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Nordkreis Meisen sollen Eichen zu Hilfe kommen
Landkreis Nordkreis Meisen sollen Eichen zu Hilfe kommen
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17:58 25.11.2020
Im vergangenen Jahr waren mehrere Bäume im Landkreis vom Eichenprozessionsspinner befallen – wie hier in der Allee am Georg-Gaßmann-Stadion.
Im vergangenen Jahr waren mehrere Bäume im Landkreis vom Eichenprozessionsspinner befallen – wie hier in der Allee am Georg-Gaßmann-Stadion. Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter
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Cölbe

Der Eichenprozessionsspinner hat sich in den letzten Jahren im Landkreis immer mehr ausgebreitet. Diese Zeitung berichtete mehrfach. Wenn ein Baum befallen ist, gestaltet sich die Befreiung schwierig.

Das Absammeln der Raupen und Raupennester bedarf eines Einsatzes von professionellen Baumkletterern, die sich selbst nur in einem Schutzanzug an diese Arbeit machen können.

Dabei gibt es in der Natur schon einige natürliche Fressfeinde der Raupen. Dazu zählen in erster Linie Kohl- und Blaumeisen, aber auch Rotkehlchen, die die Larven im jungen Stadium fressen. Eine Studie aus den Niederlanden hat zudem herausgestellt, dass Kohlmeisen offensichtlich eine Methode entwickelt haben, wie sie auch Raupen fressen können, die die gefährlichen Brandhärchen bereits entwickelt haben.

Cölbe hat 50 Nistkästen in Auftrag gegeben

Das macht die kleinen flinken Racker, die jetzt im Winter an die Futterhäuschen kommen und sich dort gerne beobachten lassen, für Menschen noch interessanter. Die Gemeinde Cölbe will nun die Meisen für sich „arbeiten“ lassen. Dafür gibt es freie Logis in wirklich liebevoll hergestellten Nistkästen und als freie Kost natürlich gerne Eichenprozessionsspinner.

Cölbes Bürgermeister Dr. Jens Ried unterrichtete die Cölber Öffentlichkeit über den Plan und verkündete, bei der Lebenshilfe in Wehrda 50 Nistkästen in Auftrag gegeben zu haben. Die sind nun geliefert worden und werden nun überall dort im öffentlichen Raum aufgehängt, wo Eichen stehen. Sie werden zur besonderen Sicherheit der Vögel sogar mit einem Marderschutz versehen. Die Meisen sind herzlich eingeladen, ihre neuen Brutquartiere schon mal im Winter als Schutzraum vor Kälte zu nutzen, ehe es dann im Frühjahr mit der Mission losgehen kann. Vogelexperten raten dazu, nicht zu vergessen, dass Vögel auch Wasser brauchen. So werden „Wohnungen“ mit einer nahen Wasserstelle auf jeden Fall bevorzugt bezogen.

Die Gemeinde Cölbe ist mit ihrem Vorhaben in Deutschland nicht alleine. Auch in anderen Orten wollen Menschen Meisen gegen den im Raupenstadium so gefährlichen Nachtfalter einsetzen. Die Arbeitsgemeinschaft Naturschutz im nördlichen Emsland und südlichen Ostfriesland will im kommenden Jahr dem Eichenprozessionsspinner auf dem Gebiet der Stadt Papenburg mithilfe von Blau- und Kohlmeisen zu Leibe rücken und bereitet deshalb auch eine Charm-Offensive für die Meisen in diesem Herbst vor.

Ried weiß zudem, dass auch der Kuckuck die Raupen frisst. „Doch eine vermehrte Ansiedlung des Kuckucks wäre gegenüber den Meisen ja schon kontraproduktiv, weil man ja weiß, wie er sich fortzupflanzen pflegt“, sagt der Bürgermeister.

PS: Wer nun keine Eiche im eigenen Garten schützen muss, kann dennoch von den Meisen profitieren: Sie haben nämlich auch den Buchsbaumzünsler und die Kastanienminiermotte auf ihrem Speiseplan.

Weitere Informationen über den Eichenprozessionsspinner gibt es auch unter https://www.umweltbundesamt.de/eichenprozessionsspinner im Internet.

Von Götz Schaub

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