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Nordkreis Der Klang der Natur
Landkreis Nordkreis Der Klang der Natur
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15:58 24.09.2020
Die Autoren Marcus Braun (links) und Thomas Hettche im Garten des Otto-Ubbelohde-Hauses. Quelle: foto: Literaturverein Zwei Raben
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Goßfelden

„Auf der Berlinale wird für die Stars der rote Teppich ausgerollt, bei uns in Goßfelden sitzen sie am roten Tischtuch.“ Mit diesen Worten begrüßte Dr. Erika Schellenberger-Diederich, die Vorsitzende des Literaturvereins „Zwei Raben: Literatur in Oberhessen“, gemeinsam mit Ludwig Rinn am Samstagnachmittag die beiden Autoren Marcus Braun und Thomas Hettche und rund 90 Gäste der literarischen Soirée im Bienengarten des Otto-Ubbelohde-Hauses.

Braun ist der dritte Stipendiat des Literaturvereins, der in den kommenden drei Monaten im Ubbelohde-Haus wohnen und arbeiten wird. Er las aus „Der letzte Buddha“, ein furioser Roman über zwei Erleuchtete: einen echten und einen falschen. Und Braun stellte sein frühes Werk „Die Hochzeitsvorbereitungen“ über den jungen Zivildienstleistenden Leon vor, einen frühvollendeten Meister in der Kunst zielstrebiger Orientierungslosigkeit. Vorgestellt wurde er von Thomas Hettche, der aus einigen Presseartikeln zitierte, die voll des Lobes waren und letztlich auch neugierig machten auf den Autor, der „funkelnde Meisterwerke“ schreibt.

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Mit ruhiger Stimme trug Braun seine Texte vor. Schnell wurde den Zuhörerinnen und Zuhörern klar, was Schellenberger bei ihrer Einführung meinte, als sie sagte, dass Braun Geräusche und Klänge in Worte zu fassen vermag und somit den Klang der Natur einfängt.

Man müsse nur hinhören. Besser konnte da das Rauschen der Pappeln im Wind und auch das Muhen der Kühe nicht passen, das die Lesung untermalte. Im Anschluss an die Lesung entspann sich zwischen Braun und Hettche ein launiges und kurzweiliges Gespräch unter Kollegen. Die Frage nach der Arbeitsweise werde Autoren häufig gestellt. Er habe keine spezielle Herangehensweise oder Konzept, betonte Braun. Manchmal schreibe er vom Ende her und manchmal entwickle sich eine Figur oder ein Kapitel ganz anders als zu Beginn gedacht.

Warum denn zwischen seinen einzelnen Büchern immer so viele Jahre vergehen würden, wollte Hettche wissen. Lachend gab Braun zu, schneller schreiben zu wollen, aber es käme ihm immer etwas dazwischen, wie zum Beispiel seine Musik. Er macht Indierock. Das gemeinsame Musizieren stehe im schönen Kontrast zum Schreiben, das eher alleine und in der Einsamkeit funktioniere.

Vor fünf Jahren hat Braun wieder angefangen zu malen. Gorillas sind sein immer wiederkehrendes Thema. Er schaue einen Affen an, der an der Wand hängt und der schaue zurück. Was macht das mit einem, ist eine der Fragen, die ihn beschäftigen. Wie überhaupt die Natur ein wichtiger Aspekt seiner Arbeit ist. Er sei bei seiner Ankunft begeistert gewesen, als er die schöne Umgebung gesehen habe und habe gedacht, nicht mehr nach Berlin zurück zu wollen. In den nächsten drei Monaten will er sich auch mit der Malerei Ubbelohdes beschäftigen.

Ganz zum Schluss las Hettche eine kurze Passage aus seinem frisch erschienenen Roman „Herzfaden“, der für den deutschen Buchpreis nominiert ist. Es geht um die Geschichte der Augsburger Puppenkiste und sie wird zu einer Erzählung über das Fortwirken nationalsozialistischer Vergangenheit.

Nach drei Nominierungen für den Deutschen Buchpreis, müsse es dieses Jahr endlich mal klappen, ihn zu gewinnen, gab Hettche fast trotzig zu. Im Nachsatz betonte er, dass es natürlich eine große Ehre sei, überhaupt nominiert zu sein und er sich darüber freue.

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