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Nordkreis Bus-Anbindung auf dem Prüfstand
Landkreis Nordkreis Bus-Anbindung auf dem Prüfstand
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11:00 05.10.2021
Göttingen, Busverkehr. Wie bekommt man mehr Busse nach Göttingen? Foto/Montage: Tobias Hirsch
Göttingen, Busverkehr. Wie bekommt man mehr Busse nach Göttingen? Foto/Montage: Tobias Hirsch Quelle: Tobias Hirsch
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Lahntal

Wie lässt sich Göttingen besser an den Nahverkehr anbinden? Darum ging es unter anderem in der vergangenen Sitzung des Parlaments Lahntal. Göttingen liegt eigentlich mittendrin, zwischen drei Kommunen, sowohl an der B 252 wie an der B 62, ist das Einfallstor nach Lahntal steten Durchgangsverkehr leidvoll gewohnt.

Doch an der eigenen Anbindung an den Nahverkehr, an Busse und Bahn hapert es. Göttingen ist unzureichend an andere Ortsteile der Gemeinde oder ans Hinterland Richtung Biedenkopf über den ÖPNV angeschlossen. Das bemängelt zumindest die CDU-Fraktion. Wollen Bewohner zu Anlaufpunkten wie etwa der Gemeindeverwaltung, Arztpraxen oder Einkaufsmöglichkeiten kommen, könnten sie nicht auf die Schnelle auf den ÖPNV zurückgreifen.

Für Schülerinnen und Schüler gebe es zudem keine direkten Verbindungen zu öffentlichen Schulen oder Berufsschulen nach Biedenkopf und Kirchhain. Bisherige Versuche, den Ortsteil verkehrstechnisch besser anzubinden, seien stets abgebügelt worden, mit dem Hinweis auf die Fortschreibung des Nahverkehrsplans des Landkreises, kritisiert die CDU. Erst für den könnten Änderungen eingebracht werden. Der Nahverkehrsplan wird eigentlich 2022 fortgeschrieben, maßgebliche Änderungen im Norden stehen jedoch erst drei Jahre später an.

Das dauert der CDU zu lange, die Fraktion fordert „eine aktive Prüfung“ der Möglichkeiten, wie Holger Briel betonte. Und zwar soll über einen Seiten- oder Sonderantrag zum Nahverkehrsplan eine Verbesserung der Anbindung erreicht werden, unabhängig von der Fortschreibung des Nahverkehrsplans. Denn: Göttingen sei bisher noch gar nicht in Richtung Biedenkopf oder Kirchhain angeschlossen – eine Anbindung müsse überhaupt erst gestaltet werden.

Das noch Jahre hinauszuzögern, das „würde den jetzigen Kindern und Jugendlichen nicht weiterhelfen“. Schülern wie allen Bewohnern sollten mehr öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung stehen, um alltägliche Anlaufpunkte zu erreichen.

Im Vorfeld der Sitzung und mit Blick auf den bevorstehenden Antrag hatte Bürgermeister Manfred Apell beim Regionalen Nahverkehrsverband Marburg-Biedenkopf (RNV) nachgefragt, wie es mit der ÖPNV-Anbindung von Göttingen steht und um eine Stellungnahme gebeten.

Darin bestätigt die Geschäftsführung vorweg, dass das „Linienbündel Nord“ und damit eventuelle Änderungen für Göttingen erst 2025 zur Neuvergabe ansteht. Die Anbindung des Ortsteils könne von der Gemeinde aber „aktiv in diesen Prozess eingebracht“ werden.

Das derzeitige Verkehrsangebot für Göttingen besteht aus der lokalen Buslinie MR 60 (Münchhausen-Marburg), MR 61 (Wetter-Mellnau-Marburg). Einzelne Fahrten laufen auch über die Regionalbuslinie 481 (Marburg-Wallau). Zudem sei die Regionalbahn über den nahen Bahnhaltepunkt in Sarnau nutzbar und damit eine Anbindung an die Kerngemeinde ebenso wie an Biedenkopf und Marburg, heißt es in der Stellungnahme.

Bus-Konkurrenz zwischen Göttingen und Goßfelden

Davon unabhängig wolle der RNV wiederum beim RMV um eine Prüfung anfragen, ob über die Linie 481 weitere Fahrten für Göttingen machbar wären. Das wäre aber nur möglich, wenn auch diese Touren umgeleitet werden: Verlierer wären in diesem Fall Goßfelden und Wehrda, da die Route dann nicht über Marburg-Wehrda-Weißer Stein (Haltestellen Marburger Straße und Brunnenquell), sondern über Göttingen laufen würde. Fahrgäste müssten dann die alternative und längere Route in Kauf nehmen.

Der eine Ort erhält also nur das, was dem anderen weggenommen wird. Das sieht Bürgermeister Manfred Apell kritisch, der davor warnte, durchzudrücken, dass an einer Stelle Busfahrten hinzukommen, an anderer aber entfallen.

Entschieden ist noch nichts, über das Ergebnis der Prüfung will der RNV die Gemeinde dann informieren. Der Beschlussvorschlag für die generelle Prüfung einer besseren ÖPNV-Anbindung für Göttingen wurde im Parlament schließlich einstimmig angenommen.

Übersicht für Solar-Flächen wird erstellt

Ebenfalls einstimmig auf den Weg gebracht wurde die Erstellung eines Solarkatasters für Gemeindeliegenschaften: Einen entsprechenden Prüfantrag brachten Grüne und Freie Bürgerliste gemeinsam ein, um mögliche Flächen und damit künftiges Potenzial für die Erzeugung von Solarenergie zu ermitteln. Zugleich soll der Stromverbrauch der Gebäude zum Vergleich aufgeführt werden.

Erforderliche Daten liegen in der Gemeinde bereits vor, so dass das Vorhaben, die Dachflächen und Sonnenpotenziale abzugleichen, praktisch nichts kostet. Nachdem das Wort „Kataster“ auf Widerspruch stieß, wurde der Begriff mit „Übersicht“ getauscht und der Antrag einstimmig angenommen.

Von Ina Tannert