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Nordkreis 40 Jahre für Wollmar und Gemeinde aktiv
Landkreis Nordkreis 40 Jahre für Wollmar und Gemeinde aktiv
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13:00 11.04.2021
Johannes Wagner aus Wollmar liebte es, Landwirt zu sein. Parallel dazu engagierte er sich für Berufskollegen und in der Kommunalpolitik. Mit der Politik ist jetzt Schluss, in Sachen Landwirtschaft hilft er seinem Sohn gerne noch.
Johannes Wagner aus Wollmar liebte es, Landwirt zu sein. Parallel dazu engagierte er sich für Berufskollegen und in der Kommunalpolitik. Mit der Politik ist jetzt Schluss, in Sachen Landwirtschaft hilft er seinem Sohn gerne noch. Quelle: Götz Schaub
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Wollmar

Mit 66 Jahren erstmals ins Parlament? Das machen nicht gerade wenige. Nach Beendigung eines langen aktiven Arbeitslebens sich noch mal für die Heimatkommune engagieren, das klingt ja nach einer guten Anschluss-Aufgabe.

Landwirt Johannes Wagner aus Wollmar geht den umgekehrten Weg. Für ihn ist jetzt mit 66 Jahren kommunalpolitisch Schluss. Seit 1981 hat er sich neben seinem Beruf in verschiedenen Gremien engagiert. Zunächst im Ortsbeirat Wollmar, dann ab 1985 für die CDU im Parlament Münchhausen, und das bis zur gerade zu Ende gegangenen Legislaturperiode. Von 2011 bis 2016 war er dabei auch mal Mitglied des Gemeindevorstandes, ehe er noch einmal für fünf Jahre Fraktionsvorsitzender wurde. Dieses Amt hatte er übrigens seit 1993 inne. 1993 war auch das Jahr, in dem er Ortsvorsteher wurde. 18 Jahre füllte er das Amt aus, bis Wolfgang Henseling 2011 übernahm.

Seit den 90er-Jahren gibt es in seinem Heimatort für die Ortsbeiratswahl nur noch eine Einheitsliste. „Das hat sich absolut bewährt, denn im Ortsbeirat geht es doch ausschließlich um den Ort und nicht um Politik“, sagt Wagner. Und wenn man engagierte Menschen um sich schart, kommen auch so schöne Erlebnisse heraus, wie etwa die Teilnahme am Wettbewerb unser Dorf 2002, die über den Landessieg 2003 im Folgejahr auf Bundesebene zur Bronzemedaille führte. „So was bleibt natürlich in guter Erinnerung, auch die Fahrt mit einem Bus nach Berlin zur Preisverleihung während der Grünen Woche in 2005.“

Auch das große Fest 2006 zum 1225-jährigen Bestehen des Ortes wird ihm mit all der Arbeit drumherum in guter Erinnerung bleiben. Überhaupt fällt sein Resümee als Kommunalpolitiker sehr positiv aus. „Ich kann sicher mit jedem Mitglied anderer Parteien ein Bier zusammen trinken“, bringt er es auf den Punkt. Auch wenn in der Sache manchmal heftiger diskutiert wurde, blieb es immer bei sachlichen Auseinandersetzungen, persönliche Anfeindungen waren nie sein Stil und er musste sie auch nie ernsthaft erdulden. „Es war eigentlich jedem immer klar, dass auch der, der eine andere Meinung vertrat, dabei immer das Wohl der Gemeinde im Sinn hatte.“

Bis zum Ende des Jahres ist er noch CDU-Vorsitzender

Noch bis Ende des Jahres ist Wagner Vorsitzender der CDU Münchhausen. „Wenn dann jemand übernehmen will, werde ich nicht im Wege stehen“, kündigt er an. Es sei nun die Zeit, an vorderster Stelle Platz zu machen. Das hat er im privaten Bereich bereits 2019 getan, als er seinem Sohn Christian den Hof übergab, damit dieser rechtzeitig seine Vorstellungen verwirklichen kann, wie der Hof in Zukunft aufgestellt sein soll. Vielleicht geht es von der Milchkuhhaltung mehr in Richtung Rinderhaltung, schließlich ist Sohn Thorsten als Metzger in Wollmar tätig. Wagner ist ein Familienmensch und freut sich, dass alle drei Kinder, also die Söhne Christian und Thorsten sowie Tochter Anke mit Familien in Wollmar leben. Gerne wird er Christian bei Aufgaben auf dem Hof helfen, während seine Ehefrau Irmgard in der Metzgerei mithilft, doch werden beide auch ihren Feierabend genießen. Daran müsse er sich noch gewöhnen, aber er freue sich darauf, einfach mal Abende zu erleben, ohne irgendwelche Planungen und Termine im Hinterkopf zu haben oder an Anrufe denken zu müssen, die noch unerledigt sind.

Johannes Wagner war übrigens nicht einfach nur Landwirt. Auch für seine Berufskolleginnen und -kollegen engagierte er sich. Unter anderem war er lange Zeit stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauernverbandes.

Er war auch mal Teil der CDU-Fraktion im Kreistag. Doch waren die Sitzungstage, die zumeist um 8 Uhr mit einer Fraktionssitzung losgingen, für ihn schon sehr stressig, denn sein Tag fing deshalb nicht anders, sondern nur noch früher als sonst an: „Die Kühe müssen eben immer gemolken werden“, sagt er.

Als unersetzlich hat er sich nie angesehen

Was ihn aktuell besonders freut, ist, dass Wollmar zuletzt Zuzug von jungen Menschen verzeichnete. Zum einen junge Menschen, die aus dem Ort stammen und nun zurückgekommen sind, zum anderen aber auch Ortsfremde. Mit der B-252-Ortsumgehung werde der Ort für berufstätige Pendler schon attraktiver.

Nun hofft Wagner, dass sich Wollmar über das zweite Dorferneuerungsprogramm weiter positiv entwickelt. Und er ist auch davon überzeugt, dass es im Parlament auch ohne ihn gut weitergehen wird. Er hat seine Aufgaben geliebt und sehr gerne erfüllt, sich aber nie als unersetzlich angesehen. So konnte er jetzt auch gut loslassen mit der Überzeugung, dass die CDU-Fraktion auch ohne ihn für kommende Aufgaben gut aufgestellt sein wird.

Von Götz Schaub

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