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Nordkreis Machen 22 Hundetoiletten für 15 000 Euro Felder kotfrei ?
Landkreis Nordkreis Machen 22 Hundetoiletten für 15 000 Euro Felder kotfrei ?
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14:00 12.01.2022
Die Stadt Marburg hat wie hier bei Cyriaxweimar an markanten Stellen im Außenbereich Hundetoiletten eingerichtet. In Münchhausen würde man gerne darauf verzichten und hofft dabei auf das Verantwortungsbewusstsein der Hundehalter.
Die Stadt Marburg hat wie hier bei Cyriaxweimar an markanten Stellen im Außenbereich Hundetoiletten eingerichtet. In Münchhausen würde man gerne darauf verzichten und hofft dabei auf das Verantwortungsbewusstsein der Hundehalter. Quelle: Götz Schaub
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Münchhausen

Das kommt wahrlich nicht alle Tage vor. Ein Gemeindevorstand bringt einen Beschlussvorschlag in eine Gemeindevertretung ein und macht gleichzeitig deutlich, dass selbiges Gremium den Vorschlagt ablehnt. So geschehen in der Gemeinde Münchhausen.

Um was ging es? Um Hunde. Oder genauer gesagt um Hundetoiletten. Laut Beschlussvorschlag sollte der Münchhäuser Gemeindevorstand damit beauftragt werden, 22 Hundetoiletten anzuschaffen und im Gemeindegebiet aufzustellen. Die Anschaffungskosten wurden auf rund 15 000 Euro beziffert, die jährlichen Unterhaltungskosten bei rund 13 500 Euro angesiedelt. Als Begründung wurde dem Beschlussvorschlag beigefügt, dass die Ortsbeiräte aus Münchhausen, Simtshausen und Niederasphe schon seit langem das Aufstellen von Hundetoiletten in der Gemeinde angeregt haben, weil es immer wieder zu Beschwerden aus der Bevölkerung gekommen sei.

Die Pilotphase dauert sechs Monate

Nicht unterschlagen wurde die Haltung aus Wollmar. Der Ortsbeirat sprach sich wie der Gemeindevorstand deutlich gegen diese Toiletten aus. Bürgermeister Peter Funk stellte heraus, dass man dem Ansinnen aus Münchhausen, Simtshausen und Niederasphe durchaus Rechnung tragen und das Thema zur Diskussion stellen wollte.

Das begrüßte Jürgen Erxleben von der SPD-Fraktion während der jüngsten Sitzung der Gemeindevertreter in Niederasphe. „Alle Fraktionen nehmen das Thema ernst. Die Anliegen aus den Ortsbeiräten sind ja begründet“, sagte er. Nun, die Thematik war zuvor schon in den Ausschüssen thematisiert worden. Der Haupt- und Finanzausschuss wie auch der Bau-, Grund-, Landwirtschafts- und Umweltausschuss legten zur Gemeindevertretersitzung einen Änderungsantrag vor. Danach sollte der Gemeindevorstand beauftragt werden, sich des Themas mit „Sensibilisierungsmaßnahmen“ wie über entsprechende Veröffentlichungen in den „Münchhausener Nachrichten“, mit einem Schreiben an die Hundehalter und das Aufstellen von Hinweisschildern, insbesondere an touristisch genutzten Wanderwegen, anzunehmen.

Damit soll das Thema aber nicht abgefertigt sein. Vielmehr wurde auch festgelegt, dass nach einer Pilotphase von sechs Monaten der Erfolg der Maßnahmen seitens der Ortsbeiräte nochmalig bewertet werden soll. Diesem Vorgehen konnten sich alle 21 anwesenden Gemeindevertreter anschließen, so dass der Änderungsantrag einstimmig gefasst wurde.

22 Hundetoiletten-Standorte für 392 Hunde

Vier der fünf Ortsbeiräte in Münchhausen haben schon konkrete Wünsche geäußert, wo sie gerne Hundetoiletten aufgestellt sehen möchten. Insgesamt sind es 22 Standorte. In Münchhausen Kernort sind es elf Stellen, an denen teilweise schon Mülleimer vorhanden sind. In Münchhausen sind 135 Hunde gemeldet. Im Ortsteil Simtshausen sind es drei Standorte. Dort sind 45 Hunde gemeldet. In Niederasphe inklusive Untersimtshausen sind es fünf Standorte, an denen Hundetoiletten aufgestellt werden sollen. Im Dorf sind 93 Hunde gemeldet. In Oberasphe scheint das Problem nicht so akut zu sein, wie in den drei zuvor genannten Orten. Dort sind auch nur 39 Hunde gemeldet. Der Ortsbeirat benannte dennoch drei Standorte. In Wollmar sind 80 Hunde gemeldet. Der Ortsbeirat lehnt Hundetoiletten als Kotsammelstellen ab und hat entsprechend keinen Standort gemeldet. Offiziell sind in der Gemeinde Münchhausen 392 Hunde angemeldet. Die Hundesteuer beträgt für den ersten Hund 72 Euro im Jahr, für den zweiten 90 und für den dritten 120 Euro.

Bürgermeister Peter Funk redete Hundebesitzern schon mal ins Gewissen. Es könne nicht sein, dass die Allgemeinheit für das Fehlverhalten einzelner Hundebesitzer aufkommen müsse. Wolfgang Henseling von der CDU-Fraktion ist auch Ortsvorsteher von Wollmar. In dieser Eigenschaft erläuterte er die klare Ablehnung des ursprünglichen Beschlussvorschlages. Die Anschaffungs- und Unterhaltungskosten seien kein Garant dafür, dass plötzlich keine Hundehaufen mehr in der Landschaft zu finden seien. Auf der anderen Seite würden aber auch die Hundetoiletten als solche die Umgebung, in der sie stehen, unattraktiv machen. „Da möchte sich niemand länger aufhalten“, sagte er. Es sei auch niemanden zumutbar, insbesondere in den Sommermonaten, die Toiletten zu entleeren. Der Vorschlag von SPD-Mann Helmut Briel aus Niederasphe, versuchsweise zwei Behälter aufzustellen, wurde aktuell abgelehnt. Dr. Harald Dörnbach, ebenfalls aus Niederasphe, sagte, dass zunächst die beschriebene Versuchsphase abgewartet werden sollte. In dieser Zeit sollte man einer „schleichenden Einführung“ von Hundetoiletten keinen Vorschub leisten.

Lena Siemon Marques von der Unabhängigen Grünen Liste sagte, dass dieses Thema sehr schwierig sei. Man würde letztendlich Geld ausgeben, das an anderer Stelle gespart werden müsse, ohne die Gewähr zu haben, dass Hundebesitzer diese Möglichkeit der Hundekot-Entsorgung überhaupt aktiv annehmen. Dabei spreche sie nicht diejenigen an, die schon jetzt immer Beutel mit sich führen, um den Kot darin aufzunehmen und zu Hause in der Restmülltonne entsorgen, sondern diejenigen, die bisher gar keine Vorkehrungen treffen, den Kot ihrer Hunde in irgendeiner Form aus Flur und Feld oder Gehsteig zu entfernen. Würden diese es wirklich tun, wenn es entsprechende Behältnisse gäbe? Bürgermeister Peter Funk teilt die Bedenken. Ohne Kontrolle werde es kaum einen spürbaren Effekt geben, doch eine solche Kontrolle wünsche sich keiner und könnte auch keiner gewährleisten. Doch allen Hundebesitzern müsse auch klar sein, dass die Hinterlassenschaften von Hunden auf landwirtschaftlichen Nutzflächen, folgenschwere Konsequenzen haben können, insbesondere für Vieh, das den Kot unfreiwillig zwischen Gras und Heu mit aufnimmt.

Von Götz Schaub

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