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Nordkreis Jens Ried: Friedhöfe werden Park ähnlicher
Landkreis Nordkreis Jens Ried: Friedhöfe werden Park ähnlicher
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13:58 24.08.2020
Ein Blick über einen Teil des Cölber Friedhofs. Ruhebänke an verschiedenen Stellen laden Menschen, die sich um Gräber kümmern, ein, sich auszuruhen und mit anderen ins Gespräch zu kommen.
Ein Blick über einen Teil des Cölber Friedhofs. Ruhebänke an verschiedenen Stellen laden Menschen, die sich um Gräber kümmern, ein, sich auszuruhen und mit anderen ins Gespräch zu kommen. Quelle: foto: Götz Schaub
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Cölbe

In vielen Kommunen des Landkreises wird in Sachen „Friedhof“ neu gedacht. Die doch relativ schnell veränderte Bestattungskultur hat viele langfristige Überlegungen zur Friedhofsgestaltung ins Leere laufen lassen. Damit einher gingen Kostenkalkulationen, die auf falschen Annahmen basierten. Gerade auf dem Land hatte man nicht damit gerechnet, wie schnell typische und damit erwartbare Bestattungsformen auslaufen würden. Die Cölber Gemeindevertreter beschäftigen sich in der nächsten Woche zunächst in den Ausschüssen, dann am Montag, 31. August, ab 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle Bürgeln abschließend in der Gemeindevertretung mit einer aktualisierten Friedhofssatzung und mit einer entsprechend aktualisierten Gebührensatzung.

Neues Angebot wohl ab Herbst 2021

Für Cölbes Bürgermeister Dr. Jens Ried ist klar, dass etwas passieren muss, wenn man möchte, dass Bürger aus der Gemeinde ihre letzte Ruhestätte vermehrt auch wieder dort wählen. Zum einen wählen doch viele Menschen die Feuerbestattung und verzichten auf ein Grab, zum anderen wünschen sich auch viele eine Ruhestätte in einem Friedwald, den die Gemeinde Cölbe nicht anbieten kann. „Aber wir können Ähnliches entwickeln“, sagt Ried. Er geht davon aus, dass sich Friedhöfe immer mehr zu Parkanlagen entwickeln, die auch als Orte der Begegnung wahrgenommen werden. Sicherlich werde es dort noch klassische Grabfelder geben, aber vermehrt auch Urnenwände, Wiesen- und Stelengrabstätten sowie Baumgrabstätten. Letztere Möglichkeit soll jetzt in der Gemeinde Cölbe neu mit aufgenommen werden. Dabei sollen je Baumgrabstätte sechs Grabstellen ausgewiesen werden, wobei in jeder Grabstelle bis zu zwei Urnen beigesetzt werden können. „Wenn das Gemeindeparlament diese Bestattungsform beschließt, werden wir im Herbst entsprechende Bäume pflanzen und schon ab Januar 2021 die Baumgrabstätten erstmals anbieten“, sagt Ried. Bei der Auswahl der Bäume werde darauf geachtet, dass diese auch mit wärmeren Temperaturen und Trockenheit im Sommer gut zurechtkommen. Bestattungen von Ascheresten sollen auch möglich sein an besonders ausgewiesenen Bäumen im Wurzelbereich. An den Bäumen dürfen Namenstafeln angebracht werden in einer Größe von maximal sechs mal neun Zentimetern. Auf Grabschmuck muss dort allerdings komplett verzichtet werden. Zudem soll die neue Friedhofssatzung es erlauben, dass totgeborene Kinder dort bestattet werden können.

Bei den Gebühren werden verschiedene Posten angehoben, andere sollen aber künftig weniger kosten. So kostet die Aufbahrung einer Leiche bis zu fünf Tagen derzeit 100 Euro, jeder weitere Tag 20 Euro extra. Ab 1. Januar 2021 sollen pauschal pro Tag 17 Euro fällig werden. Auch die Benutzung der Kühlzelle soll pauschal mit sieben Euro pro Tag abgerechnet werden. Derzeit sind es 45 Euro für bis zu fünf Tage, für jeden weiteren zehn Euro extra.

Bestattung von Kindern soll teurer werden

Allerdings gibt es an anderen Stellen enorme Erhöhungen. Etwa bei der Bestattung eines Kindes bis zum fünften Lebensjahr. Dort hatte man sich zuletzt 2016 für sehr moderate Preise entschieden, die jetzt offenbar angepasst werden sollen.

Mit den beiden Satzungen beschäftigen sich vorbereitend alle drei Cölber Ausschüsse und zwar jeweils ab 19.30 Uhr im kleinen Saal der Cölber Gemeindehalle. Der Umwelt-, Bau- und Planungsausschuss am Montag, 24. August, der Sport-, Kultur- und Sozialausschuss am Mittwoch, 26. August, und der Haupt- und Finanzausschuss am Donnerstag, 27. August.

Von Götz Schaub