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Nordkreis Bestattungen in moderner Modulform
Landkreis Nordkreis Bestattungen in moderner Modulform
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19:00 02.11.2019
Ein Blick vom Friedhof Caldern in Richtung Dorf mit Nikolaikirche. Immer mehr Menschen wählen für sich andere, zumeist auch ­billigere Bestattungsformen und verzichten dabei auch auf eine wohnortnahe Bestattung.  Quelle: Tobias Hirsch
Lahntal

Es ist nicht so, dass es in Lahntal keine Auswahl gibt, wie Verstorbene auf den Friedhöfen zur letzten Ruhe gebettet werden können. Es gibt verschiedene Erd- und Urnenbestattungen, in Goßfelden und Caldern statt Doppelgräbern platzsparende Tiefengräber und es gibt auch pflegelose Grabstätten, sogenannte Rasenreiheneinzelgrabstätten. 

Doch längst nicht alle Lahntaler entscheiden sich für ein Grab in der Heimatgemeinde. Bürgermeister Manfred Apell hatte das Thema schon mehrfach angesprochen und berichtet, dass es da einen Trend gebe hin zu einer letzten Ruhestätte in einem Friedwald. Eine Form, die es in der Tat so in Lahntal nicht gibt. Die Bürgerliste Lahntal bringt zu dieser Thematik einen Prüfantrag in der Gemeindevertretung ein.

„Wir erleben eine Zeit der ­radikalen Veränderung der Bedürfnisse. Diese macht auch vor der Bestattungskultur nicht halt. Das derzeitige Angebot trifft leider nicht ,den Nerv der Zeit‘ und muss somit ständig angepasst werden“, führen Holger Boßhammer und Carsten Laukel zur Antragsbegründung aus.

Entwicklung mit Änderung des Angebotes entgegentreten

Und weiter: „Dabei sind wir aber nicht in der Lage aus Kostengesichtspunkten ein konkurrenzfähiges Angebot zu erstellen, oder die Qualität des Angebotes als solches wird nicht wahrgenommen. Daraus resultierend entscheiden sich viele Menschen für ­andere Bestattungsformen.“

Das derzeitige, wenn auch schon einmal überarbeitete Angebot der Gemeinde, man denke an die Einführung der Tiefengräber vor einigen Jahren, könne mit der Geschwindigkeit der sich änderten Bedürfnisse nicht mehr mithalten und werde sich weiter aus dem „Markt“ entwickeln, sind sich die beiden sicher. Ihre Konsequenz: „Dieser Entwicklung müssen wir durch Veränderung des Angebotes entgegentreten.“

In einer Gemengelage aus steigenden Kosten, zurückgehender Nutzung und haushaltspolitischen Zwängen, müssen neue Angebote geschaffen werden. 

Bürgerliste macht eigene Vorschläge

Die Bürgerliste Lahntal kommt nicht ohne eigene Idee daher.­ Sie möchte eine Diskussion über eine „Modulgrabstätte“ führen, die aus ihrer Sicht eine Lösungsmöglichkeit darstellt, die Auslastung der Friedhöfe wieder zu erhöhen und die unterschiedlichen Bedürfnisse vieler Menschen zu erfüllen. So ein Modul könnte ein Rasengrab sein – Urne oder Sarg – für Erdbestattung mit bis zu vier Urnen mit bodenbündiger eingelassener Platte. Ein zweites Modul könnten Rasengräber nebeneinander sein, die als Doppelgräber gekauft werden können.

Dazu wären dann noch „Zulagen“ denkbar, etwa für ein Denkmal mit bodenbündigem Sockel oder für ein Pflanzfeld. 

Boßhammer und Laukel, die den Prüfantrag für ihre Fraktion unterschrieben haben, gehen davon aus, dass nach einer gewissen Übergangszeit die ­Gemeinde pflegeleichte und ansprechende Friedhöfe mit Bestattungsformen zu moderaten Preisen erhalte. Die Rechnung: Kostensenkung durch weniger­ Aufwand und durch höhere Auslastung der Friedhöfe verteilen sich die Fixkosten.

Der Antrag der Bürgerliste Lahntal zielt nun darauf, den Gemeindevorstand damit zu beauftragen, die Entwicklung und Einführung eines alternativen Friedhofskonzeptes zu prüfen. Zielsetzung ist die Erarbeitung eines Konzeptes einer sogenannten „Modulgrabstätte“ bei gleicher Kostendeckungsquote.

von Götz Schaub