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12:58 20.02.2021
Die heimischen Künstler Heidi Wollmer (links), Frank Hinrichs und Ingrid Motosso von den Kunstfreunden Wetter stellen bei der „WABLage 3.3" online ihre Werke aus.
Die heimischen Künstler Heidi Wollmer (links), Frank Hinrichs und Ingrid Motosso von den Kunstfreunden Wetter stellen bei der „WABLage 3.3" online ihre Werke aus. Quelle: Privatfoto
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Wetter

Diesen nehmen auch die Kunstfreunde Wetter, einige Mitglieder stellen derzeit auf der „WABLage“ in Cölbe aus, die ins Netz ausgewichen ist.

Genau, die Kulturplattform, die 2017 in der alten Industriehalle auf dem WABL-Gelände in der Lahnstraße noch analog an den Start ging. Die gibt es weiterhin, nur vorerst virtuell. Das Sozialprojekt WABL (Wohnen, Arbeiten, Beschäftigen, Leben) vom St.-Elisabeth-Verein beinhaltet auch eine 100 Quadratmeter große Ausstellungsfläche. Damit die in der Pandemie nicht völlig brach liegt, können Künstler weiterhin dort ihre Werke zeigen, der Verein sorgt für die Technik und stellt die Beiträge dann online.

Schon die erste „WABLage“ sollte dazu dienen, erfahrene und junge Kunstschaffende und Publikum zusammenzubringen. Die digitale Alternative sei nun ein gewisser Ersatz, biete Kunstfreunden dabei auch gewisse Vorzüge: „Man kann die Ausstellung monatelang erleben, gerade für junge Künstler ist das etwas Besonderes“, sagt Manfred Günther vom St.-Elisabeth-Verein. Immer drei Künstler stellen drei Wochen lang gemeinsam aus. Das digitale Format heißt nun „WABLage 3.3“ und ist über die Kanäle des Vereins im Netz zu finden. Nach dem Motto: Wenn die Menschen nicht zur Kunst kommen können, dann kommt die Kunst zu den Menschen. Alle ausgestellten Bilder werden in Video und Foto eingefangen, jeder Künstler stellt sich selber vor und führt die Zuschauer durch einen Teil der Ausstellung, erklärt den Herstellungsprozess oder zeigt Besonderheiten dieses oder jenes Kunstwerks.

Mit dabei sind aktuell drei Vertreter der Kunstfreunde Wetter: Ingrid Motosso, Heidi Wollmer und Frank Hinrichs präsentieren ihre Werke noch bis zum 17. März online. Während bei Ingrid Motosso aus Olivenholzwurzeln aus Ligurien bizarre Skulpturen entstehen, fertigt Heidi Wollmer für ihre Ausstellung „fein/herb“ Bilder aus Acrylfarbe und Naturmaterialen.

Frank Hinrichs, seit 1989 Maler, widmet sich heute ausschließlich der Acrylmalerei. Seine Kunst verbindet er mit Musik und hat am Anfang gar kein klares Bild im Kopf, lässt sich „davon überraschen, was entsteht“. Er wechselt die Techniken oder arbeitet andere Materialien mit ein, von Holz bis Sand.

Harte Zeiten für Kunstszene

Aus manchen Bildern entstehen auch wieder ganz neue Werke, etwa ein Stuhl, den er aus zerkleinerten Bildern zusammengesetzt hat. Der findet sich ebenfalls in der Ausstellung, entstand zwar vor der Pandemie, erscheint heute aber „wie ein Sinnbild“ der derzeitigen Situation der Kunstszene: „Der Künstler sitzt inmitten seiner Bilder und bleibt auf seiner Kunst sitzen.“

Künstler leiden unter dem Lockdown, die virtuelle Ausstellung bietet dabei eine Chance, die Werke dennoch zu präsentieren. Zumindest ein kleiner Ersatz, wenn auch kein vollwertiger zum sonstigen Event. Gehen auf Kunstausstellungen wie der „WABLage“ doch üblicherweise Kunst, Kultur und Musik Hand in Hand. Auch der wichtige direkte Austausch zwischen Künstlern und Besuchern fällt weg. „Das Erleben fehlt natürlich, aber es ist schön, dass das hier möglich ist – wir können uns wenigstens zeigen“, lobt Hinrichs.

Von Ina Tannert

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