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00:19 18.02.2019
Dem Kilimandscharo-Gipfel entgegen: Am Mittwoch waren die vier Männer aus Deutschland (Zweiter von links: Peter Walburg, Zweiter von rechts: Dirk Völker) am Zebrafelsen angelangt. Foto: Privat
Dem Kilimandscharo-Gipfel entgegen: Am Mittwoch waren die vier Männer aus Deutschland (Zweiter von links: Peter Walburg, Zweiter von rechts: Dirk Völker) am Zebrafelsen angelangt.  Quelle: Privatfoto
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Cölbe / Kilimandscharo

Durch Wandern, Fußball, Joggen und Bergtouren auf verschiedenen Dreitausendern fühlt sich Dirk Völker gewappnet. „Die Grundfitness stimmt schon mal, der Rest ist eine Frage des passenden Tempos und der Motivation“, sagt der 50-Jährige einige Wochen vor seinem Kilimandscharo-Aufstieg. Inzwischen hat er es fast geschaffft. Gemeinsam mit seinem Kollegen Peter Walburg und weiteren Expeditionsteilnehmern kommt er dem Gipfel näher. Heute wollen die Spenden-Wanderer oben angekommen sein.

Begleitet werden die vier Männer aus Deutschland von einem erfahrenen Guide, mehreren Trägern und einem Koch. Neben Walburg und Völker sind deren Freunde Johannes Kippenberger aus Frankfurt und Erik Hilse aus Dresden mit dabei. Die OP hat vor der Reise mit Walburg und Völker gesprochen.

„Andere haben es auch schon hingekriegt“, sagt Peter Walburg und schmunzelt. Für ihn ist es eine besondere Herausforderung. „Ich hatte mir viele Kilos angefuttert“, berichtet der 61-Jährige, der mit Hilfe eines Magenballons und durch Sport 25 Kilo abgenommen hat. Die Bergtour nimmt er nun auch als persönliche Herausforderung. „Es ist aber nichts neues für uns, etwas Extremeres auszuprobieren. Das haben wir schon beim Tauchen gemacht. Und früher haben Dirk und ich beide Leistungssport getrieben“, sagt Walburg. Er Basketball, sein Kollege Handball.

Verein will Küche und Trinkwasseranlage bauen

Nun ruft der höchste Berg Afrikas. Los ging es auf 1 800 Metern Höhe, am Mangura Gate. Für je gut 4 000 Meter Auf- und Abstieg waren sechs Tage kalkuliert. Wie es inzwischen ausschaut, sollten die Wanderer ihren Zeitplan halten können. Wenn alles gut geht.

Am Kilimandscharo tummeln sich viele Touristen, je nach Quellenangabe sind es zwischen 20 000 und 60 000 im Jahr. Laut einem Bericht von „Spiegel online“ aus dem Jahr 2006 kommen dabei jährlich „nach inoffiziellen Schätzungen“ 10 bis 40 Menschen ums Leben. „Viele müssen umkehren, denn die gefürchtete Höhenkrankheit macht das Abenteuer oft zur Qual – manchmal auch mit tragischem Ausgang. Wie viele Touristen am Berg sterben, darüber schweigen die tansanischen Behörden, denn der Kilimandscharo ist zum Hauptdevisenbringer für das afrikanische Land geworden“, heißt es in dem Artikel.

Aufmerksamkeit durch Spendenaktion

„Ja, wir hätten auch einfach selbst Geld für die Schule spenden können. Und ja, wahrscheinlich hätten wir mit ein paar anderen Leuten gemeinsam auch genug zusammenbekommen“, sagt Peter Walburg, dem es vor allem um Aufmerksamkeit für die Spendenaktion geht. Durch den Kilimandscharo-Aufstieg ist eine gewisse Öffentlichkeit garantiert, „und so können wir mit den Leuten ins Gespräch kommen, über die Arbeit in Tansania reden“, hofft der 61-Jährige, der in Königstein im Taunus zu Hause ist. Seit rund zehn Jahren leitet er gemeinsam mit Dirk Völker, der in Elz bei Limburg lebt, das Cölber Unternehmen GreenVesting. Die Firma finanziert unter anderem Energieprojekte und betreibt Photovoltaikanlagen für Investoren.

Gemeinsam unterstützen die beiden Familienväter den gemeinnützigen Verein Voice of Kilimanjaro-Kids (VoKK) und werben über ihre Firma für die Hilfsorganisation. VoKK hat seinen Sitz in Neu-Anspach und unterstützt unter anderem die Grundschule in Marangu am Fuße des Kilimandscharo. Damit für die 450 Kinder und die Anwohner ringsum eine Trinkwasserversorgung aufgebaut werden kann, benötigt der Verein Spenden. Rund 44 000 Euro, um genau zu sein. Diese Summe veranschlagt der Verein, um mit Helfern vor Ort eine Trinkwasseraufbereitungs- und Trinkwassersammelanlage aufzubauen.

Sammlung geht weiter

Zudem soll die Schule eine moderne Küche erhalten, damit eine hygienische Mittagsversorgung für die Kinder sichergestellt werden kann. Bislang gibt es nur eine offene Feuerstelle. Und den Kindern steht lediglich das Wasser zur Verfügung, dass sie selbst über Kilometer den Berg ­hinaufschleppen. So gebe es viele krankheitsbedingte Ausfälle beim Unterricht.

„Wir leben doch gemeinsam in dieser Welt“, findet Peter Walburg. „Da muss man auch einmal schauen, was in anderen Ländern los ist und wie man helfen kann, die Lebensbedingungen zu verbessern, vor allem, wenn es um Bildung geht.“ Wie auch alle weiteren Expeditionsteilnehmer trägt er die Reisekosten selbst und garantiert, dass die Spenden direkt an die Hilfsorganisation gehen. Nach bisherigem Stand der Sammlung sind es schon fast 10.000 Euro. Das noch fehlende Geld wollen die GreenVesting-Geschäftsführer durch weitere Aktionen zusammenbekommen.

Die Sponsorensuche für den Spendenlauf unter dem Titel „We go Kilimanjaro“ ist im Internet weiterhin in vollem Gange. Auf der Homepage von GreenVesting können Spendenwillige schauen, wie ihr Beitrag aussehen könnte und sich verpflichten. Ein Spendenstrahl zeigt an, dass man mit beispielsweise sieben Cent pro vier Höhenmeter am Ende auf eine Spendensumme von rund 70 Euro kommt.

Weitere Infos zu dem Projekt gibt es hier.

von Carina Becker-Werner