, Michael Schmidt, begrüßt mit den Grenzgangsburschen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Quelle: Foto: Uwe Badouin
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Münchhausen

Das mit der Wetterbestellung hat nicht ganz geklappt. Darin waren sich Michael Schmidt, der Vorsitzende des Grenzgangvereins Münchhausen, sein Stellvertreter Björn Funk und die sechs Grenzgangsburschen Bastian Vial, Tim Freiling, Jakob Freiling, Andre Pichl, Till Imhof und Maximilian Truß schnell einig. Kein Wunder: Eine Stunde vor dem Start des Mini-Grenzgangs am Samstagvormittag (11. September) begann ein kräftiger Landregen.

Wer glaubte, dass so ein bisschen Wasser von oben die Münchhäuser von ihrem Grenzgang und dem geselligen Fest abhalten würde, der wurde schnell eines Besseren belehrt. Immer mehr Frauen, Männer, Kinder und alte Mitbürgerinnen und Mitbürger trudelten auf dem kleinen Festgelände am Sportplatz ein, gewappnet mit Regenschirmen und Regenjacken – und alle guter Dinge. 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten sich am Samstag nach einer einstündigen, wetterbedingten Verzögerung schließlich auf den 11 Kilometer langen Marsch. Am Sonntag folgten noch einmal 12 bis 13 Kilometer.

Verregnet war der Start des Mini-Grenzgangs in Münchhausen am Samstagvormittag. Die Münchhäuser ließen sich davon nicht abschrecken. Quelle: Uwe Badouin

Seit 1986 wird in Münchhausen der Grenzgang gefeiert. Angestoßen hatte die Idee der damalige Ortsvorsteher Adolf Riemenschneider, erklärt Michael Schmidt. Seither wird alle sieben Jahre die 18 Kilometer lange Grenze des Dorfes im Nordkreis abgegangen, nachgeschaut, ob die Grenzsteine noch stehen – und natürlich gemeinsam gefeiert. Letzteres ist mindestens genauso wichtig wie die Kontrolle der Grenzen. Die Differenz zwischen den 18 Kilometern und den 23 bis 24 Kilometern Wegstrecke aus den beiden Grenzgangstagen erklärt sich aus dem Rückweg zum Festplatz.

Die Corona-Pandemie hat alle Pläne des Grenzgangvereins gehörig durcheinandergewirbelt. Lange wurde überlegt, den Grenzgang wegen der ungewissen Situation ins Jahr 2022 zu verlegen. Doch da wäre man mit den weitaus größeren und deutlich älteren Grenzgängen in Wetter und Buchenau kollidiert. „Zudem wissen wir doch gar nicht, was im nächsten Jahr ist. Jetzt große Verträge mit Musikgruppen zu machen, ist kaum möglich“, sagt Michael Schmidt.

Die Münchhäuser ließen sich vom Regen nicht abschrecken. Quelle: Uwe Badouin

Also machte der im Jahr 2000 gegründete Grenzgangverein Münchhausen aus der Not eine Tugend und organisierte einen Mini-Grenzgang nur für die Kerngemeinde, der am Donnerstag mit einer Totenehrung auf dem Christenberg begann. Und der Grenzgang war – bis auf das Wetter zum Start – perfekt organisiert: Die sechs Grenzgangsburschen haben in den Wochen zuvor Wege geebnet, Geländer über Brücken gebaut, Treppen in unwegsamen Gelände angelegt, die Grenzsteine freigeschnitten und Einladungen an alle 550 Haushalte in Münchhausen verteilt.

Der Grenzgangsschnaps – ein klarer Birnenbrand aus Süddeutschland – wurde „in ausreichender Menge“ geordert, wie mehrfach betont wurde, ein kleines Zelt für alle Fälle (wie sich zeigte zurecht) am Sportplatz aufgebaut und Essen für die Abende in Auftrag gegeben. Drei Traktoren mit Anhängern brachten ältere Mitbürger und Getränke zu den Rastplätzen.

Kontaktformulare und die Luca-App machten den Mini-Grenzgang trotz Corona möglich. Quelle: Uwe Badouin

Corona-bedingt fielen alte Traditionen wie das Hupfen über die Grenzsteine aus, Verpflegung gab es an den Rastplätzen auch nicht – die musste jeder selbst mitbringen, so Schmidt und Funk. Und vor dem Start wurden die 3-G-Regeln kontrolliert: Mitmachen durften nur Genesene, Geimpfte und Getestete. Selbst testen lassen konnte man sich vor Ort.

Bürgermeister Peter Funk sagte in einem Grußwort: „Ich danke dem Grenzgangverein, dass er es möglich gemacht hat, dass wir uns jetzt zwei Tage treffen und feiern können.“ In Zeiten der Pandemie seien soziale Kontakte enorm wichtig.

Ach ja, auch das Wetter hatte schließlich ein Einsehen mit den Münchhäuser Grenzgängern. Gegen 11 Uhr ließ am Samstag der Regen nach und dann kam auch noch die Sonne raus. Also – alles richtig gemacht.

Von Uwe Badouin