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Nordkreis Kommt die Rettung für Schoeller?
Landkreis Nordkreis Kommt die Rettung für Schoeller?
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11:58 22.06.2020
Mittels einer beleuchteten Lupe wird in der Endkontrolle bei Schoeller Electronics Systems eine Platine untersucht. Quelle: Foto: Andreas Schmidt
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Wetter

Es gibt Hoffnung für die gut 200 Mitarbeiter von Schoeller Electronics Systems in Wetter: Seit Anfang Mai befindet sich das Unternehmen im vorläufigen Insolvenzverfahren. Mittlerweile wurde die Produktion wieder aufgenommen. „Die Auftragsbücher sind voll“, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Michael Lojowsky der OP.

Der Grund: Da Schoeller auch für die Medizingeräte-Branche Platinen fertigt und diese Branche durch die Corona-Krise und benötigte Diagnostik im Aufwind ist, profitiert Schoeller davon. „Das Unternehmen hat in diesem Sektor ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Lojowsky. Und das komme Schoeller in der jetzigen Situation zugute.

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Da der Geschäftsführer des Unternehmens aufgrund der Corona-Pandemie in Großbritannien festsaß, wurde Lojowsky vom Gericht mit sämtlichen Verwaltungs- und Verfügungsbefugnissen ausgestattet, „was im vorläufigen Insolvenzverfahren sonst nicht der Fall ist“, sagt er. Doch sei es darum gegangen, das Unternehmen wieder handlungsfähig zu machen. Denn: Der US-Finanzinvestor, der das Unternehmen 2016 nach der damaligen Insolvenz gekauft habe, habe den Geschäftsführer zwar eingesetzt. „Der kennt sich mit dem Geschäftsfeld Leiterplattentechnik aber operativ und strategisch nicht sonderlich gut aus“, konstatiert Lojowsky. „Um das Unternehmen wirklich operativ zu steuern muss man ganz dicht dran sein“, sagt er – und das sei der Geschäftsführer nicht gewesen.

Mittlerweile sei ein Interims-Geschäftsführer bestellt worden, „der das Unternehmen nun wunderbar steuert. Und er wird so lange an Bord bleiben, bis wir einen strategischen Investor gefunden haben, den wir gerade suchen“, erläutert der vorläufige Insolvenzverwalter. „Wir brauchen hier keine Heuschrecke“, sagt er, „sondern einen Strategen, der in der Lage ist, das Geschäft fortzuführen. Denn es gibt auch Investitionsbedarf.“

Ziel sei es, mit der Eröffnung des Regelinsolvenzverfahrens einen Käufer zu präsentieren, „wir sind schon in vielversprechenden Gesprächen. Auch die Mitarbeiter ziehen mit und geben alles, die Lieferanten ziehen mit – der Geschäftsbetrieb läuft“.

Jedoch laufe die Produktion noch nicht so rund, wie sie es aufgrund der Auftragslage könne. Denn so seien beispielsweise bei einem wesentlichen Lieferanten zwischenzeitlich Bestellungen eingefroren worden, weil Schoeller nicht habe bezahlen können. Zwar sei das monetäre Problem aus der Welt geschafft – „der Lieferant hat aber Vorlaufzeiten von mehreren Wochen“.

Gleichwohl hätten die Kunden viel Kompromissbereitschaft signalisiert, „einige haben gesagt, sie kaufen das Material selbst – Hauptsache, Schoeller kann es produzieren“, so Michael Lojowsky. Andere seien in Vorkasse getreten, hätten Materialbestellungen gemacht oder angeboten, das Factoring zu übernehmen – „sie haben sich extrem weit aus dem Fenster gelehnt. Das unterstützt uns enorm“.

Alle seien derzeit „mit Hochdruck daran, das Unternehmen zu erhalten. Wenn das nicht gelingt, wäre es sehr bedauerlich – aber wir gehen alle positiv davon aus, dass wir einen Investor finden. Denn Schoeller bietet der Industrie auch die Möglichkeit, sich von der chinesischen Abhängigkeit zu lösen. Man darf eine solche Schlüsselindustrie nicht aus den Händen geben.“

Von Andreas Schmidt

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