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Nordkreis Jede einzelne Fahrt spart eine Autofahrt
Landkreis Nordkreis Jede einzelne Fahrt spart eine Autofahrt
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15:58 26.07.2021
Dr. Jens Ried (Zweiter von links) und Regine Hassenpflug (Dritte von links) übergeben die ersten zwei Lastenräder an die Paten. Links Moritz Schneider mit seinem Sohn und rechts Anja und Tobias Weihl mit ihren Kindern.
Dr. Jens Ried (Zweiter von links) und Regine Hassenpflug (Dritte von links) übergeben die ersten zwei Lastenräder an die Paten. Links Moritz Schneider mit seinem Sohn und rechts Anja und Tobias Weihl mit ihren Kindern. Quelle: Götz Schaub
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Cölbe

„Das ist sicher ein Beitrag zur Verkehrswende und für mich ganz klar die Fahrzeuge der Zukunft.“ Das sagt Regine Hassenpflug von der Gemeinde Cölbe. Was meint sie? Drohnen, die Pakete liefern? Lufttaxis? – Nein, schlicht Fahrräder. Nicht irgendwelche. Lastenfahrräder mit Akku-Unterstützung. So kann jeder, der etwas transportieren möchte, etwa Lebensmittel oder Material aus dem Baumarkt, auch mal der Umwelt zuliebe auf sein Auto verzichten.

Die Gemeinde Cölbe hat nun für ihre Ortsteile Schönstadt, Reddehausen, Bürgeln, Schwarzenborn und Cölbe je ein Lastenrad angeschafft, mit einer Landesförderung von satten 88,3 Prozent. Ausgangspunkt war das Projekt „Radfahren neu entdecken“ des hessischen Wirtschaftsministeriums. Die Gemeinde Cölbe orderte Räder zum Probefahren und wurde von der Nachfrage aus der Bürgerschaft positiv überrascht. So kam es zur Idee, möglichst in jedem Ortsteil außer Bernsdorf ein Verleihsystem einzurichten.

Fünf Lastenräder haben allerdings auch ihren Preis. Knapp 40 000 Euro hätten sie Cölbe gekostet, wenn da nicht die enorme Förderung gewesen wäre. Die hohe Fördersumme zeigt, dass das Land Hessen es den Kommunen einfach machen will, der neuen Idee eine Chance zu geben. Und die Nachfrage war entsprechend gut. Die Fördergelder von insgesamt 1,2 Millionen Euro wurden vollständig abgerufen, es wurde sogar noch Geld nachgeschossen und auch das wurde ratzfatz nachgefragt.

„Wir sind sehr glücklich, dass wir von dem Programm profitieren konnten“, sagt Cölbes Bürgermeister Dr. Jens Ried. Die Räder werden dieser Tage auf die Ortsteile verteilt. Wer mitmachen will, meldet sich bei der Gemeinde an. Dann erhält man alle notwendigen Infos, etwa wo man das Rad findet und wie man es zur Nutzung aufschließen kann.

Die Räder sind bei sogenannten Paten untergebracht. Sie sorgen dafür, dass sie geschützt stehen, aber dennoch jederzeit für Mitglieder zugänglich sind. Da man sie per Handy entsperren kann, ist es nicht notwendig, dass der Pate bei der Übernahme oder Abgabe vor Ort sein muss.

Das Fahren eines Lastenrades bedarf schon einer gewissen Eingewöhnung. Deshalb ist die erste Nutzung komplett kostenfrei. Wer dann Gefallen findet und es öfter nutzen will, beteiligt sich mit einem Jahresbeitrag von zehn Euro an der Sache. Zunächst, so Regine Hassenpflug, ist auch vorgesehen, einen Euro pro Nutzungsstunde zu berechnen. Das könne sich aber alles noch ändern, durchaus auch zugunsten der Nutzer. „Wir müssen da erst einmal Erfahrungen sammeln“, so Hassenpflug. Zwei Räder sind mittlerweile fest am Start. In Reddehausen stellt sich Moritz Schneider als Pate zur Verfügung, in Schwarzenborn sind es Anja und Tobias Weihl. Sie holten die Räder bei der Gemeindeverwaltung ab. Moritz Schneider ist begeistert. Das Rad lasse sich prima nehmen, um Kinder in den Kindergarten zu bringen, denn der „Lastraum“ fungiert auch als Sitzkabine, die mit Gurten ausgerüstet ist. Maximal kann man 100 Kilo zuladen. Jede Fahrt ersetzt eine Fahrt mit dem Auto. Auch zum Fußballtraining.

Die Sporttasche ist schnell vorne reingestellt und ab geht’s. Nach dem Training muss man keine Angst haben, noch einmal gefordert zu werden, der unterstützende Motor macht die Heimfahrt zum Vergnügen. Auch in Bürgeln sind die Vorbereitungen weitestgehend abgeschlossen. In Schönstadt und Cölbe sind noch Vorbereitungen zu treffen. Die Räder sind übrigens eine farbliche Sonder-Edition, somit weiß jeder, dass sie aus dem hessischen Fördertopf finanziert wurden.

Wer Fragen zum Verleihsystem hat oder sich dafür anmelden will, wendet sich an Regine Hassenpflug zu ihren Dienstzeiten im Büro unter Telefon 0 64 21 / 98 50 34 oder per Mail: hassenpflug@coelbe.de

Von Götz Schaub