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Nordkreis Ein Grab im Wald
Landkreis Nordkreis Ein Grab im Wald
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10:00 12.04.2022
Im Wald verstecktes Bodendenkmal: die Förster Matthias Hupfeld und Michael Funk (Mitte) mit den Helfern des Marburger Jugendnetzwerks Juko beim Arbeitseinsatz an einem zugewachsenen Hügelgrab aus der Bronzezeit bei Wiesenfeld.
Im Wald verstecktes Bodendenkmal: die Förster Matthias Hupfeld und Michael Funk (Mitte) mit den Helfern des Marburger Jugendnetzwerks Juko beim Arbeitseinsatz an einem zugewachsenen Hügelgrab aus der Bronzezeit bei Wiesenfeld. Quelle: Foto: Karl-Hermann Völker
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Münchhausen

Die tiefen Hohlwegspuren im Wald zwischen Wiesenfeld und Burgwald erinnern heute noch an die fränkische Fernstraße Bremen-Frankfurt.

Im Juli 1932 bereits entdeckte der Marburger Landeshistoriker Willi Görich unweit dieser alten Handelsstraße eine Gruppe von bronzezeitlichen Hügelgräbern, von denen Archäologen zwei Hügel noch kurz vor dem Bau der Munitionsanstalt an der „Hühnerhütte“ 1937 öffnen konnten.

Ein vermutlich weiterer Grabhügel oberhalb von Wiesenfeld, von dichtem Unterholz bedeckt, wurde jetzt in einem Projekt des Bildungsträgers Juko Marburg, das Jugendkompetenznetzwerk, unter Leitung von Forstingenieur Michael Funk (Münchhausen) von jungen Leuten freigeschnitten und wieder sichtbar gemacht.

Dass die auffällige, runde Kuppe im Distrikt 132 möglicherweise ein Bodendenkmal sein könnte, hatten Forstbeamte bereits früher vermutet. Zeitzeugen erinnerten sich, dass die Waldarbeiter „an dieser Stelle schon immer vom ‚Hügelgrab‘ sprachen“.

Anlässlich des Hessischen Archäologietages 2003 in Frankenberg bestätigten Fachleute bei einem Geländebegang diese Vermutung: Form, Lage und Nähe zur alten Fernstraße weisen darauf hin, dass der Hügel als Bestattungsort für Menschen gedient hat, die hier vor etwa 3 000 Jahren lebten.

Mit Revierförster Matthias Hupfeld (Ernsthausen) und Michael Funk erkundeten die Juko-Mitarbeiter zunächst die landschaftlichen Gegebenheiten des Geländes, informierten sich dann mit historischen Fotos und Querschnittszeichnungen über die Besonderheiten solcher bronzezeitlichen Hügelbestattungen.

Dann begann ihre praktische Arbeit mit den Motorsägen: Alte Stümpfe, junger Baumbewuchs und Gestrüpp wurden entfernt, bis die sauberen Konturen des Grabhügels wieder sichtbar waren.

Unterstützung für Förster

„Die Helfergruppe war hoch motiviert“, freute sich Förster Hupfeld. „Wir wären aktuell mit unseren Arbeitskräften aufgrund der drängenden Windwurf- und Pflanzarbeiten im Burgwald gar nicht in der Lage, uns um solch eine Aufgabe zu kümmern.“ Begleitet wurden die Projektteilnehmer zu Beginn ihres dreitägigen Waldeinsatzes an verschiedenen Orten des Burgwalds von Annika Haas, Koordinatorin der Juko. „Mit unserem neuesten Projekt ‚Go Green‘ sollen junge Menschen in ‚grüne Berufe‘ gebracht werden mit Zugängen zu den Bereichen Umwelt- und Naturschutz, Forstwirtschaft, außerdem berufsverwandten Branchen wie Garten- und Landschaftsbau sowie Landwirtschaft“, erklärte sie.

Das Projekt „Go Green“ ist Bestandteil einer regional übergreifenden hessischen Trägerkooperation. Mit ihm soll bei jungen Menschen Verständnis für nachhaltiges Handeln, Ressourcenschonung und verstärkter Zuwendung zur Natur gewonnen werden, wie Annika Haas am Beispiel des Waldeinsatzes in Wiesenfeld erläuterte.

„Der Erfolg unseres Projektes liegt in der Verzahnung von fachpraktischer Anleitung mit zertifizierten Qualifizierungsmodulen. Dabei zielen wir ab auf individuelle Schlüsselqualifikationen, die auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt von zunehmend großer Bedeutung sind.“

Hügelbau

Die meisten Hügelgräber stammen aus der mittleren und späten Bronzezeit (1600 bis etwa 1300 vor Christus) und der frühen Eisenzeit (der Hallstattzeit 800 bis 600 vor Christus). Beigesetzt wurde darin sowohl die Asche von Verstorbenen wie auch ganze Körper, meistens in einem Holzsarg oder ausgehöhlten Baumstamm. Hier legte man auch Beigaben wie Keramik oder Wegzehrung nieder.

Diese zentrale Ruhestätte wurde dicht mit Steinen oder Lehm zugepackt, darüber ein Grabhügel aufgeschüttet (Höhe durchschnittlich drei Meter), der zur äußeren Begrenzung mit einem Steinkranz (Durchmesser etwa zehn Meter) umgeben wurde. Bei der archäologischen Öffnung des Hügelgrabes auf der „Hühnerhütte“ (spätere „Muna“) konnte eine Bronzenadel geborgen werden.

Von Karl-Hermann Völker

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