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Nordkreis Das Künstlerhaus ist zu klein
Landkreis Nordkreis Das Künstlerhaus ist zu klein
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11:56 22.03.2022
Das Otto-Ubbelohde-Haus in Goßfelden. Der Landkreis prüft, ob es einen Erweiterungsbau für das historische Haus geben wird.
Das Otto-Ubbelohde-Haus in Goßfelden. Der Landkreis prüft, ob es einen Erweiterungsbau für das historische Haus geben wird. Quelle: Ina Tannert
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Goßfelden

Das Otto-Ubbelohde-Haus in Goßfelden platzt sozusagen aus allen Nähten. Deshalb prüft der Landkreis nun gemeinsam mit der Otto-Ubbelohde-Stiftung, ob ein Erweiterungsbau möglich ist. Der Landkreis hat dazu bereits eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, wie der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) Ende Februar im Kreistag mitteilte. Diese Studie ist allerdings bislang nicht veröffentlicht.

Das frühere Wohnhaus des vor allem durch seine Märchen-Illustrationen bekannten Malers Ubbelohde (1867-1922) ist heute ein Museum, Träger ist die Otto-Ubbelohde-Stiftung. Doch diese „stößt mit dem Künstlerhaus inzwischen an die Grenze einer verantwortlichen Erfüllung ihrer Aufgaben“, berichtete Zachow (CDU) im Kreistag.

„Die Unterbringung ist nicht mehr sachgerecht.“ Das gelte sowohl für das überfüllte Magazin als auch für die schweren Grafikschränke im Obergeschoss. Deren Gewicht belaste die Statik. „Der Besuch des Obergeschosses musste deshalb auf maximal fünf Personen beschränkt werden“, erläuterte Zachow weiter.

Erweiterung unter Umständen möglich

Deshalb habe der Marburger Architekt Bernd Brust im Auftrag des Landkreises eine Machbarkeitsstudie erstellt, berichtete der Erste Kreisbeigeordnete. Er habe geprüft, ob im direkten Umfeld des Künstlerhauses, das Zachow als „Kleinod“ bezeichnete, ein Ergänzungsbau möglich ist. Dabei ging es zunächst nur um die grundsätzliche Machbarkeit, also nicht um Details wie Größe und Ausstattung, erläuterte der stellvertretende Pressesprecher des Landkreises, Sascha Hörmann, auf Nachfrage der OP.

„Das Ergebnis der Studie besagt, dass eine Bebauung unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist“, berichtete Zachow im Kreistag. „Wenn die Gemeinde Lahntal dazu bereit sein sollte, der Otto-Ubbelohde-Stiftung einen Teilbereich des Flurstücks zu verkaufen oder zu verpachten, könnte dort ein entsprechendes Ergänzungsgebäude entstehen.“

An einem Grundstück wird es wohl nicht scheitern – denn der Gemeinde ist das Künstlerhaus sehr wichtig, wie Bürgermeister Manfred Apell (SPD) im Gespräch mit der OP betonte. In einer Stellungnahme des Gemeindevorstandes an den Landkreis schrieb er: „Der Gemeinde Lahntal ist die hohe kulturelle Bedeutung des Hauses auch über die Region hinaus bewusst, weshalb die Gemeinde ohne Einschränkungen zum Otto-Ubbelohde-Haus steht und grundsätzlich auch einen Erweiterungsbau begrüßt.“

Bauverbot im Überschwemmungsgebiet

Die Sache hat allerdings noch einen Haken: Das Otto-Ubbelohde-Haus liegt im Überschwemmungsgebiet – und das würde dementsprechend auch für einen direkt benachbarten Erweiterungsbau gelten. Dort gilt grundsätzlich ein Bauverbot, das Bürgermeister Apell auch deshalb wichtig findet, weil die Lahntaler Ortsteile „fast durchgängig am und im Überschwemmungsgebiet der Lahn liegen“, wie es in der Stellungnahme heißt.

Seine Sorge: Wenn es eine Ausnahme für den Erweiterungsbau des Otto-Ubbelohde-Hauses gibt, werden auch Bürgerinnen und Bürger fordern, dass sie ebenfalls auf Grundstücken im Überschwemmungsgebiet bauen dürfen. „Jede Ausnahme erhöht die Hochwassergefährdung für die verbleibenden Bauwerke und kann zu schwerwiegenderen Folgen im Falle eines Hochwassers führen“, heißt es in der Stellungnahme.

Gemeinde dringt auf umfassende Abwägung

„Grundsätzlich bin ich der Meinung, man sollte möglichst außerhalb des Überschwemmungsgebietes bleiben“, sagte Apell auf OP-Nachfrage. Laut Gemeinde gibt es im näheren Umfeld Grundstücke, die nicht im Überschwemmungsgebiet liegen. Diese wären allerdings nicht direkt neben dem Künstlerhaus.

Eine andere Option wäre, das neue Gebäude auf Ständer zu bauen. Dies wird laut Zachow in der Machbarkeitsstudie empfohlen, weil dies „ eine geringere Belastung und Verdrängung im Zusammenhang mit einem denkbaren Hochwasser darstellen würde“. Auch in der Stellungnahme der Gemeinde ist von einem möglichen „sensiblen Erweiterungsbau“ die Rede. Bürgermeister Apell dringt aber im Namen der Gemeinde auf eine „umfassende Abwägung“ der Alternativen.

Die Kosten der Machbarkeitsstudie, die der Landkreis Marburg-Biedenkopf finanziert hat, lagen nach Angaben von Sascha Hörmann bei 6.000 Euro. Wie teuer ein Erweiterungsbau wird, wer ihn bezahlen würde und bis wann das Projekt realisiert werden könnte, kann die Kreisverwaltung demnach noch nicht sagen.

Otto Ubbelohdes Nachlass

Der 1867 in Marburg geborene Maler und Illustrator Otto Ubbelohde ließ im Jahr 1900 in Goßfelden ein Atelierhaus bauen, in dem er mit seiner Frau Hanna bis zu seinem Tod im Jahr 1922 lebte. Die Nichte Else Ubbelohde-Doering erbte das Haus und den Nachlass. Sie legte fest, dass beides nach ihrem Tod Eigentum einer Stiftung werden sollte. So entstand 1991 die Otto-Ubbelohde-Stiftung.

Dem Stiftungsrat gehören unter anderem ein Vertreter der Stifterfamilie, der Landrat oder die Landrätin und der Bürgermeister oder die Bürgermeisterin der Gemeinde Lahntal an.

Der Landkreis fördert die Arbeit der Stiftung auch finanziell und hat ihr als Dauerleihgabe einige Gemälde Ubbelohdes und vor allem seine 450 als national wertvoll eingestuften Illustrationen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm überlassen. Diese hatte seine Frau Hanna dem Landkreis geschenkt.

Von Stefan Dietrich

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