Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Nordkreis Langjährige Baustraßen sind marode
Landkreis Nordkreis Langjährige Baustraßen sind marode
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:57 09.02.2020
Ein Blick vom Kreuzungsbereich Bergacker in die Burgwaldstraße. Die Baustraße weist erhebliche Schäden auf. Die Straßenränder 
zu den Grundstücken sind alles andere als schön anzusehen. Foto: Götz Schaub Quelle: Ein Blick vom Kreuzungsbereich Bergacker in die Burgwaldstraße. Die Baustraße weist erhebliche Schäden auf. Die Straßenränder 
zu den Grundstücken sind alles andere als schön anzusehen. Foto: Götz Schaub
Schönstadt

Wenn es nach Rolf Beuermann gegangen wäre, gäbe es diesen Artikel nicht stehen. Die „Baustraßen“ Burgwaldstraße, Bergacker, Triftweg und Am Berg und wohl auch der Fünfpfennigsgraben wären längst in einem Top-Zustand. Zwar nicht endausgebaut, aber oberflächensaniert.

Kostengünstig in Eigenregie der Anwohner. So war mal der Plan von Rolf Beuermann, Anwohner der Straße Am Bergacker. 2012 hatte er die Idee mit der Oberflächensanierung statt eines Endausbaus und das eben in Eigenregie der Anwohner.

Damit konfrontierte er den damaligen Cölber Bürgermeister Volker Carle, der sich dieser ungewöhnlichen Idee zunächst sehr aufgeschlossen zeigte und darin ein Pilot-Projekt als Vorbild für weitere Straßenbauarbeiten in Cölbe sah. Jetzt im Winter 2020 lebt Beuermann weiterhin an einer sanierungsbedürftigen Baustraße, die nie endausgebaut wurde.

Bürgermeister lädt zur Anliegerversammlung

Was für Autofahrer nur unangenehm rumpelt, kann für andere Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer schon gefährlich werden: Gullideckel, die stumpf über den Straßenbelag hinausragen, viele Unebenheiten, lose Steine sowie ordentliche Schlaglöcher. Inliner sollten dort keinesfalls ihre Runden fahren, es sei denn, sie möchten mal das Marburger Klinikum von innen kennenlernen.

Nachdem die Idee der Oberflächensanierung geboren war, arbeitete Beuermann mit viel Engagement darauf hin, sie auch umsetzen zu können. 2015 sieht er sich eigentlich schon am Ziel: Die Cölber Gemeindevertreter beschließen mehrheitlich, dass die genannten Straßen in der gewünschten Form instand gesetzt werden.

„Es ist einfach schade. Hier wurde in der Konsequenz der gesunde Menschenverstand durch rechtliche Gedenken und Vorschriften ausgehebelt“, findet Rolf Beuermann. Foto: Götz Schaub

Doch dann machte Carle 2016 gegenüber den Anliegern deutlich, dass die Gemeinde als solche keine Verantwortung für das Straßensanierungsprojekt übernehmen könne. 2015 hieß es immer, dass die Gemeinde Bauträger und Verantwortlicher bleibt.

Dabei blieb es dann, obwohl Beuermann eine vollständige Liste der Anwohner nachweisen konnte, die sich mit der Oberflächensanierung in Eigenleistung einverstanden zeigten. Nun also gibt es einen neuen Bürgermeister. Dr. Jens Ried ist die Thematik nicht unbekannt, schließlich war er bis zu seiner Wahl Fraktionschef der CDU im Cölber Gemeindeparlament. Er will den Investitionsstau abarbeiten und Straßen, die noch nie endausgebaut wurden, endlich ordentlich herrichten lassen. Allerdings weniger von Bürgern.

Bürgermeister will Plan präsentieren

„Wir wollen alle gleich behandeln und müssen dies auch“, sagt er gegenüber der OP. Es sei nun mal Standard, dass Baustraßen irgendwann einmal endausgebaut werden. Dass dies insbesondere in Schönstadt über Jahrzehnte nicht erfolgt sei, sei sehr bedauerlich. Deshalb möchte er jetzt dort ansetzen und mit den Anliegern der Straßen Bergacker, Burgwaldstraße, Triftweg, Am Berg und Fünfpfennigsgraben in einer Versammlung am Dienstag, 11. Februar, über den Endausbau reden.

Nicht nur reden, sondern auch einen Plan präsentieren, wie das alles vonstatten gehen soll. Dieser Plan darf dann gerne diskutiert werden. Jedenfalls soll das Vorhaben aber nicht wieder aus den Augen verloren werden. „Wir werden die günstigste Variante vorstellen, wenn die Anlieger weitere Wünsche haben, wird man sehen müssen, wie das berücksichtigt werden kann“, so Ried. Er geht davon aus, dass die Arbeiten zum Endausbau der Straßen, die in einzelne Bauabschnitte unterteilt werden, im nächsten Jahr umgesetzt werden können.

Beuermann: Große Chance wurde liegengelassen

Für Beuermann bleibt nur die Erkenntnis, dass es einmal eine Chance gab, etwas zu verändern, die aber von der Gemeinde nicht bis zur letzten Konsequenz mitgetragen wurde und nun wohl wenig Aussicht auf eine Fortführung hat.

„Ich werde immer wieder mal gefragt, was nun mit der Oberflächensanierung ist. Arbeiten waren für 2017 vorgesehen. Sie wurden ausgesessen, jetzt muss sich ein anderer Bürgermeister darum kümmern“, resümiert Beuermann nüchtern, aber auch ein Stück weit enttäuscht.

„Es ist einfach schade. Hier wurde in der Konsequenz der gesunde Menschenverstand durch rechtliche Gedenken und Vorschriften ausgehebelt“, findet Beuermann. Man rede hier schließlich von Straßen, auf denen reiner Anliegerverkehr vorherrsche.

von Götz Schaub