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Nordkreis K 3 wird Rad- und Wirtschaftsweg
Landkreis Nordkreis K 3 wird Rad- und Wirtschaftsweg
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09:07 17.11.2020
In den vergangenen drei Jahren kam es zu 44 Unfällen auf der K 3 zwischen Schönstadt und Bracht.
In den vergangenen drei Jahren kam es zu 44 Unfällen auf der K 3 zwischen Schönstadt und Bracht. Quelle: Thorsten Richter
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Schönstadt

Die Kreisstraße 3 zwischen Schönstadt und Bracht wird keine umfassende Sanierung mehr erleben.

Ohne Aussprache besiegelten die Kreistagsabgeordneten am vergangenen Freitag während ihrer Sitzung in Stadtallendorf die Umstufung beziehungsweise die Teileinziehung der Straße. Die AfD-Fraktion enthielt sich geschlossen der Stimme. Die Umstufung gilt natürlich noch nicht ab sofort, sondern wird erst wirksam, wenn die Ortsumgehung der B 252 für Lahntal, Wetter und Münchhausen komplett für den Verkehr freigegeben wurde. Derzeit geht man von einer Umstufung im Jahr 2024 aus. Ziel der Umstufung ist es, aus der sanierungsbedürftigen Straße einen Rad- und Wirtschaftsweg zu machen, der selbstverständlich auch noch von den Anliegern der Aussiedlerhöfe genutzt werden darf. Der bisherige Verkehr zwischen Schönstadt und Bracht soll dann, sofern Bracht oder Schönstadt die Ziele sind, über die B 3 und L 3077 geführt werden. Fahrzeuge, die von Frankenberg nach Marburg fahren und umgekehrt, werden dann eher die neue B 252 nutzen, die die „geheime Nebenstrecke“ dann sicher unattraktiver machen wird. So könne auf dieses Teilstück gut verzichtet werden, sagten Experten. Und es gibt da auch noch einen gewichtigen Grund: Geld. Denn Geld müsste schon reichlich in die Hand genommen werden, eher früher als später, um die Fahrbahn anständig zu sanieren. Erste Schätzungen gehen von 7,6 Millionen Euro aus. Will man noch einen Radweg dabei haben, werden schnell die zehn Millionen überschritten.

Es gab häufig Unfälle

Über die Umstufung könnte hingegen ein kombinierter Radweg direkt auf der Trasse entstehen. Für 1,5 Millionen Euro könnte da schon was Schönes gehen. Durch den Rückbau der Fahrbahn zu einem Rad- und Wirtschaftsweg kann zusätzlich eine Fläche von 6 000 Quadratmetern entsiegelt werden. Eine Zerschneidungswirkung der Landschaft durch Lastwagen und Pkw würde entfallen, Amphibien könnten ohne größere Beeinträchtigungen das Tal des Roten Wassers erreichen.

In Bracht würde die Änderung viel bewirken. Grundschule und Kindergarten liegen dann nicht mehr neben einer Durchgangsstraße, die Kreuzung der K 3 mit der L 3077 könnte zu einem Kreisverkehrsplatz oder zu einer abknickenden Vorfahrtsstraße umgebaut werden.

PS: Und so ganz ohne ist die Straße auch nicht. Wer die Straße bis 2024 noch nutzen will, sollte vorsichtig fahren. In den vergangen drei Jahren kam es dort zu 44 registrierten Unfällen mit 17 Personenschäden. Neun Mal handelte es sich um Wildunfälle.

Standpunkt: Es ist der richtige Schritt

von Götz Schaub

Es ist der richtige Schritt, die Kreisstraße 3 zwischen Schönstadt und Bracht nach Fertigstellung der B 252 Ortsumgehung aus dem Straßennetz zu nehmen. Das mögen bisherige Nutzer vielleicht anders sehen. Doch wenn neue Straßen entstehen, müssen einfach auch mal welche wegfallen. Unser Straßennetz ist verglichen mit anderen Ländern in Europa sowieso ganz schön engmaschig. Ein paar Kilometer mehr, sind jedem zuzumuten. Es ist alles eine Sache der Gewohnheit. Ein jeder mag jetzt mal kurz in sich gehen und überlegen, wie er tägliche Routen alternativ belegen kann. In vielen Fällen werden die ach so aus der Bahn schleudernden Umwege keine fünf Kilometer ausmachen. Viele werden unter zehn bleiben. Ich habe gerade den Test gemacht. Mein persönlicher Weg zum Einkaufen von Lebensmitteln kann 7,7 Kilometer lang sein oder 10,5. Für beide Strecken muss ich laut Google Maps exakt 13 Minuten Fahrzeit einplanen. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass die längere Strecke entspannter zurückzulegen ist. Ich brauche also eine Verbindung gar nicht. Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir tatsächlich zu viele Straßen im Landkreis haben. Das fällt derzeit nur dann auf, wenn die Sanierungskosten so unangenehm hoch beziffert werden, dass man froh ist, wenn man dieses Geld wahrhaftig einsparen kann. Im Jahr 2040, das Jahr, in dem der Kreis Energie-autark sein will, wird man sicher noch ganz andere Ansätze und Argumente haben.

Von Götz Schaub