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Nordkreis Posten will gelernt sein
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15:28 09.02.2022
Erst Nachdenken, dann posten – die Schüler der 5. Klasse der Wollenbergschule Wetter beschäftigten sich am Safer Internet Day mit der Sicherheit im Netz und auf dem Handy.
Erst Nachdenken, dann posten – die Schüler der 5. Klasse der Wollenbergschule Wetter beschäftigten sich am Safer Internet Day mit der Sicherheit im Netz und auf dem Handy. Quelle: Ina Tannert
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Wetter

Wann halten Kinder heute das erste eigene Smartphone in der Hand? Bei den allermeisten ist der Eintritt in die 5. Klasse der Stichtag, also mit etwa 11 Jahren. Oft gibt es ein Handy auch früher, etwa mit neun oder schon sieben Jahren. Die Erfahrungen in einer fünften Klasse der Wollenbergschule Wetter sind da ganz unterschiedlich. Aber jeder hat eins und damit täglich Zugang zur weiten Internetwelt.

Da locken unzählige Plattformen für Chats, zahlreiche Möglichkeiten zum Upload von Fotos und Videos, zum Teilen und Austausch mit anderen, vom Klassenkameraden bis zum Fremden. Das Netz bietet viel, birgt aber auch Gefahren, da kann ein unbedacht geschriebener Text, ein schnell geteiltes Foto oder der falsche Link schnell zur Stolperfalle werden. Darum drehte sich der internationale „Safer Internet Day“ am Dienstag (8. Februar), an dem sich auch die Wollenbergschule beteiligte. Schülerinnen und Schüler aller Jahrgänge befassten sich mit potenziellen Gefahren der Netzwelt, vom Sexting über Fake News bis zur Internetsucht. Oder die Privatsphäre, der Umgang mit den eigenen Daten. Was ist eigentlich privat und hat auch im Web öffentlich nichts zu suchen?

Früher Kontakt mit Gewalt und Beleidigungen

Passwörter, Bankdaten, das Tagebuch, notieren die Fünftklässler auf ihre Karteikarten. Aber auch der eigene Körper, Fotos, Nachrichten aus dem Chat oder das Handy selbst, auch das ist für viele Privatsache. Der Weg ins Netz ist da kurz, schnell landen dort öffentlich Chats, Bilder oder Videos, die eigentlich keiner sehen soll. Und das Internet vergisst nicht, sagt Lehrer und Medienschutzberater Jan Bartelmeß.

Nachdenken und Aufpassen lautet die Devise an dem Tag und auch darüber hinaus – das Thema Medienschutz müsse heute zwangsläufig in jedem Unterrichtsfach integriert sein, um Kinder und Jugendliche vorzubereiten und zu schützen.

Was aber ist mit den Eltern, die eigentlich auf dem gleichen Level sein müssten, um wirklich nachvollziehen zu können, worauf im Internet zu achten ist. Das sei häufig nicht der Fall, „man unterschätzt das Thema“, sagt Schulleiter Andreas Irle.

Eltern befassen sich oft zu wenig mit Internetsicherheit

Viele Eltern befassen sich zu wenig mit dem Thema Internetsicherheit, damit, was der Nachwuchs am Handy so treibt oder welche Fallen es im Netz so gibt, vom ungefilterten Teilen fragwürdiger Inhalte bis zur Straftat, die Jugendliche unbeabsichtigt begehen. Etwa Beleidigungen oder das sogenannte „Happy Slapping“ – eine Körperverletzung, die gezielt per Video aufgezeichnet wird, um sie ins Internet zu stellen. In der Konsequenz komme es vor, dass dann die Polizei an Schulen auftaucht und Schüler aus dem Unterricht holt, warnt Irle.

Eine Befragung der Schülerschaft ergab, dass der Kontakt mit diesem Inhalt mit steigendem Alter zunimmt, bis zur 10. Klasse habe fast jeder Schüler bereits Erfahrungen damit gemacht, Beleidigungen oder Gewaltdarstellungen über das Handy zu erhalten. Dabei seien Jugendliche nicht per se direkt kompetenter im Umgang mit Medien als Erwachsene. Dass das Smartphone auch zur Gefahr werden kann, dessen seien sich Kinder und Jugendliche zwar bewusst, „aber sie wissen nicht, was sie dürfen und was nicht, etwa warum man diesen Sticker oder dieses Bild nicht verlinken darf“, sagt Bartelmeß.

Daher sei es so wichtig, das Kind nicht damit alleine zu lassen und für Aufklärung zu sorgen, gegen welche Rechte im Netz verstoßen werden kann. Wegzudenken ist das Internet nicht mehr aus dem Alltag, nur der Umgang damit will gelernt sein. Ohne Handy möchte auch keiner der Fünftklässler mehr sein, „das ist cool und gehört einfach zum Leben“, findet Paul. Das wiederum gehört aber nicht dem Internet oder dem Handy, „das da drin ist nicht mein Leben, denn das ist ja hier draußen“, lautet Lunas Fazit.

Tipps für Eltern

Ein sicherer Umgang mit dem Internet steht auch bei der Aktion „Kinder sicher im Netz“ der Kriminalpolizei im Fokus, die verschiedene Tipps für Eltern bietet. Darunter:

Ein Vorbild sein und das Kind nicht mit dem Internet alleine lassen, ihm helfen, sich gefahrlos im Web zu bewegen

Das Kind auf eine mögliche Konfrontation mit jugendgefährdenden Inhalten vorbereiten – wie Gewalt, Pornografie oder Rassismus – und miteinander vereinbaren, solche Seiten sofort wegzuklicken

Regeln für den Umgang mit dem Internet aufstellen – zeitlich und inhaltlich – und auf deren Einhaltung achten

Interesse an den Freizeitaktivitäten des Kindes zeigen, auch an dessen Surfverhalten, und über Erfahrungen und den Freunden im Netz sprechen

Filterprogramme nutzen, die das Kind vor jugendgefährdenden Inhalten schützen

Mehr Informationen zum Thema unter www.polizei-beratung.de im Internet. Weitere Tipps für Eltern gibt es außerdem beim Bildungsserver von Bund und Ländern unter www.bildungsserver.de

Von Ina Tannert