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Nordkreis Gemeinde sichert sich Wachstumsmöglichkeit in Sterzhausen
Landkreis Nordkreis Gemeinde sichert sich Wachstumsmöglichkeit in Sterzhausen
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14:00 12.11.2021
Durch den Beschluss des Parlamentes, hat die Gemeinde Lahntal die Option, die Verwaltung in der Zukunft zu erweitern.
Durch den Beschluss des Parlamentes, hat die Gemeinde Lahntal die Option, die Verwaltung in der Zukunft zu erweitern.
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Sterzhausen

Die Gemeinde Lahntal sichert sich die Möglichkeit, in der Ortsmitte von Sterzhausen die Gebäude der Gemeindeverwaltung und der Feuerwehr zu erweitern. Die Gemeindevertreterinnen und -vertreter beschlossen in ihrer Sitzung in der Lahnfelshalle Goßfelden einstimmig bei einer Enthaltung den Erlass einer Veränderungssperre und die Aufstellung eines Bebauungsplanes für ein rund 0,3 Hektar großes Gebiet an der Einmündung der Oberdorfer Straße (Kreisstraße 84) in die Wittgensteiner Straße (Bundesstraße 62). Zuvor hatten sich bereits der Bau-, Energie- und Umweltausschuss sowie der Haupt- und Finanzausschuss einstimmig für die Anträge ausgesprochen, wie die Ausschuss-Vorsitzenden Claus Opper (Grüne) und Michael Nies (CDU) im Parlament berichteten.

„Insbesondere der Feuerwehrstützpunkt benötigt zusätzliche Flächen, um den steigenden Ansprüchen an eine zeitgemäße Ausstattung für die Einsatzkräfte und das technische Gerät zu gewährleisten“, heißt es in der Begründung des Antrags für den Bebauungsplan. „Hierzu sind auch benachbarte Grundstücke der gemeindlichen Einrichtungen, die derzeit nicht im Eigentum der Gemeinde Lahntal stehen, aufgrund ihrer Lage prädestiniert für die bauliche Entwicklung in der Ortsmitte Sterzhausens.“ Wie Bürgermeister Manfred Apell nach der Sitzung im Gespräch mit der OP erläuterte, hat die Gemeinde durch die Veränderungssperre die Option, an die Gemeindeverwaltung angrenzende Grundstücke mit einem Vorkaufsrecht zu erwerben.

Damit hat die Gemeindevertretung die Voraussetzung für eine mögliche Vergrößerung des Feuerwehrstandortes in der Ortsmitte geschaffen. Allerdings ist weiterhin offen, wo in Zukunft der Standort eines neuen Feuerwehrhauses in Sterzhausen sein wird. Der Gemeindevorstand hatte der Feuerwehr unter anderem einen Standort im Bereich des geplanten Baugebietes „Im Boden“ (Gartenstraße) vorgeschlagen. Diesen verfolgt die Gemeinde nun nach einem Gespräch zwischen der Feuerwehr und dem Ortsbeirat nicht weiter. Das teilte Bürgermeister Apell beim Tagesordnungspunkt „Bericht des Gemeindevorstandes“ mit.

Bürgermeister: Feuerwehr war schon lange eingebunden

Demnach hatte die Feuerwehr sich bei dem Gespräch Mitte Oktober gegen einen Feuerwehrstandort „Im Boden“ ausgesprochen und stattdessen eine Übergangslösung am aktuellen Standort bei der Gemeindeverwaltung befürwortet. Diesen Standort bevorzuge die Feuerwehr mit Blick auf die Einhaltung der Hilfsfrist. Mit anderen Worten: Die Feuerwehrleute schätzen am bisherigen Standort in der Ortsmitte, dass sie von dort recht schnell zu vielen Einsatzorten kommen.

Der mögliche Standort „Im Bodenacker“, der zwischen einer Arztpraxis und einem landwirtschaftlichen Anwesen an der Wittgensteiner Straße liegt, kommt demnach aus Sicht der Feuerwehr grundsätzlich weiterhin in Betracht. Zudem denke die Feuerwehr noch über einen anderen Standort nach. „Die Feuerwehr Sterzhausen erbat sich weitere Beratungszeit bis zum Januar 2022, um sich abschließend für einen künftigen Feuerwehrstandort zu positionieren“, berichtete Apell. Er kritisierte, die Feuerwehr sei von Anfang an in die Standortsuche einbezogen gewesen. Sie „hätte, wenn sie weitere Standorte untersucht haben wollte, dies jederzeit seit 2018 anmelden können“. Mündlich kommentierte Apell in der Sitzung den schriftlichen Bericht mit den Worten: „Wir sind nicht unbedingt begeistert davon, es ist nicht unbedingt zielführend, aber es ist vielleicht der beste Zwischenschritt.“

Weitere Themen im Parlament

Die Gemeindevertretung beschloss außerdem einstimmig bei drei Enthaltungen den Bebauungsplan „Alte Lahnstraße“ als Satzung. Dabei geht es um ein etwa drei Hektar großes Areal im Südosten von Sterzhausen, auf dem früher der Rewe-Markt sowie der Rewe-Getränkemarkt waren. Dort plant eine Investorin sechs Mehrfamilienhäuser mit jeweils sechs Wohnungen. Mit dem Bebauungsplan wird aus dem bisherigen „Sondergebiet – Lebensmittel- und Getränkemarkt“ ein „Mischgebiet“. Künftig sind in dem Gebiet unter anderem Flachdächer verboten. Zuvor hatte die Gemeinde wie üblich Stellungnahmen von Behörden, Privatpersonen, Verbänden und Versorgungsunternehmen eingeholt. Der Bau-, Energie- und Umweltausschuss hatte die Aufstellung als Satzung einstimmig befürwortet, wie der Vorsitzende Claus Opper berichtete.

Außerdem beschloss die Gemeindevertretung auf Antrag des Gemeindevorstandes einen Dringlichkeitsantrag zur geplanten Multifunktionshalle in Goßfelden. Wie Bürgermeister Apell betonte, ging es dabei um eine Formalie: Die Gemeinde nimmt mit dem Antrag die voraussichtlichen Kosten zur Kenntnis und stellt diese in den Haushalt ein – das ist die Voraussetzung dafür, Fördermittel zu erhalten. Gleichwohl habe die Gemeinde immer noch die Möglichkeit, den Förderbescheid abzulehnen, erläuterte Apell. Die Gesamtkosten werden auf 7,4 Millionen Euro geschätzt, der Bund hat bereits einen Zuschuss von drei Millionen Euro zugesagt (die OP berichtete).

Zur künftigen Nutzung des „Hauses am Wollenberg“ setzt die Gemeinde auf Gespräche mit den Beteiligten, wie Bürgermeister Apell auf Anfrage von Michael Nies (CDU) berichtete. Demnach gab es am vergangenen Samstag ein zum Teil kontroverses Gespräch mit Vereinen, Elternbeirat und Ortsbeirat. In vier Wochen soll es ein weiteres Gespräch mit einem neutralen Moderator geben. „Wir wollen den Zustand, dass das Haus am Wollenberg nicht genutzt werden kann, möglichst bald beenden“, sagte Apell. Ziel sei es, Einvernehmen mit allen Beteiligten herzustellen.

Von Stefan Dietrich