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Nordkreis Katastrophenalarm in Wetter
Landkreis Nordkreis Katastrophenalarm in Wetter
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15:54 30.09.2021
Die angehenden Notfallsanitäterinnen und -sanitäter wirkten überaus fokussiert und wussten genau, was zu tun ist.
Die angehenden Notfallsanitäterinnen und -sanitäter wirkten überaus fokussiert und wussten genau, was zu tun ist. Quelle: Volker Kubisch
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Wetter

Ihre Ausbildung wird im nächsten Januar abgeschlossen sein, doch zuvor mussten sich nun die angehenden Rettungssanitäter und -sanitäterinnen in der Praxis beweisen.

Und die gestellten Aufgaben waren durchaus anspruchsvoll: Es ging nicht mal eben um einen gebrochenen Arm oder ein Schleudertrauma – vielmehr hatten sich die Verantwortlichen um Übungsleiter Dirk Schrey vom Deutschen Roten Kreuz Mittelhessen zwei echte Schreckensszenarien ausgedacht. Szenario eins: Auf der Alten Kreisstraße zwischen Wetter und Goßfelden, verteilt über gut zweihundert Meter, fanden sich am Fahrbahnrand zwei völlig demolierte Pkw, ein schwerer Lkw und mehrere schwerverletzte Personen, dargestellt von freiwilligen Helferinnen und Helfern, denen realistisch wirkende Verletzungen aufgeschminkt worden waren.

Diese „Schwerverletzten“ waren teilweise in den Fahrzeugen eingeklemmt, teilweise nicht ansprechbar und im Schockzustand umher irrend oder mit offenen Wunden im Straßengraben liegend. Über dieser Szenerie hallten Schmerzensschreie und Hilferufe.

Das alarmierte Rettungsteam, das zuerst am gestellten Unfallort eintraf und keine Ahnung hatte, was es dort erwartete, musste in diesem Chaos Ruhe bewahren und sich zuerst einen Überblick verschaffen über Anzahl der Verletzten sowie Art und Schwere der Verletzungen.

Etwas knifflig war es dabei, dass sich einige an dem Unfall Beteiligte und nun schwer verletzte Spaziergänger und ein auf dem Dach liegendes Fahrzeug hinter einer langgezogenen Kurve befanden, also nicht auf den ersten Blick zu sehen war. Zusätzlicher Schreckmoment: Im Straßengraben lag ein leerer Kinderwagen auf der Seite. Doch die Situation wurde schnell und professionell analysiert und Feuerwehr sowie weitere RTW angefordert.

Auszubildende erhalten professionelle Unterstützung

Unter den kritischen Augen der Ausbilder konnten die Azubis nun all ihr Know-how und Können zeigen, das sie sich im Verlauf ihrer Ausbildung angeeignet haben. Dank der professionellen Unterstützung der Wetteraner Feuerwehren, die die Verletzten teilweise unter Einsatz von schwerem Gerät und beeindruckender Akrobatik aus den Fahrzeugen befreite, konnten die angehenden Notfallsanitäter die Unfallopfer erstversorgen und stabilisieren und für den Transport in die umliegenden Krankenhäuser vorbereiten.

Am Nachmittag dann hielt der Schrecken mitten im Städtchen Wetter Einzug. In diesem Szenario hatte der Blitz in den Turm der Stiftskirche eingeschlagen, ausgerechnet am Tag des Denkmals, zu einem Zeitpunkt also, als sehr viel mehr Besucher als sonst dort vor Ort waren.

Die Unfallstelle war so präpariert, als seien Steinquader aus dem Turm herausgesprengt worden und hätte Besucher teilweise unter sich begraben.

Auch dies wieder ein Fall für die Feuerwehr, die die Opfer mit schwerem Gerät befreien und für die Versorgung durch die Sanitätsteams zugänglich machen musste.

Erlernte Automatismen live anwenden

Insgesamt war dieser Tag sehr herausfordernd für alle Beteiligten, doch genau deshalb würden solche Übungen organisiert, erläuterte Dirk Schrey. Im Rahmen solcher realistischer Trainings könnten die Azubis die erlernten Automatismen, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten live anwenden, dazulernen und die notwendige Sicherheit für den Ernstfall gewinnen. An den Übungen waren die Auszubildenden des DRK Frankenberg, DRK-Rettungsdienstes Mittelhessen und der JUH-Regionalverband Mittelhessen beteiligt, unterstützt von den Freiwilligen Feuerwehren Wetter und den Stadtteilen Mellnau, Ober- und Unterrosphe.

Die dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter und zur Notfallsanitäterin ist in verschiedene Blöcke aufgeteilt, wobei der theoretische Teil im Bildungszentrum des Deutschen Roten Kreuzes Mittelhessen in Marburg-Cappel stattfindet, die berufspraktischen Teile in den Krankenhäusern und Rettungswachen des Landkreises.

Von Volker Kubisch