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Nordkreis Immer wohlgelaunt zur Arbeit gekommen
Landkreis Nordkreis Immer wohlgelaunt zur Arbeit gekommen
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17:31 26.10.2020
Der Wasserspielplatz ist fertig und wurde finanziell auch noch von der Sparkasse mit 400 und von der VR Bank mit 500 Euro unterstützt. 10 000 Euro brachte der Förderverein auf. Quelle: Götz Schaub
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Cölbe

Nach vier Jahren Arbeit in Wetter fand Erika Völker 1978 Anstellung in der Gemeinde Cölbe als Erzieherin. Seither sind 42 Jahre vergangen und es nähert sich der Abschied in den Ruhestand. Für Erika Völker eigentlich noch gar nicht zu fassen. Denn wenn jemand jeden Tag wohlgelaunt und mit positiven Gedanken an seinen Arbeitsplatz kommt, dann sie. „Ja, ich habe diese Arbeit immer gerne gemacht“, sagt sie. Wobei sie da nicht nur auf die eigentliche Arbeit als Erzieherin in einem Kindergarten Bezug nimmt, sondern auch auf ihre Arbeit als langjährige Leiterin des Kindergartens „Löwenzahn“ in Cölbe und dann auch der Kita „Lummerland“ in Bür­geln in Personalunion. Zweimal legte sie auch Baby-Pausen ein, die länger als heute üblich ausfielen, weil es ja noch keine Krippen gab.

Das finale Jahr für Erika Völker hat sich gänzlich anders entwickelt als gedacht. Immerhin wurde der Kindergarten Cölbe in diesem Jahr als Institution 50 Jahre alt. Das sollte groß gefeiert werden, doch Corona machte alles zunichte.

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Generell erlebte Völker viele liebgewordene Termine und Veranstaltungen unwissentlich bereits im vergangenen Jahr zum letzten Mal in der Verantwortung als Kita-Leiterin, weil Corona es in diesem Jahr nicht zuließ. Jetzt aktuell im Herbst gibt es wieder Absagen zu verzeichnen, wie etwa die des traditionellen Laternenfests.

Früh in diesem Jahr reifte in Völker der Gedanke, dass sie noch eine Sache „zu Ende“ führen möchte, weil es sonst möglicherweise nie mehr geschieht und in Vergessenheit geraten könnte. Die Sache war keine leichte im wahrsten Sinne des Wortes und sie war auch ganz gut kostenintensiv, eben nichts, was die Gemeinde Cölbe mal so aus dem Sparstrumpf bezahlen könnte. Als der Kindergarten von der Hebert- in die Breslauer Straße umzog, wurde im neuen Außenbereich etwas in der Erde versenkt – Wasseranschlüsse für einen Wasserspielplatz. Der wurde tatsächlich noch Wirklichkeit.

Eltern packten mit an

Dazu bedurfte es der Muskelkraft freiwilliger Kindergarten-Eltern – und Geld. Fast unglaubliche 10 000 Euro kamen über den Förderverein zusammen, die Gemeinde schoss 30 000 Euro dazu. Mareike Hesse, zweite Vorsitzende des Fördervereins, sagte, dass das Geld schließlich mehreren Generationen an Kindern zu Gute komme und sich diese hohe Investition deshalb ­lohne.

Und jetzt ist die Anlage fertig, aber noch nicht eingeweiht. Das wird wohl erst im nächsten Jahr geschehen, wenn es wieder wärmer ist. Was die Eltern in Eigenleistung erbracht haben, sieht man nur noch zum Teil, aber das Ausheben des Fundaments soll aufgrund der Beschaffenheit der Erde eine sehr schweißtreibende Arbeit gewesen sein.

Erika Völker hat eine lange Zeit das Leben in der Kita gestaltet und geprägt. „Früher mehr als heute“, sagt sie. Denn früher haben Eltern die Erzieherinnen mal machen lassen. Und obwohl heute pädagogische Konzepte nach modernsten Erkenntnissen entwickelt und umgesetzt werden, bringen sich Eltern über ihre Mitarbeit, etwa als Beiratsmitglied, viel mehr ein und verlangen auch gehört zu werden.

1995 hat Völker die Leitung des Gemeinde-Kindergartens in Cölbe übernommen, der in der Hebertstraße 52 Kindern Platz bot. 2007 übernahm sie dann noch den Standort Bür­geln. Und dabei blieb es, auch als der neue Kindergarten in der Breslauer Straße auf 128 Kinder mit Krippenplätzen erweitert wurde. „Das mit den Krippenplätzen war schon eine Umstellung, aber wir haben auch diese bewältigt“, sagt Völker.

Mit der Zeit machte sie sich auch weniger Gedanken um die einzelnen Kinder, denn gut 70 Prozent der Kinder kamen von Eltern, von denen sie mindestens einen Teil selbst im Kindergarten hatte. „Ich sah ja so, dass aus allen etwas geworden war“, schmunzelt sie. Und so ist sie sich sicher, dass auch aus den jetzigen Kindern etwas wird, auch wenn sie verschiedene Verhaltensweisen tatsächlich noch an die jetzigen Eltern als Kindergartenkinder erinnert. „Das ist wirklich sehr interessant“, lacht sie. Dann löst sie noch ein kleines Rätsel auf.

Warum sie wohl immer wieder mit dem Auto zum Kindergarten gefahren ist, obwohl sie es gar nicht so weit hat? Jemanden im Auto anhalten, ist eben nicht so leicht. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist man vielen Zufällen ausgeliefert. „Ich bin mir sicher, dass ich dann oftmals nicht pünktlich hätte da sein können, weil ich auf der kurzen Strecke in viele Gespräche verwickelt worden wäre“, sagt sie auch mit einem ­Augenzwinkern.

Der „Cut“ zwischen Berufsleben und Ruhestand wird sicher hart, aber nicht zu hart. Zum einen hat sie sich schon etwas für sich überlegt, zum anderen möchte Cölbes Bürgermeister Dr. Jens Ried gerne noch auf ihren Erfahrungsschatz bauen und auch das im wahrsten Sinne des Wortes. Sie soll sich mit in die Ausgestaltung des Kita-Neubaus in Schönstadt einbringen, damit dieser so funktional wie nur möglich wird. Auf diese Aufgabe freut sich Erika Völker schon sehr.

Von Götz Schaub

25.10.2020
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