Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Nordkreis "Müssen zeigen, dass wir uns kümmern"
Landkreis Nordkreis "Müssen zeigen, dass wir uns kümmern"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 13.11.2019
Im Kreis ist Kirsten Fründt Landrätin für alle, in Hessen ist sie für die SPD aktiv. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

OP: Seit Sonntag dürfen Sie als „Wiederholungstäterin” angesehen werden. Nachdem Sie im Vorfeld der jüngsten Hessenwahl in das Schattenkabinett von Thorsten Schäfer-Gümbel berufen worden sind, sind Sie nun beim Landesparteitag zur stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt worden. Warum suchen, beziehungsweise übernehmen Sie eine politische Herausforderung jenseits der Kreisgrenzen?

Kirsten Fründt: Ich war immer gerne bereit, Verantwortung zu übernehmen. Aber es war schon so, dass die Aufgaben in Thorsten Schäfer-Gümbels Regierungsteam oder jetzt als stellvertretende Landesvorsitzende eher mich gefunden haben. Was aber vor allem damit zusammenhängt, dass hessenweit wahrgenommen wird, dass wir hier im Landkreis Marburg-Biedenkopf mit mir an der Spitze viele Aufgaben und Politikfelder beispielhaft bearbeiten und gestalten.

Und sicher hat auch mein sehr gutes Wahlergebnis Anfang September für Aufmerksamkeit gesorgt. Vor allem geht es aber darum, die kommunale Perspektive in Wiesbaden, in der hessischen SPD und in der Landespolitik, stärker zum Ausdruck zu bringen.

Und auch für Mittelhessen, das manchmal ein Wahrnehmungsproblem zwischen Nordhessen und dem Rhein-Main-Gebiet hat, eine höhere Präsenz in der Landeshauptstadt zu sorgen. Als Landesvorsitzende der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik in Hessen erlebe ich außerdem, dass Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten mit einer engagierten und klugen Umsetzung unserer Themen in den Kommunen sehr erfolgreich sind.

OP: Wie viel Arbeit kommt auf Sie als stellvertretende Vorsitzende der Landes-SPD zu?

Fründt: Auch in den letzten zwei Jahren gehörte ich ja schon dem Landesvorstand als Beisitzerin an. Aber es wird auf jeden Fall mehr Arbeit werden. Der neue Landesvorstand muss sich nun zunächst erst einmal sortieren, schauen, wer welche Aufgaben wahrnimmt etc. Ich bin seit sechs Jahren Landrätin in Marburg-Biedenkopf und habe unseren Landkreis auf Grundlage solider Finanzen zukunftsorientiert ausgerichtet.

So traue ich mir durchaus zu, die sehr verantwortungsvolle Tätigkeit als Landrätin, die selbstverständlich immer der Schwerpunkt meiner Arbeit sein wird, mit der Aufgabe im Landesvorstand verbinden zu können. Es wird also zusätzliche Arbeit auf mich zukommen, doch bin ich überzeugt davon, diese­ im Sinne meines Landkreises in mein Pensum integrieren zu können. Wäre das nicht der Fall, stünde ich auch nicht zur Verfügung.

Zudem gibt es eine Vielzahl von landespolitisch relevanten Themen, die letztlich für die Kommunen nachhaltige Konsequenzen haben. Schließlich wird der Landkreis davon profitieren, wenn die Interessen der Kommunen und gerade des Landkreises Marburg-Biedenkopf eine Stimme im Landesvorstand der SPD haben.

Da ich aufgrund etlicher anderer Aufgaben sowieso regelmäßig in Wiesbaden bin, lässt sich ein verträgliches Terminmanagement sicher auch in Zukunft organisieren. Darüber hinaus helfen Telefon- und Video-Konferenzen bei der inhaltlichen und organisatorischen Abstimmung und leisten darüber hinaus einen Beitrag zum Klimaschutz. Sicher ist aber: Meine Arbeit als Landrätin wird unter der Wahrnehmung dieses Amtes nicht leiden.

OP: Wie soll Ihnen der Spagat gelingen, auf Landesebene als Opposition die CDU zu kritisieren, während Sie auf Kreisebene nach eigenem Bekunden sehr gut mit der CDU in einer Koalition zusammenarbeiten?

Fründt: Das ist nur scheinbar ein Widerspruch. Auch in den letzten Jahren habe ich mich sehr eindeutig positioniert und gegenüber dem Land klare Kante gezeigt, wenn dies im Interesse des Landkreises Marburg-Biedenkopf war. Zum Beispiel bei den Themen Kommunaler Finanzausgleich und finanzielle Ausstattung der Kommunen, der Frage, ob die Landkreise oder die Regierungspräsidien im Katastrophenfall den Katastrophenalarm auslösen oder wenn es darum geht, die Finanzaufsicht über die Kreiskommunen auf die Ebene des Landes bzw. die Regierungspräsidien zu heben.

In Wiesbaden geht man in der Regel souverän mit meiner Rolle um. Jedenfalls bemerke ich bisher nicht, dass der Landkreis vom Land benachteiligt wird. Meine Wahrnehmung ist eher so, dass man mich und uns dort sehr ernst nimmt. Davon profitiert der Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Der Fraktion der CDU Marburg-Biedenkopf im Kreistag gehören viele Kommunalpolitiker*innen an. Auch bei denen steht das Wohlergehen der Gemeinde, der Nutzen für die Menschen in den Städten und Gemeinden des Landkreises, immer im Vordergrund. Die Grünen sind da oft eher an der Seite der Landesregierung.

OP: Mit welchen Themen wollen Sie der Hessen-SPD zu neuer Stärke verhelfen?

Fründt: Ich bin davon überzeugt, dass die Erneuerung der SPD aus den Kommunen kommen muss, da dort engagierte,­ gut verwurzelte und überzeugende Persönlichkeiten zeigen­ können, dass es eben doch ­einen Unterschied macht, ob die Hauptamtlichen vor Ort der SPD angehören oder der politischen Konkurrenz. Gegenüber der AfD gilt es ebenfalls, deutlich klare Kante zu zeigen. Denn die AfD befindet sich auf einem für Deutschland sehr gefährlichen Weg.

Dies gelingt uns am besten, wenn wir vor Ort, in der unmittelbaren Lebensumgebung der Menschen, zeigen, dass wir uns tatsächlich um die Probleme kümmern, die für die Menschen in den Kommunen relevant sind: Kinderbetreuung, Infrastruktur, Wohnungsbau und Klimaschutz. Demokratieentwicklung und Integration sowie Gestaltung des Strukturwandels, von dem Teile der heimischen Wirtschaft aufgrund der Veränderungen in der Automobilbranche stark betroffen sind. 

Wenn wir als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten unser Profil weiter schärfen und für eine zukunftsorientierte und gleichzeitig soziale Programmatik stehen, dann werden wir auch auf Landesebene die Erfolge erzielen, für die die Kommunalpolitik unserer Partei in Hessen bis heute steht.

von Götz Schaub