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Nordkreis Verrußte Kirche in Caldern bleibt geschlossen
Landkreis Nordkreis Verrußte Kirche in Caldern bleibt geschlossen
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10:00 02.08.2022
Vandalismus in der Kirche in Caldern am 23.6.22. Auf der Kanzel liegt am Tag danach eine abgebrannte Bibel.
Vandalismus in der Kirche in Caldern am 23.6.22. Auf der Kanzel liegt am Tag danach eine abgebrannte Bibel. Quelle: Thorsten Richter
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Caldern

Das Feuer, das Minderjährige Ende Juni mutwillig in der Nikolaikirche in Caldern gelegt haben, hat in dem historischen Bau deutlich massivere Schäden verursacht als anfangs gedacht. Die offene Radwegekirche muss weiter geschlossen bleiben. Wahrscheinlich das ganze Jahr über. Der Schaden ist einfach zu groß. „Das tut schon weh, wir reden hier leider von Monaten“, sagt Pfarrer Ralf Ruckert. Untersuchungen der Versicherung haben gezeigt, dass das Kircheninnere „von Kopf bis Fuß“ geprüft und intensiv gereinigt werden muss.

Rückblick: Am 23. Juni hatten zwei Minderjährige an mehreren Stellen in der Kirche Feuer gelegt. Betroffen war insbesondere das Kanzelpult und die Polsterung der Kanzelbrüstung, auch eine Bibel wurde angezündet. Durch das Feuer entwickelte sich viel Rauch, was wohl auch dazu führte, dass die Täter nicht noch weitere Einrichtungsgegenstände ansteckten. Schon an dem Samstag vor der Tat gab es einen Versuch, mit Desinfektionsmitteln ein Feuer bei den Teelichthaltern der Kirche zu entfachen. Ein größerer Schaden entstand da noch nicht, dafür bei der zweiten Tat.

Das Ganze ist einige Wochen her, nun fragen sich die Menschen, weshalb die Kirche noch immer nicht benutzt werden kann. Die Nachfragen kann Ruckert auch verstehen, möchte aber mit einigen falschen Annahmen aufräumen.

Die Auswirkungen des Brandes seien deutlich größer, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Das liegt vor allem am Rauch und dem durch das verbrannte Material entstandenen Ruß, der sich überall in der Kirche verteilt hat, „der rußig-klebrige Staub ist in jede Ritze rein gezogen, die Sachen sehen überwiegend aus wie vorher, aber wenn man darüber wischt, hat man schwarze Finger“, sagt Ruckert. Der Gutachter der Versicherung habe das Kircheninnere in Augenschein genommen, fand überall und selbst noch hinter der Orgel rußigen Staub, „der Rauch ist viel gefährlicher als das eigentliche Feuer“.

Den Ruß an allen Stellen zu entfernen, ohne dabei die historische Kirche zu beschädigen, sei immens aufwendig und nur in Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachleuten machbar. Vom Schreiner, Gerüstbauer und Restauratoren bis zum Orgel-Spezialisten, denn auch die Orgelpfeifen sind betroffen. Ebenso wie die Heizungsanlage, das 800 Jahre alte Kruzifix oder die Wand aus dem Jahr 1702, die professionell gereinigt werden müsse. Hinzu kommen viele Kunstglasfenster, „die kann ich auch nicht einfach so abwischen“, zählt der Pfarrer auf.

Um die einzelnen Arbeiten von bis zu 15 Gewerken zu koordinieren, sei laut Versicherung ein Architekt notwendig, außerdem ist die Denkmalpflege involviert. Das kostet Planung, Zeit und Geld, der Kirchenvorstand geht von einem Schaden im oberen fünfstelligen bis sechsstelligen Bereich aus.

Polizei schließt Ermittlungen ab

Die minderjährigen Täter konnten nach der Tat im Juni schnell gefunden werden, da sie von einer Kamera gefilmt wurden. Die hängt seit drei Jahren im Eingangsbereich der Kirche, nachdem es dort schon einmal einen Fall von Vandalismus gab.

Die Polizei nahm die Ermittlungen auf und führte bei den Kindern eine sogenannte Gefährderansprache durch, zeigte ihnen die Konsequenzen ihres Handelns auf. Wie Martin Ahlich, Sprecher der Polizei Marburg, mitteilt, sind die Ermittlungen inzwischen abgeschlossen, der Fall ist an die Staatsanwaltschaft übergeben worden.

Die Kirche muss also weiterhin geschlossen bleiben. Taufen und Gottesdienste finden derzeit im Außenbereich oder an anderen Orten statt. Für größere Veranstaltungen gebe es allerdings kaum Schlechtwetteralternativen. Daher wurde nun auch die Veranstaltung „Kultur im Paradies“ bis auf Weiteres verschoben. Und selbst für die Weihnachtszeit sei nicht klar, ob die Kirche dann wieder genutzt werden kann. „Ich bin für dieses Jahr skeptisch, wie es nächstes Jahr aussieht, wird sich zeigen“, lautet Ruckerts bedauerliches Fazit.

Von Ina Tannert