Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Nordkreis Märzenbecher - giftig, schön und gefährdet
Landkreis Nordkreis Märzenbecher - giftig, schön und gefährdet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:59 03.04.2021
Ein schöner Anblick: Wild wachsende Märzenbecher in einem Waldstück.
Ein schöner Anblick: Wild wachsende Märzenbecher in einem Waldstück. Quelle: Bernd Schautes
Anzeige
Caldern

Zu den Frühblühern des Jahres gehören zweifellos die Märzenbecher. „Sie sind streng geschützt und stehen auf der Roten Liste. Diese Frühblüher dürfen weder gepflückt noch ausgegraben werden“, sagt Bernd Schautes aus Caldern.

Wie bitte, Märzenbecher? Echt jetzt? Die gibt es doch in jedem besser sortierten Gartenmarkt zur Pflanzung in heimischen Gärten. Die Märzenbecher, oft auch nur Märzbecher genannt, sollen gefährdet sein?

Nun, ein Blick auf schlaue Seiten im Internet bestätigen Schautes. Es klingt unglaublich, aber irgendwie auch wieder typisch. Wer trägt die Schuld am Niedergang der Märzbecher in der freien Natur?

„Als ursächlich für die Gefährdung sind in erster Linie Eingriffe in den Lebensraum der Pflanze zu sehen, wie beispielsweise die Umwandlung naturnaher Wälder oder auch die Entwässerung und Wiederaufforstung von Moorflächen“, ist bei Wikipedia zu lesen. Also tatsächlich ein guter Grund, den eigenen Garten im Frühjahr mit Märzenbecher zu bereichern. Doch Vorsicht!

Nur gucken, nicht anfassen

Beim Arbeiten mit dieser Pflanze ist es ratsam, Handschuhe zu tragen. Sie ist nämlich in allen Teilen hochgiftig. In einem Familiengarten sollte sie nicht unbedingt vorkommen, raten deshalb Pflanzenexperten. Und wenn man nicht verzichten kann, dann sollten sie wenigstens so gepflanzt werden, dass sie für kleine neugierige Gartenerforscher nicht ohne Weiteres erreichbar sind.

„Anschauen ist immer erlaubt“, sagt Schautes. Obwohl die Pflanze als seltene Art auf der Roten Liste steht, gibt es in Deutschland noch etliche Stellen, an denen man im Frühjahr richtige Märzenbecherwiesen finden kann. Nicht weit entfernt von Marburg, bei Homberg/Ohm gibt es die derzeit größte Märzenbecherwiese Hessens.

„Jedes Jahr wird dieser Ort zu einem traditionellen Frühlingserlebnis. Wie ein kleines Naturwunder genießen dann Naturfreunde diese Blütenpracht“ sagte Schautes. Wer jetzt offenen Auges durch die Natur streift, kann plötzlich vor diesem Frühlingsboten stehen. So erging es Schautes bei einem Spaziergang mit seinem Hund.

Schon lange lebt er in Lahntal-Caldern und glaubte, sich gut auszukennen. In diesem noch jungen Frühling entdeckte er aber erstmalig das Vorkommen von Märzbecher praktisch in seinem Heimatort und freute sich darüber doch sehr.

Von Götz Schaub

Der Märzenbecher

Nicht selten werden Märzenbecher mit Schneeglöckchen verwechselt. Deshalb werden sie tatsächlich auch Märzglöckchen oder Großes Schneeglöckchen genannt. Beide sind Frühblüher und gehören zu den Amaryllisgewächsen.

Jedoch gibt es einige markante Bestimmungsmerkmale, an denen man die beiden Pflanzen unterscheiden kann. Märzenbecher haben sechs gleichlange Blütenblätter, die an der Spitze einen gelb-grünen Punkt besitzen.

Schneeglöckchen haben immer eine Blüte pro Stiel, während Märzenbecher ein bis zwei Blüten haben können. Auffällig für die Märzenbecher ist der dicke Fruchtknoten am Blütenansatz. Deswegen nennt man die Pflanze auch „Frühlings-Knotenblume“.