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Nordkreis Mehr Gewerbe – aber welches?
Landkreis Nordkreis Mehr Gewerbe – aber welches?
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00:18 28.10.2018
Rund 300 Menschen waren zum OP-Wahlforum gekommen, um sich ein Bild von den Kandidaten zu machen. Quelle: Nadine Weigel
Schönstadt

Für die Verwirklichung von Projekten braucht man Geld, das unter anderem durch Gewerbesteuer hereinkommt. Braucht Cölbe mehr Gewerbe? Falls ja, wo und welches? Carola Carius würde zu diesem Thema gern erst die ortsansässigen Gewerbetreibenden einladen, um zu erfahren, welchen Bedarf diese sehen. Prinzipiell sei sie dafür, mehr ­Arbeitsplätze im Gemeindegebiet anzubieten, weil dann die Leute nicht aus dem Ort fahren müssten und auch dem sozialen ­Leben, zum Beispiel der Feuerwehr, zur Verfügung stünden.

Nicht sinnvoll sei es bei den beengten Verhältnissen im Gemeindegebiet, besonders laute oder sonst schwierige Unternehmen anzusiedeln. Es wäre auch schön, einige Flächen vorzuhalten, damit Gewerbetreibende die Möglichkeit haben, sich zu entwickeln und neue Ideen umzusetzen, meinte sie. Auch wünschenswert seien günstige Büroräume und eine Tagungsstätte mit moderner Infrastruktur, um die Nähe der Uni Marburg zu nutzen und es Menschen zu erleichtern, sich beispielsweise mit innovativen Start-ups selbstständig zu machen.

Kurze Fragen, kurze Antworten

Beim OP-Wahlforum sollten Carola Carius und Dr. Jens Ried auch auf einige geschlossene Fragen antworten – mit Ja oder Nein. Bei der Frage, ob Cölbe einen Bürgerbus brauche, sagte Carius „Nein“, Ried hingegen „Jan“. Carola Carius hält den Service der Gemeindeverwaltung für „bürgernah genug“, Jens Ried sieht das anders. ­Alle weiteren Fragen beantworteten die beiden gleich. Demnach braucht Cölbe weiterhin Blitzer an der B 3 sowie zwei hauptamtliche Feuerwehrleute. Beide glauben, dass der Rotweinlauf eine Zukunft hat und dass sich die Mitgliedschaft in der Region Burgwald-Ederbergland für die Gemeinde lohnt. Mit dem öffentlichen Nahverkehr sind beide Kandidaten unzufrieden.

Dr. Jens Ried erklärte, die beste Werbung für den Standort Cölbe sei das heimische Gewerbe. Gut wäre es, wenn man unter den Gewerbetreibenden Ansprechpartner für die Gemeinde finde, aber auch für Menschen von außerhalb, die sich für die Gewerbesituation in Cölbe und das, was man dort tun kann, interessieren. Um attraktiv zu bleiben, müsse man als Gemeinde in erster Linie Raum für Gewerbeansiedlungen anbieten, darum werde man nicht herumkommen.

Vorrangig sollte man frei werdende Gewerbeflächen wieder besiedeln. Alles jedoch, ohne dadurch die Wohnqualität an einem bestimmten Punkt der Gemeinde zu verschlechtern, damit würde man sich „ins eigene Fleisch schneiden“, so Ried. Er sei für eine möglichst breite ­Mischung unterschiedlicher Gewerbe, um nicht von einer Branche zu stark abhängig zu sein.
Aber nicht nur Gewerbe, sondern jeder in Cölbe lebende Steuerzahler sei für die Gemeinde Geld wert, daher sei auch die Wohnbebauung von finanziellem Interesse, damit man sich langfristig alles leisten könne, was man sich leisten müsse oder auch wolle.

Um eine Situation wie in Weimar zu vermeiden, wo derzeit die Protestwellen gegen das neue Logistikzentrum hochschlagen, würde Carola Carius auf stärkere Bürgerbeteiligung setzen und ihre Amtszeit mit einem moderierten Prozess starten, um herauszufinden, was der Bevölkerung am wichtigsten ist, welche Prioritäten diese sieht. Wenn eine völlige Ablehnung von Gewerbe herauskäme, würde sie sich diesem Votum ­fügen, sofern die Gemeindevertretung das auch so mittrage, erklärte sie. Erst dann werde man nachdenken, wo man investieren solle.

Zu der Kinderbetreuung und deren Kosten für die Eltern sagte Carius, diese seien nie so günstig wie jetzt gewesen. In Einzelfällen könne das aber immer noch viel sein, wenn man gleichzeitig Kinder im Kindergarten, in der Schul- und der Nachmittagsbetreuung habe.

Was die Kosten für die Eltern­ betreffe, habe man sich super­ entwickelt. Man solle lieber ­Betreuungszeiten und -qualität optimieren, ohne es teurer zu machen. Das müsse die Gemeinde zum Thema Familienfreundlichkeit leisten.

Jens Ried erklärte hingegen, man müsse „mit einem Mythos aufräumen“: Die Kita sei nicht kostenfrei. Die Gemeinde zahle­ immer noch zu dem Geld aus Wiesbaden für die sechs Stunden Regelbetreuung – gerade wegen der hohen Qualität, die man habe und halten wolle – einen gewissen Betrag dazu, um die Betreuung für die Eltern beitragsfrei zu halten.

Das vordringliche Problem seien im Moment nicht die Kosten, sondern die Kapazitäten. „Wir brauchen einfach mehr Plätze für die U3-Betreuung, die wir in Schönstadt möglichst rasch schaffen müssen“, betonte er. Die Kosten für die Eltern werde man derzeit nicht senken können, aber er glaube, die Eltern wüssten die hochwertige Kinderbetreuung in Cölbe auch zu schätzen. Das sei ein Standortvorteil für die Gemeinde, den er nicht einschränken möchte, so Jens Ried.

Ein Zuhörer wollte wissen, wie die Kandidaten zu einkommensabhängigen Kita-Beiträgen stehen. Beide lehnten dies ab. Ried verwies darauf, dass man dann auch andere Beiträge so berechnen müsste und das Beitragsaufkommen unkalkulierbar würde. Vielleicht könne die Gemeinde in Einzelfällen über Hilfen nachdenken.

Carius ergänzte, dass die Offenlegung des Einkommens ein Problem sei, zudem erhielten Hartz-IV-Empfänger ohnehin Zuschüsse zu den Kita-Gebühren. Im Groben sei alles durch das System abgedeckt.

von Manfred Schubert