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Nordkreis Keine Einnahmen: Fairkaufhaus auf der Kippe
Landkreis Nordkreis Keine Einnahmen: Fairkaufhaus auf der Kippe
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13:58 16.02.2021
Ursula Steinmetzger im Eingangsbereich des Fairkaufhauses in Münchhausen, das seit dem zweiten Lockdown geschlossen ist und sozial Schwächeren seither nicht zur Verfügung steht.
Ursula Steinmetzger im Eingangsbereich des Fairkaufhauses in Münchhausen, das seit dem zweiten Lockdown geschlossen ist und sozial Schwächeren seither nicht zur Verfügung steht. Quelle: Foto: Götz Schaub
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Münchhausen

Es sei zum Verzweifeln, sagt Ursula Steinmetzger. „Da will man Gutes tun, die Menschen kommen auch und bringen viele Sachen, aber dann kann ich das Fairkaufhaus für sozial schwächere Menschen nicht öffnen wegen Corona.“ Als sei das nicht schon schlimm genug, habe jetzt das „Abschmelzen letzter Rücklagen“ begonnen, um Miete und laufende Kosten zu begleichen.

„So kann das doch nicht nach 15 Jahren ehrenamtlicher Hilfe zu Ende gehen“, sagt sie. Gerade jetzt, wo das Fairkaufhaus in Münchhausen eine feste Adresse ist und dank Hilfen verschiedener Geldgeber auch über einen Raum für Begegnungen verfügt und auf zwei Etagen praktisch alles aufweist, was in einem Haushalt gebraucht wird, steht alles still. Die 72-Jährige hat einiges unternommen, die Geldreserven aufzufüllen, doch Anträge ausfüllen ist nicht ihr Ding. Und so bekam sie unter anderem vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration ein Schreiben zurück, in dem ihr mitgeteilt wird, dass aus ihrem Antrag nicht ersichtlich wird, welchen Bereichen die dort genannten Beträge zugehörig sind und eine Antragsprüfung deshalb nicht möglich ist. Später im Jahr kam dann notgedrungen ein Ablehnungsbescheid, den Ursula Steinmetzger schon beklagen wollte. Das Ministerium bot ihr an, stattdessen lieber noch einmal einen Antrag für den Verein „Arche Wetter“ auf Gewährung von Vereinshilfe zu stellen. An dieser Stelle für die Leserschaft zum Verständnis der Hinweis, dass der Verein nichts mit der Kindertagesstätte „Arche“ in Wetter zu tun hat. Auch Bittschreiben, unter anderem an einen heimischen Landtagsabgeordneten, brachte keine Hilfe. Sie erhielt von dort die Mitteilung, dass man „auf verschiedenen Ebenen ausgiebig und abschließend“ mögliche Unterstützungen für das Fairkaufhaus geprüft habe, aber keine Wege der Hilfe beziehungsweise Förderung gefunden habe. „Ich bin eigentlich nur noch am betteln“, sagt sie frustriert.

Sie setzt jetzt noch einmal auf Spenden, also schnelle Hilfe. Da es ja auch Kleider-Verkaufsstellen im Nachbarkreis gibt, haben die beiden Landkreise Marburg-Biedenkopf und Waldeck-Frankenberg in der Vergangenheit immer mal geholfen, sagt sie. Dann kommt sie aber auf ein weiteres Problem zu sprechen. Selbst wenn die Finanzen noch irgendwie gerettet werden können, fehlt es ihr an freiwilligen Helfern, die stundenweise im Fairkaufhaus in Münchhausen aushelfen und auch bei der Warenannahme mal zur Verfügung stehen.

„Ehrenamtliche verließen uns teilweise wegen Krankheit, Tod des Partners oder weil sie Arbeit fanden“, sagt Steinmetzger und versichert, am Betrieb nichts verdienen zu wollen. Es müssten aber wenigstens die laufenden Kosten gedeckt sein. Reingewinne wurden in der Vergangenheit auch gespendet, zum Beispiel an Hospize oder die Kinderkrebshilfe. „Daran ist gerade nicht zu denken“, sagt sie.

Mehr Informationen gibt es unter www.arche-wetter-hessen.de im Internet.

Von Götz Schaub