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Nordkreis Vor Abstimmung kommt alles auf den Tisch
Landkreis Nordkreis Vor Abstimmung kommt alles auf den Tisch
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14:58 24.11.2020
Peter Funk (von rechts) Manfred Apell und Kai-Uwe Spanka trafen sich zusammen mit Carmen Möller, die die Machbarkeitsstudie zur vertiefenden interkommunalen Zusammenarbeit der Nordkreis-Kommunen erstellt hat, im Otto-Ubbelohde-Haus in Goßfelden, um das weitere Vorgehen zu skizzieren. Für sie ist Otto Ubbelohde ein Mensch, der sich im ganzen Nordkreis wohlfühlte. Seine künstlerischen Arbeiten für die Hausmärchen der Brüder Grimm zeugen davon. So fand er beispielsweise auf dem Christenberg und in Amönau Motive.
Peter Funk (von rechts) Manfred Apell und Kai-Uwe Spanka trafen sich zusammen mit Carmen Möller, die die Machbarkeitsstudie zur vertiefenden interkommunalen Zusammenarbeit der Nordkreis-Kommunen erstellt hat, im Otto-Ubbelohde-Haus in Goßfelden, um das weitere Vorgehen zu skizzieren. Für sie ist Otto Ubbelohde ein Mensch, der sich im ganzen Nordkreis wohlfühlte. Seine künstlerischen Arbeiten für die Hausmärchen der Brüder Grimm zeugen davon. So fand er beispielsweise auf dem Christenberg und in Amönau Motive. Quelle: Götz Schaub
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Goßfelden

Sind die Bürger aus Wetter, Münchhausen und Lahntal bereit für Neues? Konkret für eine gemeinsame Heimat in einer Kommune?

Die Gemeindevertretungen der drei genannten Kommunen haben jeweils den Beschluss gefasst, dass über diese Frage alle wahlberechtigten Bürger per Bürgerentscheid befinden sollen, weil es eben auch alle gleichermaßen betrifft und es sich schon über eine sehr weitreichende Entscheidung handelt.

Um so betrübter sind die drei Bürgermeister Manfred Apell (Lahntal), Peter Funk (Münchhausen) und Kai-Uwe Spanka (Wetter), dass das Cölber Parlament diese Entscheidung ihren Bürgern nicht erlauben will.

Wie dem auch sei, die drei Bürgermeister wollen, dass die Bürger ihrer Kommunen bis zum Entscheidungstag, der mit der Bundestagswahl im Herbst 2021 zusammenfallen soll, bestmöglich informiert sind darüber, was die Vor- und Nachteile einer Fusion sind, was die Vor- und Nachteile sind, wenn man so weitermacht wie bisher.

Jeder kann dann die Entscheidung zu treffen, welchen Weg er lieber mitgehen möchte. Dazu werde in mehreren Informationsveranstaltungen, zunächst sind ab März jeweils drei in jeder Kommune geplant, umfassend dargestellt, was die Vorteile und Nachteile einer jeden Lösung sind.

Personal würde nur bei Bürgermeistern gespart

„Dass wir überhaupt über ein solches Thema sprechen, hat natürlich einen Grund“, stellt Manfred Apell heraus. Die Bürgermeister im Nordkreis stehen schon seit vielen Jahren und das auch schon in Zeiten von Wilfried Carle in Münchhausen und Dieter Rincke in Wetter in einem engen Austausch. Sie wissen voneinander, was die Kommunen leisten können, was von ihnen verlangt wird, was sie zusätzlich bieten wollen, sollten und müssen.

Und deshalb vertreten die aktuellen Bürgermeister für sich auch alle eine Linie. Sie sind davon überzeugt, dass eine Fusion die drei Kommunen am besten für die Zukunft aufstellt. Bei den Einnahmen und Zuschüssen, bei den Ausgaben, bei der Gestaltung der Gebühren. Natürlich werde dann nur noch ein Bürgermeister vonnöten sein, aber alle weiteren Verwaltungsmitarbeiter müssten sich nicht sorgen, denn im Wesentlichen werde genau ihre komplette Manpower benötigt.

Kommunen arbeiten schon zusammen

Peter Funk weiß das nur zu gut. Wenn in Münchhausen mal eine Mitarbeiterin oder Mitarbeiter über eine längere Zeit ausfällt, muss schon jetzt Hilfe von den anderen Kommunen angefordert werden, weil verschiedenes fachliches Know-how eben nur einmal vorhanden ist. Die gestiegenen Anforderungen an die Kommunen, die Ausweitung von Pflichtaufgaben könne eben nur mit deutlich erhöhtem Personal aufgefangen werden, das sich aber die Kommunen alleine finanziell nicht leisten können.

De facto arbeiten die Kommunen schon auf vielen Gebieten zusammen, um Dinge überhaupt personell stemmen zu können und dabei auch noch den bestmöglichen Service bieten zu können. Die Digitalisierung in all ihren Facetten sei die nächste große Herausforderung. „Dazu bräuchte eigentlich jede Kommune eine eigene IT-Abteilung“, sagt Apell. Er sieht auch Vorteile in der Kinderbetreuung, in der Lahntal und Münchhausen schon zusammenarbeiten. Mit Wetter könnte man die Randzeiten nochmals stärken, möglicherweise auch ganz neue Betreuungsformen anbieten, etwa für Mitbürger, die samstags arbeiten müssen.

Verwaltungsstandorte blieben erhalten

Apell stellt heraus, dass der Nordkreis eigentlich eine historisch gewachsene Einheit darstelle, kein Kunstgebilde sei. Die Menschen, die dort leben, haben viele Verbindungen in die angrenzenden Kommunen. Und es würden immer mehr Verbindungen: die Fußballvereine haben mittlerweile Spielgemeinschaften gebildet, weil sie es auch alleine nicht mehr schaffen. Funk ist es wichtig herauszuheben, dass eine neue Kommune viele Dinge in Eigenregie entscheiden könne, weil es eine freiwillige Fusion wäre. So könnten die drei Verwaltungsstandorte erhalten bleiben und die Arbeiten vor Ort jeweils spezialisiert werden.

Kai-Uwe Spanka führt aus: „Aus der Gebietsreform von 1974, die keine freiwillige Sache war, haben wir aber gelernt, dass die Befürchtungen, dass Dörfer ihren eigenen Charakter verlieren würden, unbegründet waren. Natürlich wird in einer größeren Kommune nicht jeder Ortsteil im Parlament vertreten sein, aber wenn wir dafür die Ortsbeiräte als solche in ihrer Bedeutung aufwerten und sie mit einem bestimmten Eigenbudget ausstatten, werden die Dörfer auch in einer größeren Gemeinschaft weiterhin ihren Charakter behalten.“

Wie dem auch sei, den Bürgermeistern ist bewusst, dass es auch andere Sichtweisen gibt und deshalb sei es wichtig, dass alle Mitbürger auch eine echte Stimme erhalten und per Entscheid mitbestimmen können, wohin die Reise gehen soll. Neben den geplanten Veranstaltungen, können sich Bürger schon in Kürze über die jeweiligen Mitteilungsblätter der Kommunen und über die jeweiligen Homepages im Internet zu diesem Thema informieren, kündigen sie an.

Von Götz Schaub

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