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Nordkreis Küsterhaus ist Museum des Monats
Landkreis Nordkreis Küsterhaus ist Museum des Monats
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09:58 14.10.2021
Das Küsterhaus auf dem Christenberg ist zum Museum des Monats ausgezeichnet worden: Kunst- und Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Dritte von links) überreichte die Urkunde an Wolfgang Vajen (von links), Walter Holzapfel, Antje Coburger und Bürgermeister Peter Funk.
Das Küsterhaus auf dem Christenberg ist zum Museum des Monats ausgezeichnet worden: Kunst- und Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Dritte von links) überreichte die Urkunde an Wolfgang Vajen (von links), Walter Holzapfel, Antje Coburger und Bürgermeister Peter Funk. Quelle: Ina Tannert
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Münchhausen

Es ist ein Ensemble der besonderen Art und mit langer Historie – die Martinskirche und das Küsterhaus samt Überresten des früheren Gehöfts auf dem Christenberg. Der schmucke Fachwerkbau war über Jahrhunderte das Heim der Kirchendiener und ihrer Familien, erst im Jahr 1997 verließ mit Fritz Greese der letzte Küster, der noch auf dem Berg lebte. Seine Nachfolger wohnten dort nicht mehr.

Damit das geschichtsträchtige Küsterhaus, das wohl schon Künstler Ubbelohde zu seiner Hexenhaus-Zeichnung inspirierte, nicht verkommt, baute der Förderkreis Christenberg das Haus in enger Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein zu einem Museum um. Besucher erhalten bei einer Führung nicht nur Informationen über das Amt und das Gebäude als Teil des alten Küster-Gehöfts, sondern können sich auf Spurensuche der alten Kelten und der Franken begeben. Der Christenberg ist seit der Eisenzeit besiedelt und hat alleine durch die Martinskirche und die Kesterburg eine reiche Geschichte.

Seit dem Mittelalter lebten auch die Küster auf dem Christenberg, übernahmen die Pflege und Bewirtschaftung der Anlage rund um die Kirche, die auf dem höchsten Punkt des Plateaus steht. Die Küster – vom lateinischen „custos“ abgeleitet Wächter oder Hüter – wohnten mit ihren Familien im Küsterhaus und versorgten sich selber durch die landwirtschaftliche Arbeit, ihr eigentlicher Haupterwerb. Es gab mehrere Vorgängerbauten, das letzte wurde im Jahr 1817 abgebrannt, das jetzige Fachwerkhaus danach als Ersatz errichtet, erklärt Walter Holzapfel vom Förderkreis und ebenfalls vom Geschichtsverein bei einer Führung. Gegenüber ist noch das alte Backhaus erhalten und renoviert worden, der alte Stall und eine Scheune existieren heute nicht mehr.

Seit 100 Jahren Anlaufpunkt für Wanderer

Es muss recht einsam gewesen sein so alleine auf dem Berg, seit der Reformation war die Martinskirche nicht mehr Pfarrkirche, blieb aber als Totenkapelle in Funktion und wurde hauptsächlich zu hohen Festtagen besucht. Doch im Küsterhaus wurde nicht nur gewohnt, sondern seit gut 100 Jahren auch Wanderer und Reisende bewirtet. Dafür ist heute das Waldgasthaus zuständig, das auf der anderen Seite das Ensemble ergänzt. Die frühere Gaststube im Küsterhaus ist heute Ausstellungsraum, der ganze Bau praktisch ein einziges Museum.

Und das wurde vom Land Hessen zum Museum des Monats prämiert. Aus diesem Anlass besuchte Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn den Christenberg und nahm an einer Führung teil. Und ein Besuch in dem detailreich hergerichteten Küsterhaus lohnt sich, um sich unter anderem alte Wallreste der Kelten, Gräben und Mauern der Franken oder Keramikgefäße anzusehen und mehr über die Baugeschichte der Martinskirche zu erfahren. Oder über die Kesterburg, wie der Christenberg früher genannt wurde, als militärische Befestigung im Zuge der Sachsenkriege Karls des Großen und die vorgeschichtliche Besiedlung in der jüngeren Eisenzeit durch die Kelten.

Überbleibsel originaler Funde oder Modelle und Nachbauten lassen die Geschichte in der Ausstellung lebendig werden. „Museumsperlen wie dieses Haus bereichern unsere Kulturlandschaft und sind nur möglich dank des leidenschaftlichen und unermüdlichen Einsatzes der Menschen vor Ort“, hob Dorn die ehrenamtliche Arbeit des Vereins hervor, dem sie für das anhaltende Engagement dankte. „Ohne den Förderkreis wäre das alles nicht möglich gewesen“, lobte auch Bürgermeister Peter Funk.

Die Auszeichnung „Museum des Monats“ ist mit 1000 Euro dotiert und wird seit Juni 2018 vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst verliehen. Bevorzugt werden Museen im ländlichen Raum ausgewählt. Alle ausgezeichneten Museen werden auf kunst.hessen.de vorgestellt

Von Ina Tannert

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