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Nordkreis Anlieger haben die Nase voll
Landkreis Nordkreis Anlieger haben die Nase voll
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17:58 25.09.2020
Die Kreisstraße 3 zwischen Bracht und Schönstadt könnte in wenigen Jahren für Autos gesperrt werden. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Schönstadt

Viele verkehrsgeplagte Anwohner aus Schönstadt begrüßen das Vorhaben des Landkreises, die Kreisstraße 3 zwischen Schönstadt und Bracht in einigen Jahren zum Rad- und Wirtschaftsweg zurückzubauen – doch es gibt auch Stimmen gegen die Sperrung.

Die Pläne des Kreises stellte der Erste Kreisbeigeordnete und Verkehrsdezernent Marian Zachow am Dienstag während einer Bürgerversammlung vor und warb für das Vorhaben: Für die 3,7 Kilometer lange und enge Strecke sei eigentlich eine Sanierung nötig, die aber nur dann Sinn mache, wenn auf sechs Meter (momentan 5,10 Meter) verbreitert würde. Das verhindere aber alleine schon die Lage, „auf der einen Seite eine Böschung, auf der anderen das Rote Wasser“. Die geschätzten Kosten, inklusive Radweg, lägen bei etwa 10 Millionen Euro (die OP berichtete). Zu teuer und angesichts von einem erwarteten Verkehrsrückgang auf der Strecke in den nächsten Jahren nicht angebracht, so Zachow. Für ihn die bessere Lösung sei, die K3 in einigen Jahren, frühestens 2024 – sobald die Ortsumgehung B 252 neu fertig ist – für den motorisierten Verkehr zu sperren. Ausgenommen wären die Land- und Forstwirtschaft sowie direkte Anlieger des Bauernhofes. Es sei ihm bewusst, dass der Kreis damit den Bewohnern der Orte „eine Verkehrsverbindung wegnimmt“. Dennoch halte er den Rückbau – für geschätzt rund 1,5 Millionen Euro – für die beste Lösung.

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44 Unfälle in drei Jahren

Der Ortsbeirat Schönstadt befürwortet die Pläne, auch unter den knapp 40 Teilnehmern der Versammlung, darunter Bewohner aus Schönstadt, aber auch Bracht oder Wetter, kam von mehreren Seiten Zustimmung. Im Fokus stand gerade zu Beginn der Diskussion der Ärger um den Verkehr und die Unfallgefahr: Laut Zachow gab es auf der K 3 im Zeitraum von 2017 bis 2019 ganze 44 Verkehrsunfälle. Für eine Strecke dieser Länge „eine massive Unfallhäufung“, deren Ursache eben in der Beschaffenheit der engen Straße liege. Der Unfall-Hauptgrund sei da vor allem das Nichteinhalten des Rechtsfahrgebots.

Und eine zu hohe Geschwindigkeit, wie mehrere Anlieger der K 3 anführten, die den Besuch des Verkehrsdezernenten nutzten, um ihrem angestauten Ärger aus Jahrzehnten Luft zu machen: Vor allem der überörtliche Verkehr sorgt für Frust, „mir fahren die Lkw täglich durchs Wohnzimmer, es ist schwer zu ertragen“, so der Eindruck eines Anwohners, der seit 40 Jahren an der Straße lebt. Dabei sind dort Lkw verboten. Die kurvige Strecke sei zudem eine beliebte Motorradstrecke, „es wird gerast auf Teufel komm raus“, äußerte ein weiterer aufgebrachter Anlieger. Mehrfach wurde im Raum Erleichterung laut, künftig von Verkehr aus dieser Richtung verschont zu bleiben. Es sei „die große Chance, einen sicheren Weg zu bekommen“. Die Aussicht auf einen lange schon geforderten Radweg erhielt besonders hohe Zustimmung, auch wenn dadurch ein Verbindungsweg zwischen den beiden Orten und zwei Kommunen für Autos wegfalle, „Schönstadt und Bracht gehören zusammen“, betonte ein weiterer Sprecher.

Bewohner fühlen sich abgehängt

Den Schönstädtern mit direkter B-3-Anbindung könnte es dabei durchaus leichter fallen auf die Straße zu verzichten, als das bei Autofahrern aus dem Nachbarort der Fall ist, die einen Umweg in Kauf nehmen müssten. Schon während der Bürgerversammlung in Bracht Ende August zum selben Thema hatte ein Teilnehmer Bedenken angemeldet, dass der Ort „abgehängt“ werden könnte. Gerade mancher jüngere Besucher hatte sich für den K-3-Erhalt ausgesprochen. Auch in Schönstadt äußerten Bürger aus Bracht Kritik, „der Ort verliert dann enorm an Attraktivität“. Der Umweg über die schöne Aussicht sei zudem eine „unnötige Belastung“.

Dass sich mancher abgehängt fühle, könne er nachvollziehen, sagte Zachow auf Nachfrage. Gerade in Bracht liege die Meinung der Bewohner über die K-3-Pläne geschätzt „bei etwa 50 zu 50, je nachdem, wo man wohnt“. Noch deutlich mehr Bedenken gegen den Wegfall der K 3 dürfte es zudem bei Bewohnern in Rosenthal geben, die ihre gewohnte Strecke nach Süden über Bracht und Schönstadt verlieren würden.

Von Ina Tannert

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