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Nordkreis „Die Moore haben richtig Stress“
Landkreis Nordkreis „Die Moore haben richtig Stress“
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20:00 04.08.2019
Forstamtsleiter Eberhard Leicht, Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser (Mitte) und Dr. Anne Archinal von der AG „Rettet den Burgwald“ besuchten während der Burgwald-Tour unter anderem das von Trockenheit bedrohte Moor auf den „Franzosenwiesen“. Quelle: Ina Tannert
Münchhausen

Die einst breit verstreuten Moore des Burgwaldes schrumpfen seit Jahrzehnten durch Entwässerung und Wiesennutzung sowie durch Aufforstung. Um die wenigen verbleibenden Moor-Flächen zu erhalten, wird seit Jahren im Forstamt Burgwald an deren Revitalisierung gearbeitet. Das hessische Umweltministerium förderte die Burgwaldmoore im vergangenen Jahr mit rund 140.000 Euro.

Von dem Ergebnis verschiedener Projekte zur Moorrenaturierung zeigte sich am Donnerstag Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser vom Umweltministerium zufrieden, die im Rahmen ihrer Sommertour den Burgwald mit der bundesweit seltenen Moorlandschaft besuchte. Gerade beim Umweltschutz sei diese jedoch ein echter Klimaretter – Moore sind nicht nur natürliche Wasserspeicher, sondern binden auch schädliches Kohlendioxid: „Moore sind Lebensraum vieler seltener Tier- und Pflanzenarten. Gleichzeitig sind sie die effektivsten CO2-Speicher auf der Erde und erfüllen somit ­eine wichtige Funktion für den Klimaschutz“, sagt Tappeser.

Um weiterer Austrocknung der Moore entgegenzuwirken, wurden in den vergangenen Jahren im Burgwald mehrere ­Entwässerungsgräben geschlossen, an verschiedenen Stellen Nadelhölzer als Wasserkonkurrenten entfernt und mehr Raum für Moore geschaffen. Das für Moore typische Wollgras, Sonnentau oder die Moosbeere ­kamen nach der Umgestaltung zurück. Die Schutzmaßnahmen kämen ebenso der Tierwelt zugute, alleine mehr als 40 verschiedene Libellenarten fühlten sich wohl im Burgwald, „die Moore sind in vielerlei Hinsicht wichtige Pfeiler für den Naturschutz“, sagt Forstamtsleiter Eberhard Leicht.

Moore von anhaltender Trockenheit bedroht

So etwa auf der sogenannten Franzosenwiese, die von Staatsministerin, Vertretern des Forstamts wie der Aktionsgemeinschaft „Rettet den Burgwald“ besucht wurde. Wie es um eines der größten Moore bestellt ist, zeigte sich vor Ort. Zwischen Gräsern und Torfmoosen herrscht völlige Trockenheit. „So etwas habe ich noch nie erlebt, normalerweise kann man dort nicht rein gehen – die Moore haben richtig Stress“, so das Resümee von Dr. Anne Archinal, Vorsitzende der AG, die sich seit 30 Jahren für den Schutz und den Erhalt des Wasserhaushalts im Burgwald einsetzt.

Sie bemängelt ein „Wasser-Defizit“ im Wald, ausgelöst durch fehlende nasse Jahre seit 2003, nach Meinung der AG aber auch durch die wirtschaftliche Wasserförderung im Burgwald. Gerade die vom Grundwasser gespeisten Moore seien davon bedroht.

Menge an Torfmoos steigt im Burgwald

Als Moor wird ein Feuchtgebiet bezeichnet, das eine mindestens 30 Zentimeter dicke Torfschicht aufgebaut hat. Daneben gibt es jene Flecken, die auf einem guten Weg sind, quasi ein offizielles Moor zu werden.

Und trotz aller Hiobsbotschaften – diese Stellen wachsen im Burgwald. Wo andernorts Moore weiter sterben, steigt die Menge an Torfmoos. „Das ist etwas Besonderes bei uns, denn an vielen anderen Stellen sind die Moore rückläufig“, sagt Leicht. Grund für die Ausdehnung der seltenen Strömungsmoore sei die im Vergleich zu anderen Regionen immer noch funktionierende Wasserversorgung vor Ort. Doch ausreichend sei die nicht: „Der Wasserhaushalt ist generell schlecht und wir müssen noch größere Anstrengungen unternehmen, um das Wasserregime zu verbessern“, macht Leicht deutlich.

Nadelbäume wurden entfernt

Im Kampf um die Ressource Wasser im Wald stelle ein Teil des Baumbestands die größte Konkurrenz für die Moore dar – vor allem geschlossene Nadelwälder.
Denn gerade in diesen verschlechtert sich die Wasserversorgung spürbar. Vor allem Fichten verbrauchen und verdunsten besonders viel Wasser, auch die Birke sei ein „Wassersäufer“. Dies wirkte sich unter anderem im Tal am Lippersbach auf das dortige Quellmoor aus. Im vergangenen Jahr wurde der Bereich durch die Landesförderung gelichtet, die Nadelbäume entfernt. Mit Erfolg, das Moor konnte sich erholen und wachsen, berichtet Leicht.

Noch bis zu 20 weitere, ähnliche Bereiche gebe es im Burgwald, wo weitere, gewinnbringende Moor-Pflege möglich sei. Dafür reichten die Mittel derzeit jedoch bei Weitem nicht aus.
In 2019 soll die Revitalisierung der Moore zum Teil weitergehen, 30.000 Euro sollen in zwei laufende Projekte investiert werden: An zwei weiteren Talstellen im Wald sollen ebenfalls Nadelbäume weichen, um Raum für künftige Moore zu schaffen.

„Was wir noch an Mooren ­haben, muss unbedingt erhalten bleiben und weiter wachsen“, betont Leicht.

von Ina Tannert