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Nordkreis Kampf gegen die Falter-Brut
Landkreis Nordkreis Kampf gegen die Falter-Brut
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13:57 07.08.2020
Ein Bild aus dem Jahr 2019: Seinerzeit waren Bäume am Gaßmann-Stadion vom Eichenprozessionsspinner befallen. Archivfoto: Thorsten Richter
Ein Bild aus dem Jahr 2019: Seinerzeit waren Bäume am Gaßmann-Stadion vom Eichenprozessionsspinner befallen. Quelle: Thorsten Richter/Archiv
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Wetter

Der Eichenprozessionsspinner hält bereits seit dem späten Frühling viele Kommunen in Atem: Regelmäßig werden Nester der Schmetterlingsart an Eichen gefunden und sorgten entsprechend für die zeitweise Schließung bestimmter, gut besuchter Bereiche im Freien, an Kitas, Schulen oder Spielplätzen. Eben da, wo die im warm-trockenen Klima vermehrt auftretenden Falter in der Nähe ein Nest angelegt haben.

Das passierte nun auch wieder in der Stadt Wetter, wo kürzlich auf dem Spielplatz hinter dem Rewe-Markt ein Nest mit Überresten von Raupen an einer Eiche entdeckt wurde. Der Spielplatz musste sicherheitshalber zeitweise gesperrt werden. Wie Bürgermeister Kai-Uwe Spanka auf Anfrage berichtet, wurde das Nest noch am selben Tag von einer hinzugerufenen Fachfirma entfernt.

Denn die Raupen können für Menschen zur Gefahr werden. Sie sind sehr haarig und tragen ab einem gewissen Larvenstadium in Tausenden von Brennhaaren ein Nesselgift, das bei Kontakt zu Reizungen der Augen, Hautausschlägen oder teils zu Atembeschwerden führen kann. Auch nach der Verpuppung, wenn der fertige Nachtschmetterling geschlüpft ist, sollen die zurückbleibenden Haare noch nachwirken und sich weiter verteilen können.

Nester in der freien Natur bleiben unbehelligt

Für die Bäume können die Tiere ebenfalls zur Plage werden, da sie sich von den Eichenblättern ernähren, wodurch eine „Prozession“ von Larven, die gemeinsam auf Futtersuche gehen, den ganzen Baum großflächig kahlgefressen kann.

Dort, wo eben Eichen stehen, komme es immer wieder mal zu Funden von Nestern, letzten Monat etwa auf dem Spielplatz Niederwetter. Auch dort wurden Experten zur Beseitigung des Nests gerufen. An hoch frequentierten Orten sei das das Standardverfahren, sagt Spanka. Nester in der freien Natur, etwa im Wald, an Orten ohne viel Publikumsverkehr, werden dagegen in der Regel dort gelassen.

Warnung: Nester auf keinen Fall berühren

Auch andere Kommunen warnen, sich den Nestern nicht zu nähern und Vorsicht walten zu lassen, zuletzt etwa die Gemeinde Weimar. Dort wurden ebenfalls schon Nester entdeckt, eine „verstärkte Population“ vor allem in Niederwalgern gefunden, beispielsweise im Bereich am neuen Friedhof, am Sportplatz, der Tennisanlage oder des Grillplatzes.

In besonders betroffenen Bereichen brachte das Ordnungsamt bereits Warnhinweise an. Die Nester sollten „auf keinen Fall“ berührt werden, warnt auch Bürgermeister Peter Eidam in einer Mitteilung im Gemeindeblättchen. Vorsicht sei zudem bei Haustieren geboten, da etwa Schnauze und Schleimhäute eines Hundes anfällig für die herumliegenden Haare sein können. Die unmittelbaren Bereiche um befallene Bäume sollten daher gemieden werden.

Eichenprozessionsspinner

Der Eichenprozessionsspinner ist eigentlich ein unauffälliger Nachtschmetterling, dessen Bestand sich durch die wärmere und trockenere Witterung der vergangenen Jahre bundesweit ausgeweitet hat. Laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sind die Tiere wegen der sogenannten Brennhaare auch für den Menschen gefährlich. Probleme bereiten vor allem die Larven dieses Nachtfalters.

Anfang Mai schlüpfen die Raupen aus dem Ei und durchlaufen bis zu ihrer Verpuppung sechs Entwicklungsstadien. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners leben in Gruppen von 20 bis 30 Raupen und gehen gemeinsam auf Nahrungssuche – wie bei einer Prozession, daher der Name. Von April bis Juni fressen sie vor allem Eichenblätter, verursachen dadurch Lichtungs- oder Kahlfraß. Dadurch können die Bäume stark geschädigt werden.

Die Larven des Eichenprozessionsspinners schädigen nicht nur die Eichen, sondern können auch die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen: Ab dem dritten Larvenstadium (Mai, Juni) bilden sich bei dem Eichenprozessionsspinner die Brennhaare. Bis zum Erreichen des sechsten und letzten Larvenstadiums nimmt deren Anzahl und Länge mit jeder Häutung zu. Das dort enthaltene Nesselgift Thaumetopoein gefährdet die menschliche Gesundheit. Die Brennhaare können leicht in die Haut und Schleimhaut eindringen und sich dort mit kleinen Häkchen festsetzen. Bei Kontakt können Hautirritationen, Augenreizungen, Atembeschwerden und allergische Reaktionen auftreten.

Das Ministerium rät: Wer mit den Raupenhaaren in Kontakt geraten ist, sollte möglichst rasch duschen und die Haare waschen. Auch die Kleidung sollte gewechselt und gewaschen werden. Bei Hautausschlag, Atemnot oder anderen allergischen Reaktionen sollte der Arzt aufgesucht werden.

Von Ina Tannert

05.08.2020
02.08.2020