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Nordkreis Kommt „digitale Kreisstraße“ im Rosphetal?
Landkreis Nordkreis Kommt „digitale Kreisstraße“ im Rosphetal?
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16:55 17.05.2020
Mehr WLAN-Hotspots im Rosphetal: Das wollen Jan-Phillip Schröder von der Bürgerstiftung Rosphetal (links) und Andreas Ditze vom Ortsbeirat Mellnau mit einem neuen ortsübergreifenden Projekt erreichen. Quelle: Ina Tannert
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Mellnau

Freies mobiles Internet, egal wo sich das Smartphone, Tablet oder sonstiges Equipment gerade befindet, ob am äußersten Dorfrand oder fernab vom schnellen Breitband: Das wäre der Freifunk-Traum von Andreas Ditze aus Mellnau und Jan-Phillip Schröder aus Unterrosphe.

Beide stammen aus verschiedenen Wetteraner Ortsteilen, wollen diese und auch andere Dörfer digital verbinden. Und das durch ein Freifunk-Konzept für kabelunabhängiges Internet, das immer weiter wachsen könnte, je mehr Bürger mitmachen.

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Mellnau macht das bereits vor: Dort initiierte die Vereinsgemeinschaft vor knapp zwei Jahren ein Freifunk-Netzwerk, in dem mittlerweile ein Dutzend offene WLAN-Hotspots im Ort verknüpft sind, welche die Bürger zur Verfügung stellen.

Außerdem liefert zusätzlich ein Richtfunk-System auf der Burgruine die nötige Power und fungiert quasi als Schnellstraße, „es wird schnell und viel Internet an einen Punkt gebracht“, erläutert Ditze.

Offenes WLAN per Freifunk

Die Burg ist überhaupt der ideale Ausgangspunkt für den Freifunk – im Burghof steht ein Sendemast, durch die Höhe und unverbaute Sicht kann das Signal ungestört fließen und verteilt werden, und das weit über den Ort hinaus, solange keine Berge oder Gebäude stören.
Die Idee für ein ähnliches, ortsübergreifendes Projekt – quasi wie eine Erweiterung des Mellnauer WLAN-Konzepts – hat die Bürgerstiftung Rosphetal nun aufgegriffen, die sich vor kurzem gegründet hat.

Der Ansatz: Offenes WLAN per Freifunk könnte sich auch für Oberrosphe, Unterrosphe und eventuell Göttingen eignen. „Wir können das Signal von einem Ort zum anderen schicken, wie eine digitale Kreisstraße“, sagt Andreas Ditze.

Stiftung sponsert Hotspots

Oberrosphe nutzt so ein System bereits, um etwa das Bürgerhaus mit WLAN zu versorgen. Doch das neue Projekt soll weiter gehen. Die frisch gegründete Stiftung will grundsätzlich die Infrastruktur in allen vier Ortsteilen fördern – auch die digitale – und setzt nun mit dem Freifunk-Konzept eines ihrer ersten Projekte um.

Der Ansatz: Die Stiftung sucht Sponsoren und finanziert Anschaffung und Montage der Hotspots in den Dörfern. Und dafür sind die Bürger gefragt, denn bei dem Konzept gilt: Je mehr mitmachen, desto größer und stabiler wird das aus mehreren Routern bestehende Netzwerk.

Die Verbreitung im öffentlichen Raum geschieht durch sogenannte Access Points – flache kleine Plastikscheiben voller Technik in Frisbee-Größe, die an Fassaden montiert werden und sich mit dem jeweiligen privaten Internetanschluss im Haus verbinden. Handys in der Nähe können dann auf das Signal zugreifen. Das Ganze laufe flexibel ab. Ditze geht auch nicht davon aus, dass das Netzwerk Auswirkungen auf die Bandbreite hat.

Topografie bei Göttingen stört Funk

Und die Grenze des Machbaren höre bei weitem nicht an den Orts- oder Gemeindegrenzen auf, die interessieren den Funk nicht, der braucht nur „freie Sicht“. Neben Mellnau wäre das für Ober- und Unterrosphe kein Problem.

Anders liegt die Sache in Göttingen, da ein Berg dazwischen das Signal stören dürfte. Dort wäre eine weitere Relais-Station in größerer Höhe erforderlich. Ein durch viele einzelne Knoten geknüpftes WLAN-Netzwerk könne nicht nur die weißen Flecken in den Dörfern tilgen, sondern sei zugleich eine Absicherung für den regulären Internetanschluss: „Man kann Störungen, etwa durch Kabelschäden, direkt vorbeugen.“

Denkt man im größeren Stil, wäre das Konzept unendlich weit ausdehnbar, sofern genug Hotspot-Träger mitspielen würden. Ein Access Point samt Montage würde etwa 250 Euro kosten, die Finanzierung wolle die Stiftung übernehmen. „Wir wollen schließlich die Dörfer und die Region miteinander vernetzen“, sagt Schröder vom Stiftungs-Vorstand.

Auf die Hotspot-Anbieter kämen allein die Stromkosten zu, die kaum ins Gewicht fallen würden.
Kontakt zu den Initiatoren per E-Mail an freifunk@mellnau.de. Weitere Informationen über das Freifunk-System unter www.mellnau.de/das-dorf/freifunk.

Von Ina Tannert

Bürgerstiftung Rosphetal

Die Bürgerstiftung Rosphetal befindet sich derzeit in der Gründungsphase und wurde von dem Unterrospher Werner Müller initiiert. Er rechnet demnächst mit der Bestätigung, dass die neue Organisation vorerst als Unter-Stiftung unter dem Dach der Malteser stehen kann. Später soll die Stiftung eigenständig werden.

Ihr Zweck ist die Förderung und Finanzierung kleiner und großer Projekte in den Orten Oberrosphe, Mellnau, Unterrosphe und Göttingen rund um die dörfliche Infrastruktur – von sozialen Projekten, Seniorenhilfe, Jugend, Bildung bis zum Naturschutz. Mittlerweile hat sich ein Teil des Vorstands formiert, der derzeit aus Werner Müller und Jan-Phillip Schröder für Unterrosphe sowie Werner Goebeler für Göttingen besteht. Vertreter für Oberrosphe und Mellnau werden noch gesucht.

Müller entschied sich für diese Organisationsform – und keinen Verein –, um unter anderem sicherzustellen, dass Stiftungszweck und Stiftungsvermögen auch nach seinem Ableben langfristig erhalten bleiben.

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