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Nordkreis Wursthersteller Wilke beantragt Insolvenz
Landkreis Nordkreis Wursthersteller Wilke beantragt Insolvenz
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20:29 04.10.2019
Werbeschilder vor dem Produktionsgebäude des Fleischherstellers Wilke Wurstwaren. Quelle: Uwe Zucchi/dpa
Twistetal

Es sei inakzeptabel, dass noch immer keinerlei Angaben zu den Verkaufsstellen der zurückgerufenen Produkte gemacht worden seien, erklärte die Organisation am Freitag, 4. Oktober.

Auch gebe es bislang keine Liste der betroffenen Produkte. In Waren der nordhessischen Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH waren wiederholt Listerien-Keime nachgewiesen worden.

Mittlerweile ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Kassel wegen fahrlässiger Tötung. Es gebe einen Anfangsverdacht, sagte eine Sprecherin. Dieser richte sich aber noch nicht gegen eine konkrete Person.

Wilke beantragte mittlerweile die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens. Das sagte ein Sprecher des Amtsgerichts Korbach am Freitag. In einem solchen Verfahren werde geprüft, ob die Voraussetzungen zur Durchführung eines Insolvenzverfahrens vorliegen.

Behörden: Keine Rückruf-Liste nötig

Foodwatch kritisierte derweil: „Die Verbraucherinnen und Verbraucher könnten die Herkunft der Produkte nicht sicher nachvollziehen.“ So habe Wilke offenbar auch für Handelsmarken produziert. Daher reiche es nicht, ausschließlich Wilke als Hersteller der zurückgerufenen Produkte sowie das Identitätskennzeichen der Waren zu benennen.

Behörden hatten zuvor erklärt, eine solche Rückruf-Liste sei nicht nötig, da alle Produkte von Wilke als solche deklariert seien. Waren unter anderen Markennamen seien nicht bekannt. Das Unternehmen selbst hatte in einer Mitteilung vom Mittwoch alle Waren mit der Kennzeichnung „DE EV 203 EG“ zurückgerufen. Es erklärte aber auch, dass Produkte in loser Form an Fleischtheken und Küchen in Krankenhäusern und Kantinen geliefert wurden.

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Laut Behörden wurden Wilke-Produkte über alle Bundesländer verteilt und auch weltweit ausgeliefert.

Am Freitag stellte sich jedoch heraus, dass entgegen der Darstellung von Behörden offenbar doch Fleisch von Wilke unter anderem Namen verkauft wurde.

Man habe alle Produkte der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH aus dem Sortiment genommen, sagte eine Sprecherin des Großhändlers Metro am Freitag.

Darunter seien auch Metro-Eigenmarken gewesen. Metro betonte, auf eigene Initiative tätig geworden zu sein. Bereits am Mittwoch habe man vor Eintreffen des Rückrufs alle Wilke-Produkte aus den Regalen genommen und die Kunden direkt informiert. Metro nehme zudem bei Eigenmarken zusätzliche Stichproben. Dabei sei Wilke in den vergangenen sechs Monaten nicht auffällig gewesen.

37 registrierte Krankheitsfälle

In Südhessen hatte es zwei Todesfälle bei älteren Personen gegeben. Man sei „aufgrund der Daten des Robert Koch-Instituts zu dem Schluss gekommen, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Todesfällen und dem Verzehr von Wurstprodukten besteht“, sagte Hartmut Wecker, Sprecher des Kreises Waldeck-Frankenberg. Der Kreis hatte den Betrieb am Dienstag geschlossen. Die Behörden erhofften sich am Freitag neue Hinweise auf die Keimquelle. Man warte auf den Bericht der Arbeitsgruppe, die den betroffenen Betrieb untersucht habe, sagte Wecker.

In Wilke-Produkten waren mehrfach Listerien nachgewiesen worden. Die Keime können für Personen mit schwachem Immunsystem lebensgefährlich sein. Es gibt 37 Krankheitsfälle, die möglicherweise mit Wurstwaren der Firma im Zusammenhang stünden. Diese Zahl habe sich auch nach einem Aufruf der Verbraucherorganisation foodwatch an mögliche weitere Betroffene nicht erhöht, hieß es vom Kreis.

Edeka und Lidl: Führen keine Wilke-Wurst

Auf OP-Nachfrage erklärte Kristina Schütz, Sprecherin der Rewe Group, am Freitag: „Die Rewe Group hat keine Produkte der Firma Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH & Co.KG für ihre Rewe- und Penny-Märkte bezogen.“ Insofern sei das Unternehmen nicht von dem aktuellen öffentlichen Rückruf betroffen, so die Rewe-Sprecherin. Kristina Schütze sagte weiter: „Grundsätzlich informiert die Rewe Group ihre Kunden im Falle von öffentlichen Rückrufen proaktiv und steht hierbei im engen Kontakt mit den zuständigen Behörden.“

Auch Gernot Kasel, Abteilungsleiter Mitarbeiter- und Medienkommunikation bei Edeka, sagte auf Nachfrage: „Die Edeka-Zentrale hat weder Eigenmarkenprodukte noch Markenprodukte vom Hersteller Wilke für den Edeka-Einzelhandel bezogen. Gleiches Bild beim Discounter Lidl: „Die Firma Wilke ist und war kein Lieferant für das Fleisch- und Wurstwarensortiment von Lidl Deutschland“, sagt Pressesprecher Mario Köhler.

Cölber Großhandel verkaufte Wilke-Produkte

Tegut-Sprecherin Bettina Heinrichs erklärte: „Im tegut-Sortiment führen wir keine Produkte des Wurstwarenunternehmens „Wilke“. Eine Ausnahme seien die tegut-Märkte am ­Frankfurter Flughafen und in Frankfurt am Eschenheimer Turm gewesen: „Diese beiden Märkte haben fünf Sorten zum Belegen der frischen Brötchen verwendet.“ Die belegten Brötchen seien umgehend aus dem Verkauf genommen worden: „Außerdem wurden entsprechende Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen der Vorbereitungsräume etc. eingeleitet.“ Noch vorhandene Wurstwaren von Wilke, so die tegut-Sprecherin, seien vernichtet worden.

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf vertrieb ein Großhändler mit Sitz in Cölbe Wurstwaren der Firma Wilke an Kunden. Wie Stefan Schienbein, Sprecher der Kreisverwaltung, mitteilte, wurden sämtliche Kunden des Großhändlers, die die fraglichen Produkte hier gekauft hatten, informiert und aufgefordert, Produkte von Wilke sofort aus dem Sortiment zu nehmen. Das Veterinäramt kontrolliert stichprobenartig, ob das geschehen ist.

von Linda Marquardt, Till 
Conrad und unserer Agentur